Mulchen schadet der Artenvielfalt!

Mulchmäher vernichten Insekten, Kleintiere und seltene Blumenarten

Kaum grünt und blüht es an Straßen- und Wegrändern, sind in Kommunen und Städten die ersten Mulchmäher unterwegs. Diese modernen Maschinen leisten ganze Arbeit – alles was in ihr Schneidwerk gerät, wird kurz und klein gehäckselt. Wo Artenvielfalt herrschen könnte, hinterlassen die Mulcher wahre Todeszonen. Wir fordern deshalb alle Kommunen auf, in Zukunft auf das Mulchen zu verzichten.

Sand-Grasnelke an einer Straße | © Julia Römheld © Julia Römheld

Lieber mähen statt mulchen

Wildbiene auf einer Blühfläche an der Straße | © Christiane Geidel © Christiane Geidel
Was unter den Mäher kommt, springt im wahrsten Sinne des Wortes über die Klinge

Unter dem Begriff Mulchen versteht man eine Mahd, bei der das Mähgut nicht zusammengerecht und von der Fläche entfernt wird, sondern stattdessen dort belassen wird. Die dazu verwendeten Maschinen sind inzwischen hoch effektiv. Sie zerkleinern das Mähgut an Ort und Stelle und verteilen es gleichmäßig wieder auf der Fläche – auf den ersten Blick schön und ordentlich.

Doch die Gefahren des Mulchens werden unterschätzt. Durch die hohe Geschwindigkeit der Maschinen haben seltene Blumen, Kleintiere und Insekten keine Chance. Eidechsen, Frösche, Schmetterlinge, Hummeln und sogar Wiesel – was unter den Mäher kommt, springt im wahrsten Sinne des Wortes über die Klinge. Tausende von Kilometern werden entlang von Straßen und Wegen auf diese Weise zu Todeszonen.

Wir fordern deshalb die Kommunen auf, umzudenken. Viel wichtiger noch als Blühflächen einzusäen ist es, vorhandene Grünflächen entsprechend zu pflegen und auf diese Weise die Artenvielfalt zu fördern. Kommunale Grünflächen sollten nicht gemulcht, sondern gemäht und das Mähgut abtransportiert und kompostiert werden.

Wir sehen Bürgermeister und Gemeinderäte in der Pflicht, die Bauhöfe entsprechend zu instruieren. Jede Gemeinde sollte ein Pflegekonzept für ihre Flächen erstellen. Diese sollten auf der Turnusmahd aufbauen. Das bedeutet, dass Randstreifen oder Flächen abwechselnd gemäht werden, so dass immer etwas stehen bleibt für Insekten und Vögel – auch im Winter.

Straßen- und Wegränder sind wichtige Überwinterungsorte

Puppe des Schwalbenschwanzes an einem Ast | © Marcus Bosch © Marcus Bosch
Insekten wie der Schwalbenschwanz (hier die Puppe) überwintern an Pflanzenstängeln

Straßenränder, Feld- und Waldwege sowie Ackerraine können wichtige Strukturen zur Biotopvernetzung in der Landschaft darstellen. Um diese Funktion übernehmen zu können, dürfen sie jedoch weder mit Pestiziden gespritzt noch gemäht werden. Wo im Sommer durch mehrmaliges Mulchen das Blüten- und Nahrungsangebot für viele Insekten fehlt, ist im Herbst und Winter auch der Lebensraum zur Überwinterung Mangelware.

Schmetterlinge wie der Schwalbenschwanz und der Aurorafalter überwintern als Puppe an Pflanzenstengeln. Deshalb ist es gerade jetzt im Herbst wichtig ist, dass auch ungestörte Brachflächen erhalten bleiben.

Wir schlagen deshalb vor, detaillierte Mähkonzepte in den Kommunen zu entwickeln und umzusetzen, um so dem Verlust der Artenvielfalt zu begegnen. Natürlich müssen bestimmte Bereiche an Straßen und Wegrändern aus Gründen der Verkehrssicherung intensiv gepflegt werden. Wichtig ist daher, die Abschnitte an den Straßen zu identifizieren, die extensiv gepflegt werden können.

So könnten zum Beispiel viele Böschungen nur einmal pro Jahr gemäht werden, was ausreicht, um den Gehölzaufwuchs zu verhindern. Auch durch wechselseitiges Mähen der Straßenseiten kann sichergestellt werden, dass nicht schlagartig die kompletten Blütenpflanzen und damit das Nahrungsangebot für viele Insekten wegfällt.

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