Birding macht Spaß und ist lehrreich
Hilfreiche Expertentipps des LBV rund um Vogelbeobachtung
Wo kann man Vögel beobachten?
Vogelbeobachtung als Freizeitbeschäftigung ist zum Glück an keinen Ort gebunden. Ob auf der Gartenterrasse, in heimatlichen Wäldern oder auf der fernen Südseeinsel, Vögel präsentieren sich Ihnen überall. Vor allem Städte konnten in letzter Zeit viel "Vogeleinwanderung" verzeichnen, da dort keine Insektizide eingesetzt werden. In Berlin etwa gibt es erstaunlich viele Arten von Singvögeln, mehr als an vielen anderen Orten.
In Bayern sind zum Beispiel die Feuchtwiesen des Murnauer Mooses ein heißer Tipp, dort sind seltene Arten wie der Wachtelkönig oder den Karmingimpel zu erspähen.
Landwirtschaftliche Monokulturen dagegen sind eher artenarm. Je nach Lebensraum sieht der oder die aufmerksame Beobachterin also selbstverständlich immer unterschiedliche Vögel, denn die unterscheiden sich so wie ihre Habitate.
Wann sollte man Vögel beobachten?
Am aktivsten sind Singvögel morgens und abends. Früh aufstehen brauchen Sie trotzdem nicht: Im Sommer singen Vögel bis ca. 10 Uhr und zwei, drei Stunden vor der Abenddämmerung sind Vögel ebenso gut wie am Morgen zu sehen. Eigene Flugstunden haben dämmerungs- und nachtaktive Eulen sowie Greifvögel, die vorzugsweise mittags und nachmittags unterwegs sind.
Doch auch im Rhythmus der Jahreszeiten spielt die Vogelmusik: Während ab Ende Februar und Anfang März in den frühen Morgenstunden ein lauter Morgenchor zu vernehmen ist, dünnt das Vogelkonzert schon im Juni merklich aus und im Hochsommer ist von vielen Arten kein Ton mehr zu hören. Zu sehen sind die Vögel dann aber auch kaum - denn sie mausern sich. In dieser Zeit können sie nicht besonders gut fliegen und verstecken sich deshalb lieber.
Was brauche ich?
1. Fernglas
Das Fernglas sollte
- mindestens eine 8-fache Vergrößerung und
- einen Objektivdurchmesser von 40 mm haben.
- Die Lichtstärke eines Glases sollte 3,5 (Objektivdurchmesser/ Vergrößerung) nicht unterschreiten. Dann ist auch bei bedecktem Himmel ein Beobachten der Vögel möglich.
Auch eine reflektionsmindernde Beschichtung ist günstig. Hochwertige Ferngläser erhalten sie etwa bei Swarovski Optik. Für circa 150 Euro sind dort gute Mittelmaß-Ferngläser zu ergattern.
2. Kleidung:
Ziehen Sie sich wetterangepasst an - zu empfehlen ist der Zwiebel- Look, bei dem Sie gut auf sich plötzlich verändernde Temperaturen z.B von frühmorgendlicher Kühle bis zur Mittagshitze anpassen können. Camouflage-Kleidung benötigen Sie nicht denn Vögel reagieren nicht auf Farben, sondern auf Bewegung. Wenn Sie in hohe Wiesen oder Wälder gehen, bieten sich lange Hosen, z.B Wanderhosen an, um Zecken zu vermeiden!
3. Bestimmungsbücher- und Apps
Gute Bestimmungsbücher zeichnen sich durch eine genaue Beschreibung der Arten und detaillierte Zeichnungen aus. Auch Gefiederunterschiede von Jung- und Altvögeln, bzw. zwischen den Geschlechtern sollten darin enthalten sein. Größe, Gestalt und besondere Gefiedermerkmale werden zur Bestimmung der Arten genutzt.
Ein beliebtes Referenzwerk ist der Vogelführer von Lars Svensson, der alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens beschreibt. Ebenso gut empfehlen wir den Kosmos Vogelführer. Nützlich ist eine Vogelstimmen-App wie etwa Merlin Bird ID oder der App des Kosmos Vogelführer. Manche Arten hört man, bevor man sie sehen kann, manchmal sind sie sogar nur zu hören. Oder aber man bekommt sie überhaupt nur schwer zu Gesicht. Da ist es hilfreich, wenn man die Vogelstimmen erkennen lernt und in der App noch einmal anhören kann. Wer es lieber analog mag, kann sich natürlich auch ein Buch mit den Vogelstimmen besorgen.
Dokumentieren: Nature Journaling als Methode
Notizbuch und Stift oder Handy
Wenn man eine Vogelart beobachten konnte, möchte man das Ganze auch detailliert festhalten. Auch der Standort, die Wetterlage und das Biotop sollten festgehalten werden. Und natürlich der Name der beobachteten Vogelart und welches Verhalten beobachtet werden konnte.
Ohne App geht das natürlich auch: einfach mit der Memofunktion im Handy den Gesang aufnehmen. Wer gerne fotografiert steckt seine Kamera ein, um die besten Begegnungen festzuhalten. Aber auch mit Stift und Pinsel können beobachtungen dokumentiert werden - ob als Bild oder als Notiz.
Wer teil einer größeren Citizen- Science- Netzwerks sein möchte, kann seine gesichteten Arten auch im Internet melden auf entsprechenden Apps und Portalen, wie z.B
- naturaList
- ibird
- ornitho
- Beim Club 300 gibt es sogar eine Rangliste wer die meisten Arten zu Gesicht bekommen hat!
Je länger man beobachtet, desto mehr entwickelt man ein Gespür für die Tiere. Man weiß, auf welche Details man achten muss, welche Unterschiede zwischen den Arten vorhanden sind und wo welche Arten vorkommen. So lernt man fast spielerisch unsere Tier- und Pflanzenwelt kennen.
Auch für Kinder: Gerade Kinder sind begeisterte Beobachter. Nehmen Sie doch mal Ihre Familie mit auf eine Vogel-Exkursion oder auf eine Vogel-Rallye. Sie werden staunen, was man da so alles beobachten kann. Viele LBV-Gruppen bieten solche Touren an, gerade auch im Zusammenhang mit der "Stunde der Gartenvögel". Auch spezielle Kinder-Aktionen sind geplant.