Das Monitoring häufiger Brutvögel

Arbeiten Sie bei Deutschlands Monitoring der Brutvögel mit

Monitoring | © Henning Werth © Henning Werth
Deutschlandweites Monitoring der Brutvögel.

Sie erkennen die häufigen Vogelarten an Federkleid und Gesang? Sie haben zwischen März und Juni jeweils einmal im Monat 3-4 Stunden Zeit für einen 3 Kilometer langen Spaziergang? Sie wollen bei der wichtigen Aufgabe mithelfen, ein Vogelarten-Monitoring in Deutschland in die Praxis umzusetzen? Dann heißen wir Sie beim Monitoring häufiger Brutvögel herzlich willkommen!

!Hinweise über Corona und Monitoring! (Stand 23.2.2020)

Aufgrund der neuen Entwicklungen als Folge der Corona-Pandemie, möchten wir Sie heute kurz im Hinblick auf die Monitoring-Aktivitäten informieren, da auch vermehrt diesbezügliche Anfragen bei uns eintreffen.

Es in ganz Bayern für (vorläufig) zwei Wochen Ausgangsbeschränkungen. Da man grundsätzlich noch allein oder mit Partner (in gemeinsamen Hausstand) spazieren gehen darf, gibt es bezüglich des Brutvogelmonitorings folgendes zu bedenken. https://www.bayern.de/service/informationen-zum-coronavirus/vorlaeufige-ausgangsbeschraenkung-anlaesslich-der-corona-pandemie/  für uns relevant ist Punkt 5. g)

Für die Kartierungen müssen Sie natürlich unter allen Umständen zuerst an ihre eigene Gesundheit und die ihrer Mitmenschen denken!

Niemand sollte sich unter den gegebenen Umständen dazu genötigt fühlen zu kartieren. Im Krankheitsfall sollte natürlich generell niemand kartieren, ebenso wenig, wenn der Verdacht einer Ansteckung mit dem Corona-Virus vorliegt.

Ansonsten wird auch von Kartierungen,

  • die von mehr als einer Person durchgeführt werden,
  • für die zum Erreichen der Probefläche der ÖPNV notwendig ist oder
  • die nur mit Zustimmung eines privaten Eigentümers möglich sind (Kartierungen auf Truppenübungsplätzen, Gelände von Firmen, Wasserwerken o.ä.)

explizit abgeraten.

Für wen das nicht zutrifft und wer weiterhin kartieren kann und möchte, kann von uns eine personalisierte Bescheinigung bekommen, mit der zumindest offensichtlich wird, dass Sie im Interesse der öffentlichen Hand unterwegs sind. Name und Anschrift sind auf der Bescheinigung enthalten und diese sollte immer zusammen mit einem gültigen Personalausweis mitgeführt werden.

Die Bescheinigung darf ausschließlich für Ihre Kartierungen für das Monitoring genutzt werden. Es sollte unmissverständlich klar sein, dass sich aus der Bescheinigung keinerlei "Rechtsanspruch auf Freigang" ableiten lässt (insbesondere nicht im Falle einer Ausgangssperre) und die Kartierungen erfolgen auf eigene Verantwortung. Wenn die Exekutive vor Ort Sie trotz Bescheinigung nicht passieren lässt, so ist das anstandslos und ohne Diskussionen zu akzeptieren.

Es steht zu befürchten, dass sicherlich Leute aus allen gesellschaftlichen Bereichen ihre "Ausnahmen" von einer Ausgangssperre geltend machen wollen und da werden die Ordnungsbehörden früher oder später strikt durchgreifen müssen. Wir können zum jetzigen Zeitpunkt keine rechtskräftige Ausnahmegenehmigung ausstellen und möchten grundsätzlich nicht zur Umgehung einer etwaigen Ausgangssperre ermuntern, in jedem Fall ist das Kontaktverbot unbedingt einzuhalten. Allerdings ist uns bekannt, dass viele Zählgebiete ohne Kontakt zu anderen Menschen begehbar sind.

Daher möchten wir denjenigen von Ihnen, die auf Eigeninitiative versuchen wollen Ihre Begehungen zu absolvieren, diese unverbindliche Hilfestellung anbieten, wohlwissend, dass sie keinen Rechtsanspruch erfüllt.

Überlegen Sie sich daher bitte sorgfältig und äußerst verantwortungsvoll, ob Sie ihr Zählgebiet ohne engen Kontakt zu anderen Menschen erreichen und begehen können.

Wer eine personalisierte Bescheinigung über die Teilnahme am Vogelmonitoring erhalten möchte, meldet sich bitte unter . Wir senden Ihnen die Bescheinigung per E-Mail als PDF-Datei zu, die Sie sich selbst ausdrucken können.

Bleiben Sie gesund und besonnen!

Hintergründe zum Vogelmonitoring

Verändert sich Vogelbestände der Agrarlandschaft durch die zunehmende „Vermaisung“ im Folge der Energiewende? Wie stark rückläufig sind die Bestände der Feldlerche? Diese und ähnliche Fragen können nur beantwortet werden, wenn entsprechende Basisdaten auf breiter Fläche in systematischer Weise erhoben werden. Die Bereitstellung von Daten über unsere Vogelbestände ist sogar eine Verpflichtung aus der EU-Vogelschutzrichtlinie und anderer internationaler Abkommen.

Auch im Bundesnaturschutzgesetz ist die „gezielte und fortlaufende Ermittlung, Beschreibung und Bewertung des Zustands von Natur und Landschaft…“ vorgeschrieben (§6 BNatSchG). Diese gezielte und fortlaufende Ermittlung -oder anders gesagt, das Monitoring - sind also unverzichtbare Grundlage unseres Wissens über die heimische Vogelwelt und auch für eine Effizienzkontrolle von Schutzgebieten und Maßnahmen im Artenschutz.

Dauerhaftes Monitoring von Vogelarten wird in Deutschland vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und in Bayern vom LBV und dem Landesamt für Umwelt (LfU) koordiniert. Verschiedene Vogelgruppen werden dabei mit unterschiedlichen Methoden in getrennten Modulen erfasst.

Monitoring häufiger Vogelarten in Bayern

Feldlerche im Gras | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Die Feldlerche braucht Schutz und Lebensraum.

Eines der Module konzentriert sich dabei auf die bei Vogelbeobachtern oft wenig attraktive „Normallandschaft“ und deren „häufige“ Vogelarten, die in der Vergangenheit meist wenig Beachtung fanden. Dies führte dazu, dass der Rückgang weit verbreiteter Arten, wie Feldlerche und Haussperling oft erst dann bemerkt wurde, als er schon weit fortgeschritten war.

Das vom LBV in Bayern koordinierte „Monitoring häufiger Vogelarten“ schafft durch Zählung auf 1 km2 großen Dauerbeoachtungsflächen die Grundlagen, weitere Veränderungen schon in ihren Anfängen zu erkennen. Nur dann hat man eine Chance gegen negative Entwicklungen auch zeitnah wirksame Gegenmaßnahmen zu finden.

Für häufige Arten wurde 1989 begonnen, ein systematisches Vogelmonitoring aufzubauen. 2004 entstand daraus das methodisch überarbeitete "Monitoring häufiger Brutvogelarten". Deutschland wird dabei mit einem Netz von 2637, jeweils 1 km² großen Probeflächen überzogen, die einmalig vom Bundesamt für Statistik ausgewählt wurden und unveränderlich sind. Auf diesen Probeflächen werden alljährlich die Bestände aller Vogelarten nach bundesweit einheitlichen Methoden erhoben.

Die gewonnen Daten werden regelmäßig vom DDA veröffentlicht und dienen u.a. zur Errechnung von Nachhaltigkeitsindikatoren die einen wichtigen Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung darstellen und Bestandteil der Berichtspflichten im Rahmen der  EU-Vogelschutzrichtlinie sind.

Weitere Module des Vogelmonitorings

In weiteren Modulen des Monitorings werden andere Schwerpunkte gelegt. So gibt es z.B. auch ein Wasservogelmonitoring zur Erfassung rastender und durchziehender Arten unserer Gewässer und Feuchtgebiete. Im Rahmen internationaler Abkommen, wie der Convention on Migratory Species, hat Deutschland eine besondere Verantwortung für die wandernden Arten übernommen. Die seit Ende der 1960er Jahre laufenden Erfassungsprogramme sollen schrittweise verbessert und ihre Anpassung an internationale Verpflichtungen vorangetrieben werden. In einem weiteren Modul werden schwerpunktmäßig gefährdete und geschützte Brutvögel erfasst, was wiederum für die Erstellung der Roten Listen von großer Bedeutung ist. 

Warum Vögel?

Vögel sind die auffälligste, attraktivste und damit auch am besten untersuchte Artengruppe. Da die Durchführung dauerhafter Monitoring Programme nur mit Hilfe zahlreicher ehrenamtlicher Mitarbeiter möglich ist, hat das Monitoring von Vögeln damit die beste Grundlage für die Schaffung einer breiten und soliden Datenbasis. Allein in Deutschland leben diese Programme vom wertvollen Engagement mehrerer tausend Mitarbeiter.

Wie können Sie aktiv werden?

Wenn Sie Interesse an der Bearbeitung einer Dauerbeobachtungsfläche haben, dann prüfen Sie bitte auf den Internetseiten des DDA (Dachverband Deutscher Avifaunisten), wo in der Nähe Ihres Wohnorts noch solche Probeflächen frei sind. Einen ersten Überblick können Sie sich dort auch anhand einer Online Karte verschaffen. Nehmen Sie anschließend Kontakt mit uns auf, um weitere Informationen und genaueres Kartenmaterial zu bekommen. Einige der zum Kartieren nötigen Materialien können Sie auch am rechten Rand auf der LBV Monitoring-Seite downloaden (Kartieranleitung, Programminfos u.s.w.).

Wo kann ich weitere Details erfahren?

Auf der Seite des DDA gibt es allgemeine Informationen, Nachrichten zum Vogelmonitoring und eine jährliche Zusammenfassung wichtiger Ergebnisse in der Veröffentlichung "Vögel in Deutschland".

Auf der Seite des Bundesamts für Naturschutz (BfN) finden sich weitere Informationen zu den verschiedenen Modulen des Vogelmonitorings.

Zur vertiefenden Information über verschiedene Monitoringmethoden und -Programme ist auch das 2012 vom BfN herausgegebene Buch "Vogelmonitoring in Deutschland" (Sudfeldt et al. 2012, in der Serie Naturschutz und Biologische Vielfalt, Heft 119) sehr zu empfehlen. Hier finden Sie ein Bestellformular.

Weiterhin veröffentlicht die Arbeitsgemeinschaft seltene Brutvögel in Bayern (AGSB), alle paar Jahre eine Zusammenfassung von auf Plausibilität geprüften Beobachtungsdaten seltener Brutvogelarten in Bayern und stellt diese für Verbände und Behörden zur Verfügung.

Thomas Rödl

Ihre Fragen beantwortet Ihnen:

Dr. Thomas Rödl

0 91 74 / 47 75 - 74 36

Das könnte Sie auch interessieren:

Stunde der Gartenvögel

© Manfred Kraemer

Mitmachen ist ganz einfach: Sie zählen eine Stunde lang Ihre Vögel vom 13. bis 16. Mai 2021 und melden diese Zahlen. Ihre Daten und die tausender anderer Naturfreunde geben Antworten auf brennende Fragen. "Citizen Science" heißt diese Art der Forschung. Die bundesweite Langzeitstudie hilft uns, Umweltveränderungen zu erkennen, und Sie können tolle Preise gewinnen!

Weiterlesen

Stunde der Wintervögel

© Matthias Gröner

Über unsere Vögel im Winter gibt es bislang wenig wissenschaftliche Erkenntnisse. Wie passen sie sich an die kalte und futterarme Jahreszeit an? Welche Arten werden durch Winterfütterung gefördert, welche nicht? Machen Sie vom 08. bis 10. Januar 2021 mit. Sie zählen eine Stunde lang Ihre Vögel und melden uns diese Zahlen. 

Weiterlesen

Vögel beobachten - BirdWatch

© Leon Sommer

Zum Höhepunkt des Vogelzuges über Deutschland ruft der LBV mit dem NABU im Rahmen des European BirdWatch zur Vogelbeobachtung auf.

Weiterlesen

Vogelschutz an Fenstern

© C. Bria

Jedes Jahr verunglücken hunderttausende Vögel an Fensterscheiben. Testen Sie mit uns Maßnahmen gegen Vogelschlag.

Weiterlesen

Igel in Bayern

© M. Wagner

Machen Sie mit beim Bürgerforschungsprojekt "Igel in Bayern" und melden Sie uns Ihre Igel.

Weiterlesen

Für Hobby-Fotograf*innen

© Daniela Hierl

Sie haben schöne Fotos von Vögeln, Pflanzen oder andere Naturmotive auf Lager und wollen Sie mit anderen teilen? Dann laden Sie sie in unsere große Foto-Galerie hoch und teilen Sie sie mit anderen Naturfreunden und Hobbyfotografen!

Weiterlesen

Newsletter

Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) ist mit Freistellungsbescheid des Zentral-Finanzamtes Nürnberg, Steuer-Nr. 241/109/70060, als gemeinnützigen Zwecken dienend anerkannt und gem. § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG von der Körperschaftssteuer freigestellt. Ihre Spende ist steuerlich absetzbar. Mehr