LBV für ökologisch orientierte Jagdreform

Verbot der Jagd auf alle Rote-Liste-Arten gefordert

Die Jagdgesetzgebung weist an vielen Stellen Defizite auf, die dringend einer ökologisch orientierten Reform bedürfen (z.B. in Anlehnung an den Entwurf des DNR zum Bundesjagdgesetz). Vielfach werden von den Jägern, besonders den ökologisch orientierten Forstleuten, Belange des Naturschutzes bei der Jagdausübung bereits berücksichtigt. 

Rothirsch liegt im Wald auf einer Wiese | © Marcus Bosch © Marcus Bosch
m Gegensatz zu Rote-Liste-Arten sollte der Rothirsch gejagt werden dürfen

LBV-Positionspapier Jagd

Faktisch haben Jagd und Naturschutz vor allem dort Berührungspunkte, wo die Jagd durch die mit ihr verbundenen Störungen oder durch die Eingriffe in die Populationen Auswirkungen auf die bejagten Arten hat, aber auch auf andere Arten in ihrem Umfeld. Ebenso bestehen Berührungspunkte dort, wo sich Jagd und Naturschutz gemeinsam für den Schutz gefährdeter - und zum Teil jagdbarer - Arten engagieren können und müssen.

Viele Jäger berücksichtigen Belange des Natur- und Artenschutzes bereits bei der Jagdaus- übung. In anderen Bereichen, bei vielen Projekten und in sonstigen Aktivitäten müssen dagegen Jagd und Naturschutz zunächst noch gegenseitiges Verständnis entwickeln, um dann gemeinsam an der Umsetzung von Maßnahmen zu arbeiten.

Das vorliegende Positionspapier wurde in Zusammenarbeit mit diversen Kreisgruppen des LBV erarbeitet und von Vorstand und Wissenschaftlichem Beirat des Verbandes verabschiedet. Es entwickelt die erste Version von 2003 fort und trägt der zwischenzeitlich eingetretenen Entwicklung sowohl im fachlichen wie im verbandlichen Kontext Rechnung

PDF-Download Positionspapier Jagd

Grundsätzliche Ziele des LBV

  • Erhalt und Entwicklung funktionsfähiger Ökosysteme durch Schutz und Wiederherstellung von Lebensräumen.
  • Aufbau eines naturnahen und standortheimischen Waldes mit seiner Funktionsvielfalt (vgl. Positionspapier Wald).
  • Jagdverbot auf sich natürlich wiederansiedelnde Arten, z.B. Wolf, Luchs, Elch.
  • Verzicht auf die Bejagung von Vögeln mit wenigen Ausnahmen
  • Wild ist oft auch jagdbedingt zu scheu und kann deshalb Teile seines Lebensraums nicht nutzen. Die Jagd sollte deshalb so ausgeübt werden, dass sie wildtiergerecht ist.
  • Keine Bestandsstützung durch Aussetzung einheimischer und nicht heimischer Arten.

Forderungen des LBV an das Jagdmanagement Bayern

Jagdbare Arten und Populationsmanagement

  • Beschränkung der Jagd auf Arten, für deren Bejagung es einen guten Grund gibt.
  • Einstellung der Jagd auf alle Rote-Liste-Arten sowie Arten mit negativer Bestandsentwicklung, solange Forderung 1 nicht umgesetzt ist.
  • Ausrichtung der Jagd von Schalenwild auf ökologische Kriterien, Optimierung des Lebensraumsund Begrenzung der Winterfütterung
  • Populationsmanagement für Zugvögel entlang der Zugwege

Jagdpraxis und jagdliche Einrichtungen

  • Verzicht auf das Auswildern von Arten zu Zwecken der zeitlich unmittelbaren jagdlichen Entnahme
  • Verbindliche Vorschrift bleifreier Munition und Verbot bleihaltiger Munition
  • Zeitliche Einschränkung der Jagdzeiten und -gänge
  • Gewährleistung eines vernünftigen Grundes für die Bejagung von Tieren
  • Forderungen zu Falknerei und Greifvogelhaltung: Beizjagd, Markierung, Hybride

Wasservogeljagd

  • Verbot der Bejagung von in Formation oder im Schwarm fliegenden Vögeln
  • Ausübung der Wasservogeljagd nur, wenn exakte Artbestimmung möglich
  • Vollständiger Jagdverzicht bzw. die Ausweisung großflächiger Jagdruhezonen in Ramsar-Gebieten und europäischen Vogelschutzgebieten

Jagd in Schutzgebieten

  • Zulassung der Jagd in Schutzgebieten nur unter Berücksichtigung der Erhaltungsziele und -maßnahmen
  • Verbot von eutrophierend und vegetationsverändernd wirkenden Einrichtungen in geschützten Lebensräumen

Ihre Fragen beantwortet Ihnen:

Dr. Andreas von Lindeiner

0 91 74 / 47 75 - 74 30

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