Der Wiesenvögel-Knigge: Spaziergeh-Tipps

Freilaufende Hunde und Hobbysportler gefährden Bodenbrüter

Sommer, Sonne, blühende Wiesen. Naturfreunde und Erholungssuchende fühlen sich aufgrund der ungeheure Farbenpracht und Artenvielfalt momentan besonders von feuchten Wiesen und Mooren angezogen. Aber Bekassine, Kiebitz und andere vom Aussterben bedrohte Vogelarten nutzen diese Feuchtgebiete zur Brut und ziehen dort derzeit ihren Nachwuchs groß.

Kiebitz läuft auf einer Wiese, hinter ihm ein Kiebitz-Jungvogel | © Henning Werth © Henning Werth
Kiebitz mit einem Jungvogel auf einer Wiese
Zwei Bekassinen sitzen nebeneinander auf einem steinigen Boden | © Ros Rößner © Ros Rößner
Zwei Junge Bekassinen

Doch Freizeitnutzung von Wiesenbrütergebieten und vor allem freilaufende Hunde erschweren oft die Jungenaufzucht und führen zu vielen Verlusten. Deshalb fordern wir alle Hundehalter und Hobbysportler dazu auf, Rücksicht auf die Bekassine und alle anderen Wiesenbrüter zu nehmen. Denn schon ein paar einfache Verhaltensregeln können diesen Konflikt schnell entschärfen.

Die Intensivierung der landwirtschaftlichen Flächennutzung und die massive Zerstörung von Feuchtbiotopen haben in ganz Bayern zu einem dramatischen Rückgang der Bekassine und vieler weiterer wiesenbrütender Vogelarten geführt. Doch auch durch unser verändertes Freizeitverhalten gefährden wir Menschen die bedrohten Wiesenbrüter. Erholungssuchende und Spaziergänger mit freilaufenden Hunden tragen in gleichem Maß zu einer Störung der sensiblen Vogelarten bei, wenn sie während der Brut- und Aufzuchtszeit in Wiesenbrütergebieten unterwegs sind.

Aufgeschreckte Vögel verlassen dann oft fluchtartig ihr Nest, und die verlassenen Gelege kühlen aus. Dazu haben Fressfeinde wie Rabenkrähe oder Möwe ein leichtes Spiel, an die normalerweise bewachten Eier oder frisch geschlüpften Küken zu gelangen. Nach dem Schlupf der Jungvögel sind es vor allem freilaufende Hunde, die Jungvogelverluste herbeiführen. Die noch flugunfähigen Wiesenbrüterküken sind jagenden Hunden hilflos ausgeliefert. Wir bitten daher die Bevölkerung um Rücksichtnahme: Zwischen März und Juli sollten Spaziergänger und Freizeitsportler in Wiesenbrütergebieten die vorhandenen Wege nicht verlassen und ihre Hunde unbedingt angeleint führen.

Schon durch die Wiese laufende Spaziergänger stellen Gefahr dar

Mensch mit Hund beim Spazierengehen in Feld und Flug, der Hund ist angeleint | © Carola Bria © Carola Bria
Zwischen März und Juli gehören Hunde in Wiesenbrüter-Gebieten an die Leine.

Der Lebensraum vieler Wiesen- und Bodenbrüter geht bereits durch intensive Landwirtschaft, Grünlandumbruch und der Zerstörung von Mooren stark zurück. In den verbliebenen Gebieten haben sie es aber ebenfalls immer schwerer, ihre Jungen erfolgreich aufzuziehen. Hier sind es vor allem Freizeitsportler, Erholungssuchende und Spaziergänger mit oft freilaufenden Hunden, die zu massiven Störungen bei Brut und Jungenaufzucht führen. Wiesenbrüter reagieren schon bei der Wahl des Brutplatzes sehr sensibel auf Störquellen. So sind in einem Bereich von etwa 150 m entlang von häufig begangenen Wegen kaum Nester von Wiesenbrüter zu finden. Gerade bei kleinen oder stark erschlossenen Wiesenbrütergebieten engt dies den ohnehin schon knappen Lebensraum noch weiter ein.

Zwar können sich auch Bekassinen an mache indirekte Störquellen, wie das Geräusch einer vielbefahrenen Straße, durchaus gewöhnen, doch durch die Wiesen laufende Spaziergänger oder gar Hunde stellen für sie eine unmittelbare Gefahr dar, auf die sie mit Flucht reagieren. Vor allem freilaufende Hunde als potenzielle Fressfeinde steigern die Fluchtdistanz und führen zu großem Stress bei den brütenden und Junge führenden Altvögeln. Oftmals wirken sich solche Störungen unmittelbar auf den Bruterfolg aus, da die verlassenen Eier schnell auskühlen und leichte Beute für Rabenkrähen und Möwen sind. Auch die noch nicht flüggen Jungvögel werden in Abwesenheit der Eltern noch schneller Opfer ihrer natürlichen Fressfeinde und auch immer wieder von jagenden Hunden.

Einfache Verhaltensregeln

Gelbes Warnschild für Brut- und Rastgebiete | © Carola Bria © Carola Bria
Achten Sie beim Spazierengehen stets auf Warnschilder und befolgen Sie diese.

Doch ein Spaziergang durch eine blühende Wiesenlandschaft und der Schutz von Wiesenbrütern vor Störungen müssen sich nicht ausschließen. In manchen Wiesenbrüterlebensräumen gibt es eine spezielle Besucherlenkung durch weniger sensible Bereiche, die den Wiesenvögeln zuliebe auch unbedingt eingehalten werden sollte. Und natürlich kommt es auch auf die Rücksichtnahme und das richtige Verhalten jedes Einzelnen an. Hunde anleinen, auf den ausgewiesenen Wegen bleiben und sich ruhig verhalten - mit diesen einfachen Regeln kann man Bekassine und Co. eine ungestörte Brut ermöglichen, ohne selbst auf Erholung und Naturerlebnis verzichten zu müssen.

Der LBV bittet alle Naturfreunde um Rücksichtnahme: Jeder kann im Frühjahr mit dem richtigen Verhalten dazu beitragen, dass unsere gefährdeten Feldvögel genügend Nachwuchs haben - ohne selbst auf Erholung und Naturerlebnis verzichten zu müssen. Kritisch ist dabei vor allem die Frühlingszeit bis in den Juli. „Dann sollten Spaziergänger, Freizeitsportler und andere Erholungssuchende bei blühenden Wiesen in der Feldflur vorhandene Wege nicht verlassen und Hunde angeleint führen“, rät Ulrich Lanz vom LBV-Artenschutzreferat.

Gelege einer Bekassine, bestehend aus drei grünlichen Eiern, die dunkel gesprenkelt sind. Sie liegen auf einer Wiese mit Stroh | © Hans-Joachim Fünfstück © Hans-Joachim Fünfstück
Gelege von Bodenbrütern (hier: Bekassine) befinden sich wie es der Name schon sagt: am Boden

Denn die Erfahrung der Naturschützer zeigt: brütende Feldvögel wie Rebhuhn, Feldlerche oder Schafstelze verlassen bei Begegnungen mit Spaziergängern, Fahrradfahrern oder Hundebesitzern nur allzu leicht fluchtartig ihr Nest. „Das schutzlos zurückbleibende Gelege kühlt aus oder fällt Fressfeinden wie Rabenkrähe, Fuchs oder auch freilaufenden Hunden zum Opfer“, erklärt Lanz.

Feldvögel haben es schwer bei uns: Von allen heimischen Vogelarten haben sie in den letzten Jahrzehnten die stärksten Rückgänge erlebt. Die Intensivierung der Landnutzung hat ihre Lebensbedingungen drastisch verschlechtert. Nicht nur seltene Arten wie Ortolan, Brachvogel oder Kiebitz sind heute auf dem Rückzug - selbst die Feldlerche und andere ehemals häufige und weit verbreitete Arten stehen unter Druck. Umso wichtiger ist es, dass wir alles vermeiden, was ihren Bruterfolg noch mehr schmälert.

In den wenigen Regionen, wo zum Schutz der besonders stark gefährdeten Wiesenbrüter Wegebeschränkungen ausgeschildert sind, sollten diese unbedingt einhalten werden. Ganz tabu sein sollten in dieser Zeit natürlich auch Quad- und Motocrossfahrten und andere lautstarke Aktionen oder gar Veranstaltungen in der Feldflur, die noch ein weit höheres Störpotenzial entfalten als ein Spaziergänger.

Ihre Fragen beantwortet Ihnen:

Anne Schneider

0 91 74 / 47 75 - 74 38

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