Schutzprojekt für den Gobibär in der Mongolei

Wüste ist Heimat für eines der seltensten Säugetiere der Welt

Der Gobibär gehört zu den seltensten Tierarten unserer Erde. Er lebt als einzige Braunbärenart in einer Wüste, nämlich in der Transaltai-Gobi in der Mongolei. Über ihn und seinen Lebensraum ist nur wenig bekannt. Die wenigen Tiere leben in einem riesigen Gebiet. 

Gobibär im Wasser, im Hintergrund Berge | © NUM © NUM
Gobibär in der Wüste Gobi

Doch er ist vom Aussterben bedroht. Durch ein vom LBV unterstütztes Projekt der Universität von Ulaanbaatar wird nun erforscht, was zum Schutz des Bären unternommen werden kann. Dazu wird weit ab in der Transaltai-Gobi eine biologische Station betrieben. Neben der Grundlagenforschung steht die Einbeziehung der örtlichen Bevölkerung und die Bewusstseinschaffung auf dem Arbeitsplan.

Naturschutz in der Wüste Gobi: Einsatz für hoch bedrohten "Wüstenbären"

Gobibär steht | © NUM © NUM
Gobibär

Der Gobibär lebt als einzige Braunbärenart in einer Wüste. Durch verschiedene Faktoren, wie menschliche Störungen und Eingriffe in seinen Lebensraum ist der Bär vom Aussterben bedroht. Man schätzt die Zahl der noch lebenden Bären auf nur noch einige Dutzend. Ein Informations- und Schutzzentrum am Rande des Verbreitungsgebietes des Bären soll gezielt dazu beitragen, den Erhalt des Gobibären zu sichern.

In diesem weltweit einmaligen Gebiet in der Transaltaigobi, einem Teil der Wüste Gobi im Südwesten der Mongolei kommen darüber hinaus eine Vielzahl sehr seltener Arten vor. Der Lebensraum stellt einen Hot-Spot der Biodiversität unserer Erde dar.

Der LBV hat sich im Jahre 2010 nach zwei vorbereitenden Expeditionen entschlossen, sich als Biodiversitätsverband für den Schutz des Gobibären und seines Lebensraums in der Mongolei zu engagieren. Die Umsetzung vor Ort erfolgt durch die Projektpartner Nationale Universität der Mongolei, der Verwaltung des Großgobinaturschutzgebietes sowie der Mongolischen Gesellschaft für Naturschutzbiologie. Ralf Hotzy, Projektleiter beim LBV erklärt: „Von Anfang an wurde darauf gesetzt, dass ein Zentrum vor Ort eine hohe Akzeptanz genießen sollte. Deshalb wurde auch die örtlichen Administrationen, sowie die Bevölkerung direkt im Projekt beteiligt. Die personelle Ausstattung des Zentrums, sowie der laufende Betrieb werden vom Mongolischen Umweltministerium übernommen, sodass eine Nachhaltigkeit für den Betrieb gegeben ist.“

LBV-Gobibär-Zentrum in der Mongolei

"Basislager" für Forschung und Schutz des hoch bedrohten Gobibären

Hans-Joachim Leppelsack bei der Eröffnung des Gobibär-Zentrums in der Mongolei | © Jochen Fünfstück © Jochen Fünfstück
Prof. Dr. Hans-Joachim Leppelsack (Stv. Landesvorsitzender des LBV) und R. Dorjsuren (Vertreter der Verwaltung des Großgobinaturschutzgebietes) enthüllen die Beschilderung des neuen Gobibärzentrums

Nach dreijähriger Projektlaufzeit konnte im August 2012 das vom LBV finanzierte Schutz- und Informationszentrum für den Gobibären in der Mongolei eröffnet werden. Von dem Zentrum aus sollen nun konkrete Schutzmaßnahmen zum Erhalt des höchst bedrohten Gobibären gestartet werden.

Im August hat sich nun eine siebenköpfige LBV-Delegation, darunter auch Vertreter des LBV-Landesvorstandes, auf den langen Weg gemacht, um sich ein Bild über den Stand des Projektes zu verschaffen und das Zentrum offiziell zu eröffnen. Nach viertägiger Anreise wurde Echin Gol erreicht. Das Gobibärzentrum liegt in dieser Oase etwa 1.100 km von der Hauptstadt Ulaanbaatar entfernt.

Das Gebäude der Station hat die örtliche Verwaltung zur Verfügung gestellt. Es wurde in den letzten Jahren renoviert und ausgebaut. Dazu mussten jedoch alle Materialien und Ausstattungsgegenstände aus der fernen Hauptstadt herangeschafft werden. Es stehen nun Räumlichkeiten zur Verfügung, von denen aus die örtlichen Ranger die Schutzbemühungen koordinieren können. Ferner wird es jetzt möglich, Spezialisten ein optimales Arbeitsumfeld für die weitere Erforschung des Gobibären und seines Lebensraumes anzubieten.

Ausbau in den nächsten Jahren

Gruppenfoto aller Beteiligten bei der Eröffnung des Gobibär-Zentrums in der Mongolei | © Jochen Fünfstück © Jochen Fünfstück

In den nächsten Jahren soll das Zentrum fertig ausgebaut werden mit einer entsprechenden technischen Ausstattung. Es werden ferner Informationsmaterialien erarbeitet, vor allem auch für die örtliche Bevölkerung. Entsprechendes Fachpersonal soll für das Zentrum gewonnen und geschult werden.

Das mongolische Umweltministerium hat eine zusätzliche Rangerstelle für das Zentrum bewilligt. Damit sollen alle illegalen Aktivitäten unterbunden werden, wie Jagd oder auch die Nutzung des Gebietes als Weideland. In den nächsten fünf Jahren wird der LBV das Projekt fortführen und die mongolischen Wissenschaftler und Ranger bei ihrer wichtigen Arbeit weiter unterstützen. "Der Erhalt der Artenvielfalt ist eine globale Aufgabe und darf vor Grenzen keinen Halt machen, deshalb engagieren wir uns auch als bayerischer Naturschutzverband in dieser einzigartigen Naturlandschaft", erklärt Hotzy abschließend.Weitere Informationen finden sich auf der Projekthomepage www.gobibaer.de.

Auf dem Foto zu sehen: Teilnehmer der Eröffnungsfeier aus Verwaltung und Bevölkerung. Vorne sitzend Vorstandsmitglieder des LBV v.l. Jochen Fünfstück, Prof. Dr. Hans Joachim Leppelsack, Dr. Gisela Merkel-Wallner, sowie der mongolische Projektleiter Prof. Dr. Ravchig Samjaa; hinten Mitte stehend: Ralf Hotzy, LBV-Projektleiter

Einzigartige Fotos vom seltenen Gobibären

Automatische Kameras dokumentieren ungeahnte Artenvielfalt

Zwei Wildesel in der Wüste Gobi | © NUM © NUM
Wildesel in der Wüste Gobi

Durch den Einsatz von automatischen Kameras gelang es Wissenschaftlern, einzigartige Aufnahmen des Gobibären, einem der seltensten Tiere der Erde, zu machen. Auf den Bildern waren auch seltene Schneeleoparden, Wildesel und Wildkamele zu sehen. Damit gelang einem mongolischen Forscherteam des LBV finanzierten Schutz- und Informationszentrums der Nachweis, dass die Wüste Gobi eine weltweit einzigartige und bisher unbekannte Artenvielfalt beherbergt. Bisher existierten im Übrigen nur einige wenige und zudem unscharfe Fotos dieser vom Aussterben bedrohten Bärenart, was die Aufnahmen um so bedeutsamer macht.

2015 wurden insbesondere an Wasserstellen in der Wüste systematisch über 150 automatische Kameras angebracht. Die Auswertung der Speicherkarten hat nun einige Überraschungen mit sich gebracht. "Es war zwar bekannt, dass in der Transaltaigobi eine Reihe von seltenen Arten ihren weltweit letzten Lebensraum hat. Wir sind jedoch überrascht, in welcher Dichte und Häufigkeit diese scheuen Tiere vorkommen", so LBV-Projektleiter Ralf Hotzy.

Schneeleopard in der Wüste Gobi | © NUM © NUM
Seltener Schneeleopard in der Wüste Gobi

Neben dem besonders scheuen Gobibären, dessen Gesamtbestand auf lediglich einige Dutzend Exemplare geschätzt wird, konnten regelmäßig Schneeleoparden dokumentiert werden. Auch Wildesel und Wildkamele durchstreifen das gebirgige Gebiet, was für diese Arten bisher eher unüblich erschien. "Es finden sich auch immer wieder Aufnahmen von jungen Gobibären, so dass sich diese Hauptzielart des Projektes, wohl regelmäßig fortpflanzt", freut sich Hotzy. Die Daten werden nun ausgewertet. Durch das systematische Vorgehen wird es dann auch mit statistischen Methoden möglich, Hochrechnungen über die Größe der Populationen zu machen.

Diese Erkenntnisse sind die Grundlage für ein fachlich fundiertes Gebietsmanagement. "Die Ergebnisse zeigen, dass sich unser jahrelanges Engagement in diesem Naturparadies gelohnt hat", sagt Ralf Hotzy. "Sie belegen eindrucksvoll die enorme Artenvielfalt, die wohl weltweit einzigartig sein dürfte. Umso wichtiger ist die zweite Hauptaufgabe der Station als Kontroll- und Überwachungsposten, denn eines vertragen diese Arten nicht: menschliche Störung", so Hotzy weiter.

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