Was für ein Pfeifen, Zwitschern, Tirilieren!

Warum Vögel singen und in welcher Reihenfolge

Pünktlich zum Frühjahrsbeginn kommen wir in den Genuss eines ganz besonderen Konzerterlebnisses: Unsere heimischen Gartenvögel leiten mit ihren Gesängen den langersehnten Frühling ein. Wer genauer hinhört wird bemerken, dass sich die Vögel nach einer Art Zeitplan richten. Der LBV erklärt, warum Vögel singen und in welcher Reihenfolge sie zu hören sind. Außerdem erfahren Sie, warum sie gerade auch im Hebst öfter zu hören sind.

Eine Amsel sitzt auf einem Baum | © Z. Tunka © Z. Tunka
Singendes Amsel-Männchen

Podcast zum Download: Warum singen Vögel? (02:30)

Ein Rotkehlchen sitzt auf einem Ast | © Monika Graf © Monika Graf
Singendes Rotkehlchen

Das natürliche Konzertprogramm wird aufgrund seiner schematischen Abfolge auch als "Vogeluhr" bezeichnet. So hat jede Vogelart ihren eigenen Auftritt, um der morgendlichen Welt die schönsten Melodien zu präsentieren. Dabei handelt es sich nicht um einen statischen Ablauf, denn Überlappungen sind häufig. Jedoch kann man auch in der Vogelwelt von Frühaufstehern und Langschläfern sprechen.

Während der Hausrotschwanz seinen Auftritt schon circa 60 bis 90 Minuten vor Sonnenaufgang abliefert, bevorzugt es der Star, diesen zu verschlafen und erst dann mit seinem persönlichen Ständchen loszulegen. Das ganze Schauspiel ist folglich vielmehr mit einem Kanon, als mit einer starren Festival-Reihenfolge zu vergleichen.

Der Grund für den zeitlich versetzten Gesang der unterschiedlicher Vogelarten: Das Männchen will im Eifer des Gefechts einfach nicht in der Fülle der Melodien untergehen. So haben sich verschiedene Spezies unterschiedliche Zeitpunkte ausgesucht, um mit ihren Liebesliedern auch zu potenziellen Weibchen durchzudringen.

"Mit zunehmender Tageslänge wird im Frühjahr bei den Männchen mehr Testosteron ausgeschüttet und das bedingt bei diesen den vermehrten Gesang im Frühling", so der Biologe Dr. Thomas Rödl vom LBV.

Ein Zaunkönig sitzt auf einem Ast | © Fünfstück © Fünfstück
Singender Zaunkönig

Wer es morgens nicht rechtzeitig aus dem Bett schafft, um den frühen Darbietungen zu lauschen, muss aber sich nicht ärgern. Die mehrstimmigen Melodien von beispielsweise Amsel, Rotkehlchen und Singdrossel erschallen nochmals in den Abendstunden und auch nachts trällern bald Vögel wie die Nachtigall noch ihr Lied, sodass jeder die Möglichkeit hat, das eindrucksvolle Konzert zu erleben.

Gesungen wird fast ausschließlich vom Männchen, wobei das Trällern der Melodien grundsätzlich zwei wichtige Ziele verfolgt: Das Vogelmännchen trifft meist etwas früher an den Brutplätzen ein als das Weibchen. Der Gesang dient hier zur Verteidigung des Reviers gegen gleichgeschlechtliche Rivalen, symbolisiert den Anspruch auf ein bestimmtes Hoheitsgebiet. Des Weiteren sollen die Lieder ein passendes Weibchen becircen.

Ab sofort bietet der LBV in den kommenden Wochen über 100 Vogelstimmen-Wanderungen in ganz Bayern an. Hier finden Sie Termine in Ihrer Nähe.

Warum singen Vögel im Herbst?

Zilpzalp sitzt auf einem Zaun und singt | © Carl-Peter Herbolzheimer © Carl-Peter Herbolzheimer
Ein Zilpzalp sitzt auf einem Zaun

Vogelgesang verbinden wir mit dem Beginn des Frühlings, Balz und Nestbau. Zur Zeit der Jungenaufzucht verhalten sich die meisten Vögel in unseren Parks und Gärten eher still, um nicht unnötig auf den Nachwuchs aufmerksam zu machen. Auch nach der Brutzeit, wenn viele Altvögel ihr Federkleid wechseln, steht Gesang oft nicht auf der Tagesordnung. Man meint fast, die Vögel wären verschwunden.

Ab September beginnt dann der Herbstzug der Insekten fressenden Kleinvögel. Jetzt lassen beispielsweise Zilzalpe auf dem Weg in südlichere Gefilde ihren charakteristischen Gesang „zilp-zalp“ oder „zilp-zilp-zalp“ hören, man sieht sie häufig in Wassernähe im Gebüsch umherhuschen. Rotkehlchen kann man ebenfalls leicht an ihrem klaren Gesang aus kurzen, melancholisch verklingenden Strophen erkennen.

Bei dieser Art, die den Winter bei uns verbringt, suchen sich Männchen und Weibchen nun eigene Reviere. So verteilen sie sich über eine größere Fläche und die Chancen, während der kalten Jahreszeit ausreichend Futter zu finden, sind höher. Mit Gesang markieren sie die Reviergrenzen den ganzen Winter über und auch die Weibchen singen.

Verblühte Stauden und Blumen im Garten für die Vögel stehen lassen

Blaumeise hängt fast kopfüber an einem Zweig | © Carl-Peter Herbolzheimer © Carl-Peter Herbolzheimer

Gehäuft finden sich jetzt auch wieder Vögel in Parks und Gärten ein, die hier vielleicht nicht gebrütet haben. Die Rufe von Kohlmeise („zie-zie-dää“) und Blaumeise („tsi-tsi-didididi“) zeigen an „Nun wird es Herbst!“. Wir empfehlen, verblühte Blumen und Stauden im Garten nicht immer sofort zurück zuschneiden, sondern sie ausreifen zu lassen, denn hier finden die kleinen Vögel Sämereien und Körner. Besonders beliebt sind die großen Blütenköpfe von Sonnenblumen mit ihren zahlreichen Kernen. Die akrobatischen Meisen picken sie kopfüber hängend heraus.

Herbst ist die Zeit der Reife, jetzt sollte der Tisch für unsere Vögel in Form von Früchten und Samen überall gut gedeckt sein. Auch Insekten sind noch reichlich vorhanden - sofern keine Pestizide zum Einsatz kommen. Der naturnahe Garten hat aber noch viel mehr zu bieten, denn im hohen Gras „unordentlicher Ecken“ können Raupen und Puppen von Schmetterlingen überwintern. Laubhaufen unter Hecken und Gebüsch bieten Igeln Möglichkeiten für ein sicheres Winterquartier. Mit in den Boden gesteckten Reisern können Sie das Fortfliegen der Blätter verhindern. Wenn Sträucher nicht sofort zurückgeschnitten werden, erfreuen Beeren und Hagebutten nicht nur unsere Vögel als willkommene Nahrungsquelle, sondern bereichern die Landschaft mit Farbe, wenn die Tage dann doch wieder grauer werden und die Bäume ihr goldenes Herbstlaub abgeworfen haben.

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