Projekthintergrund: Die Wiederansiedelung in den Ostalpen

Zusammen mit dem Nationalpark Berchtesgaden wird der LBV im Mai 2021 zum ersten Mal drei junge Bartgeier auswildern. Insgesamt wird das Projekt voraussichtlich über zehn Jahre laufen, wobei jährlich drei bis vier Jungvögel ausgewildert werden sollen. Über 100 Jahre nach seiner Ausrottung soll dem größten Greifvogel Mitteleuropas so auch die Rückkehr nach Deutschland ermöglicht werden.

Die zwei Bartgeier im Nürnberger Tiergarten sollen für Nachwuchs sorgen | © Nicole Friedrich © Nicole Friedrich
Das Bartgeier-Pärchen aus dem Tiergarten Nürnberg hat schon mit der Balz begonnen

Stabile Population in westlichen Alpen, in Ostalpen noch schleppend

Adulter Bartgeier im Kurvenflug | © Hansruedi Weyrich © Hansruedi Weyrich

Wir möchte die Erfolgsgeschichte der Wiederansiedelung in Westeuropa in den kommenden Jahren auch im östlichen Alpenraum fortschreiben. Im Rahmen eines großangelegten Zuchtprojekts werden seit 1986 in enger Zusammenarbeit mit dem in den 1970er Jahren gegründeten EEP der Zoos im Alpenraum junge Bartgeier ausgewildert. 

Während sich die Vögel in den West- und Zentralalpen seit 1997 auch durch Freilandbruten wieder selbstständig vermehren, kommt die natürliche Reproduktion in den Ostalpen nur schleppend voran.

Beim Ziel der Wiederherstellung einer europäischen Bartgeierpopulation in ihrem früheren Verbreitungsgebiet wären die Artenschützer*innen von LBV, Nationalpark und Tiergarten damit wieder einen wichtigen Schritt vorangekommen, um die Lücke zwischen den Bartgeiern im Osten und Westen zu schließen.

Dafür werden in den kommenden Jahren im Klausbachtal junge Bartgeier ausgewildert – im Jahr 2021 erstmals in Deutschland. Der Nationalpark Berchtesgaden eignet sich aufgrund einer Vielzahl von Faktoren als idealer Auswilderungsort in den Ostalpen.

Projekt bereits gestartet

Die Vorbereitungen für die Auswilderung sind bereits angelaufen. Einer der drei Jungvögel soll dabei aus dem Tiergarten Nürnberg kommen. Der Tiergarten ist Teil des europäischen Bartgeier Zuchtnetzwerks (EEP / Erhaltungszuchtprogramm des Europäischen Zooverbands) und wird als weiterer Partner in den kommenden Jahren das Projekt von LBV und Nationalpark Berchtesgaden unterstützen.

Update vom 19.3.2021

Leider ist das erste der zwei Bartgeier-Eier aus dem Tiergarten Nürnberg zerbrochen und beim zweiten Ei ist das Embryo vor dem Schlupf abgestorben. Natürlich wäre uns zum Start unseres Projekts ein junger fränkischer Bartgeier am liebsten gewesen, doch dann kommt eben 2022 oder 2023 einer der Vögel aus Nürnberg und wir sind hoffungsvoll, dass wir für dieses Jahr andere Jungvögel aus dem Zuchtprogramm erhalten, um mit der Auswilderung des Bartgeiers in Deutschland wie geplant 2021 beginnen zu können. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Was wir tun:

Bartgeierjungvogel | © Hans-Joachim Fünfstück © Hans-Joachim Fünfstück
Bartgeierjungvogel (LBV-Archiv)

Innerhalb des Projekts stellt der LBV die Finanzierung (Zuchtgebühren, optische Geräte, Webcam, Unterbringung Helfer, Besenderung etc.) und das Personal für Auswilderung und Monitoring und leistet die Arbeit vor Ort von Fütterung bis zu Besucherführungen.

Auch koordinieren wir die begleitende Medienarbeit bei Anfragen durch Filmteams und Zeitungsredaktionen und sind auch nach Verlassen des Freilassungsgebiets weiterhin für das Wohlergehen der Geier zuständig (ständige Kontrolle der GPS-Daten, Eingabe der Ergebnisse in Datenbanken) und stehen über die Landesgrenzen hinaus in engem Kontakt mit Kollegen in allen Alpenländern, um sowohl die Wege "unserer" Geier als auch die von Freilassungstieren aus anderen Regionen und von Wildvögeln möglichst lückenlos zu dokumentieren.

Daneben sind wir äußerst aktiv im Kampf gegen die Hauptgefahr für die Bartgeier, nämlich Vergiftungen durch Reste von Bleimunition in Tierkadavern. Wir betreiben aufwändige Aufklärung innerhalb der Jägerschaft und konnten den Gebrauch bleifreier Munition deutlich verbessern.

Außerdem haben wir in den vergangenen Jahren die gesamte Weichenstellung für die nun stattfindenden Auswilderungen geleistet, von der Anfertigung einer Machbarkeitsstudie über die aufwändigen Anträge zur Durchführung eines solchen Projekts bis hin zum Ausräumen von Vorurteilen gegenüber Geiern.

Ein Projekt von:

Aktuelles aus dem Projekt

Bei den vom LBV für den Frühsommer geplanten Auswilderungen junger Bartgeier im Nationalpark Berchtesgaden wird im ersten Projektjahr kein fränkischer Jungvogel dabei sein. Obwohl das erfahrene Brutpaar aus dem Nürnberger Tiergarten Anfang Januar zwei Eier gelegt hatte, ist kein Jungvogel geschlüpft. 

Die Alpen sind ein einzigartiger Lebensraum. Ursprüngliche Gebirgsräume beherbergen zahlreiche Arten, die weltweit nur noch in einem räumlich begrenztem Gebiet vorkommen. Die alpinen Ruhebereiche bieten zudem Platz für Tier- und Pflanzenarten, die sich aus dem intensiv bewirtschafteten und besiedelten Tal ganz oder weitgehend zurückgezogen haben. Der Schutz von Arten steht daher im direkten Zusammenhang mit dem Erhalt von Lebensräumen. Unterstützen Sie uns beim Schutz dieser einmaligen Bergwelt!

Im kommenden Mai wird der LBV in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Berchtesgaden zum ersten Mal drei junge Bartgeier auswildern. Die Wahrscheinlichkeit, dass dabei auch ein Jungvogel aus dem Tiergarten der Stadt Nürnberg stammen könnte, ist nun weiter gestiegen. Das dortige Bartgeier-Paar hat vor kurzem mit der Brut begonnen, nachdem das Weibchen zwei Eier gelegt hatte.

Mehr über den Bartgeier

Video: Der Start im Tiergarten Nürnberg

Mit ein wenig Glück kann ein Jungvogel aus dem Tiergarten Nürnberg bei der ersten deutschen Bartgeier-Auswilderung des LBV im Nationalpark Berchtesgaden in die Natur entlassen werden. Hier finden Sie Videos direkt aus dem Bartgeier-Gehege.

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Machbarkeitsstudie

© Dr. Christoph Moning

Im Auftrag des LBV wurden in einer Machbarkeitsstudie die Möglichkeiten zur Stützung von Bartgeier und Gänsegeier in den Ostalpen durch Maßnahmen in den bayerischen Alpen geprüft. Dazu wurden neben der historischen Verbreitung beider Vogelarten auch die Gründe der Ausrottung, sowie aktuelle Gefährdungsursachen und das Nahrungspotential vor allem im bayrischen Alpenraum analysiert.

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Birkhühner und Alpenschneehühner gesehen? Hier melden!

© Henning Werth

Im Rahmen einer Grundlagenerfassung möchten wir die räumliche Verbreitung von Alpenschnee- und Birkhuhn genauer verstehen, da bisher zum Teil sehr wenig über das Vorkommen und die Ausbreitung einzelner Populationen bekannt ist. Helfen Sie mit!

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Faszination Alpenvögel

© H.-J. Fünfstück

In den Alpen leben viele Vogelarten, die in ganz Deutschland nur hier vorkommen - ob Steinadler, Mauerläufer oder Zitronenzeisig. Doch wo genau es diese seltenen Vögel noch gibt, das wissen wir oft nicht. Wenn Sie in den Alpen unterwegs sind und Alpenvögel gesehen haben, können Sie sie hier melden.

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Die wichtigsten Alpenvögel

© Zdenek Tunka

Die Vögel in den Allgäuer Hochalpen und im Karwendelgebirge richtig bestimmen. Bei uns finden Sie alle Informationen, die Sie dafür benötigen. Wir haben Ihnen die Steckbriefe der 21 häufigsten Alpenvögel zusammengestellt.

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