Erfahrungsbericht vom Praktikum im Bartgeierprojekt 2026

Drei Monate mit den Bartgeiern im Nationalpark Berchtesgaden

Alpenglühen  |© Seraphina Schönherr © Seraphina Schönherr
Solche eindrucksvollen Anblicke entschädigen für das mitunter frühe Aufstehen und frische Temperaturen am morgen.

Wir, Phine und Dana, durften dieses Jahr drei Monate lang als Praktikantinnen im Bartgeierprojekt mitarbeiten. Die Erfahrungen, die wir hier machen konnten, sind einmalig! Nicht nur die Menschen, mit denen wir zusammengearbeitet haben, sondern auch die Landschaft, das Wissen, das wir uns angeeignet haben und natürlich die Bartgeier werden uns lange begleiten.

Beworben haben wir uns vor allem, weil wir direkt am Schutz einer so spektakulären Art mitarbeiten und das Projekt von innen kennenlernen wollten. Gleichzeitig war der Nationalpark sehr überzeugend. Bei der Vorstellung den Sommer in dieser beeindruckenden Landschaft zu verbringen, musste man uns nicht dreimal fragen...

 

Tätigkeiten während des Praktikums

Alosa  |© Seraphina Schönherr © Seraphina Schönherr
Während der Nischenzeit sind die Jungvögel durch das Spektiv relativ nah zu beobachten. Dabei müssen dann die Verhaltensweisen und die Entwicklungen der Tiere genau aufgenommen werden.

Da die Auswilderung der Bartgeier in diesem Jahr rund einen Monat später als sonst stattfand, blieb uns im Mai viel Zeit, uns in das Thema Bartgeier einzuarbeiten. Ein großer Teil dieser Wochen bestand aus Lesen und Lernen. Dazu kamen zahlreiche Ausflüge mit einer unserer Vorgesetzten, Silke. Sobald sich irgendwo ein Bartgeier in der Nähe aufhielt, nahm sie uns mit, um ihn uns zu zeigen. So lernten wir die Tiere schon kennen, bevor die diesjährigen Jungvögel überhaupt ausgeflogen waren.

Parallel dazu begleiteten wir mehrfach die Nationalpark Praktikantinnen und Praktikanten beim Steinadlermonitoring. Dabei lernten wir auch die Methodik des Monitorings kennen, auf die wir später bei den Bartgeiern zurückgreifen konnten.

Wir haben die Vorbereitungen, die Auswilderung und die ersten Ausflüge von Alosa und Zierli miterlebt. Nach der Auswilderung sind die Jungvögel zunächst noch flugunfähig und trainieren in der Nische ihre Muskulatur. In dieser Zeit entwickeln sie sich ohne direkten Kontakt zu Menschen.

 

Monitoring und Infostand

Monitoring |© Seraphina Schönherr © Seraphina Schönherr
Das Monitoring und der Infostand finden in der faszinierenden Kulisse der Halsgrube an der Ostseite der Reiteralm im Nationalpark Berchtesgaden statt.

Sobald die beiden Jungvögel in der Nische waren, wurden sie möglichst rund um die Uhr überwacht. Das Monitoring soll sicherstellen, dass sich die Tiere gut aneinander und an ihre neue Umgebung gewöhnen, und liefert zugleich die Grundlage für die wissenschaftliche Auswertung des Projekts. Dafür gab es eine Aufteilung in Früh- und Spätschicht, die sich mittags ablöste. Protokolliert wurden unter anderem Flugzeiten und Flughöhe, die Nahrungsaufnahme, Ausscheidungen sowie Interaktionen mit anderen Vögeln in der Umgebung. Zusätzlich haben wir Daten digitalisiert und für die weitere Auswertung im Projekt aufbereitet.

Eine Besonderheit in diesem Jahr war, dass Alosa ungewöhnlich früh zu ihrem ersten Ausflug aus der Nische aufbrach. Dadurch verbrachten die beiden Geier anfangs weniger Zeit miteinander, und jede Begegnung mit den ortsansässigen Rabenkrähen wurde beim Monitoring besonders spannend. Erst später flogen Alosa und Zierli auch wieder gemeinsam.

Die intensive Einarbeitung hat sich am Infostand und bei den Führungen ausgezahlt. Hier konnten wir den vielen wissbegierigen Besucherinnen und Besuchern erzählen, was uns selbst an den Bartgeiern so fasziniert, ihre Fragen beantworten und auch einige Bartgeier-Anekdoten weitergeben. Wissen zu vermitteln und andere für die Art zu begeistern hat uns unglaublich viel Spaß gemacht.

 

 

Diensthütte   |© Seraphina Schönherr © Seraphina Schönherr
In dieser wunderschönen Diensthütte des Nationalparks, die für das Projekt zur Verfügung steht, darf beim Einsatz in der Frühschicht übernachtet werden.

Gewohnt haben wir zu zweit in einer Ferienwohnung auf dem Hof von einem unserer Chefs, Toni, in Schönau am Königssee. In der Wohnung über uns lebten zwei Bundesfreiwillige, mit denen wir uns sehr gut verstanden haben und auch mit der WG in Ramsau haben wir öfter etwas unternommen. Die Lage ist ein Traum, auch wenn die Busanbindungen noch ausbaufähig sind. Man braucht ungefähr 30 Minuten zu Fuß zum See und kann währenddessen auch kleine Wasseramseln im Fluss beobachten. Einem muss aber bewusst sein, dass es eine sehr intensive Zeit ist, sich drei Monate sowohl das Zimmer zu teilen als auch zusammen zu arbeiten und weitgehend seine Freizeit gemeinsam zu verbringen. Für uns war dies glücklicherweise kaum ein Problem, da wir uns gut verstanden und gemeinsame Wanderungen, Koch- und Filmabende und Second-Hand-Shopping Jagden zusammen, oder mit anderen Bufdis und Praktis, gemacht haben.

Fazit

Arbeit in der Halsgrube  |© Seraphina Schönherr © Seraphina Schönherr
Gelegentlich kommt es auch zu anderen Arbeitseinsätzen in der alpinen Bergwelt der Halsgrube

Fazit

Die drei Monate sind wie im Flug vergangen und wir können allen, die überlegen ein Praktikum zu machen oder auch einfach nur mal den Nationalpark Berchtesgaden zu besuchen, dies von Herzen empfehlen.

Jeden Tag an der frischen Luft zu verbringen, zu merken, wie es einem von Woche zu Woche ein bisschen leichter fällt den Berg zur Monitoringhütte oder zum Infostand hoch zu laufen, die Tage dort mit ganz vielen tollen Kolleg:innen zu verbringen klingt nicht nur nach einer wunderschönen Arbeit, es ist es auch. Die komplette Zeit im Bartgeierprojekt war für uns prägend. Wir haben in diesen drei Monaten unglaublich viel Wissen aufgesogen, über den Bartgeier selbst, aber auch über Monitoring-Arbeit und Umweltbildung im Allgemeinen und durften dieses Wissen direkt am Infostand an interessierte und wissbegierige Menschen weitergeben. Genauso wichtig wie die fachlichen Inhalte war für uns, dass wir als Team so gut zusammengewachsen sind, was die Zeit in Berchtesgaden auch zu etwas Besonderem gemacht hat.

Vielen Dank an alle, die dieses Praktikum möglich gemacht haben, die wir währenddessen kennenlernen durften und die ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit uns geteilt haben.

Die Praktis & Bufdis 2026

Ein Teil des Teams 2026  |© Seraphina Schönherr © Seraphina Schönherr
Seraphina Schönherr & Dana Mauch

von David Schuhwerk,

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