Bartgeier

Gypaetus barbatus

Ruf des Bartgeiers

Stimme des Bartgeiers
Lautäußerungen kaum jemals zu hören, nur aus geringer Distanz am Nest.

Status

Potenziell gefährdet (IUCN), auf Roter Liste in Deutschland nicht aufgeführt (kein historischer Brutnachweis vorhanden, kann daher nicht z.B. als ausgestorben zählen).

Blick ins Geschichtsbuch

Adulter Bartgeier im Flug, Nahaufnahme | © Hansruedi Weyrich © Hansruedi Weyrich
Bartgeier (Gypaetus barbatus)

Als „Lämmergeier“ lange vom Menschen gefürchtet, es wurde dem Bartgeier nachgesagt, Vieh, Wild und selbst kleine Kinder davonzutragen und zu töten. Die damit verbundene Verfolgung führte dazu, dass der Bartgeier zu Beginn des 20. Jhd. im gesamten Alpenraum ausgerottet wurde.

Die heutigen Vorkommen gehen auf Wiederansiedlungen zurück, die im Jahr 1986 in Österreich begonnen wurden und bis heute in mehreren Ländern Europas fortgeführt werden.

Volkstümliche Namen
Der Bartgeier wurde im Alpengebiet als Gold-, Berg-, Gemsen-, Joch-, Stein- und Lämmergeier bezeichnet. Eine Bezeichnung des Bartgeiers ist auch Kochenbrecher (Boabrüchl). Seine markante Verhaltensweisen, Knochen auf Felsen abzuwerfen und zu zertrümmern zum Verspeisen der Bruchstücke, wurde schon seit Urzeiten bei den menschlichen Bewohnern der Bartgeierlebensräume beobachtet.

Aussehen
Körperlänge: 94–125 cm
Spannweite: 2,6 – 2,9 m
Gewicht 5-7 kg

Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,9 Metern zählt der Bartgeier zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt. Er ist neben dem etwa gleich großen Mönchsgeier der größte Greifvogel Europas. Damit ist er weit größer als der Steinadler.

Charakteristisch für sein Erscheinungsbild sind der lange, keilförmige Schwanz und die gelb-rötlichen Brustfedern, wobei ihn beide Merkmale deutlich vom Steinadler abgrenzen. Die meist orange-rötlichen Gefiederpartien an Bauch, Brust und Nacken sind eigentlich weiß und werden von den Tieren selbst durch Bäder in eisenoxidhaltigem Schlamm gefärbt.

Jung- und Alttiere lassen sich an ihrer Kopffärbung unterscheiden: während die Kopfbefiederung der Jungtiere schwarz gefärbt ist, zeigen Alttiere eine helle Kopffärbung. Die schwarzen Federn, welche dem Bartgeier borstenartig über den Schnabel hinaus nach unten stehen, gaben ihm seinen Namen.

Vorkommen

Adulter Bartgeier im Kurvenflug | © Hansruedi Weyrich © Hansruedi Weyrich
Adulter Bartgeier im Kurvenflug

Ursprünglich in den Gebirgen von Afrika, Asien und Europa verbreitet, wurde der Bartgeier in den Alpen Anfang des 20. Jahrhunderts ausgerottet. Heute leben Bartgeier in den Pyrenäen, auf Korsika, Kreta und dem Balkan, sowie in den Alpen, wo sie seit 1986 vermehrt wieder angesiedelt werden. Zwischen 1986 und 2019 wurden in den Alpen insgesamt 227 Jungvögel freigelassen, um einen Bestand zu etablieren, welcher ohne menschliches Zutun fortbestehen kann. Bereits 271 sind seit der ersten erfolgreichen Brut 1997 wild geschlüpft. Diese aufwändigen Auswilderungen dauern an und werden erst dann ihr Ende finden, wenn die Bartgeierpopulation in den Alpen von selbst überlebensfähig ist.

Der Bestand im Alpenraum beträgt heute ca. 300 Bartgeier (Stand 2020, Quelle IBM), weltweit (Eurasien, Afrika) ca. 1,300 - 6,700 (Stand 2016, Quelle IUCN) 

Verbreitung in Bayern

Auf Nahrungssuche und bei Erkundungsflügen von Jungvögeln aus den Zentralalpen in den gesamten bayrischen Alpen sporadisch zu beobachten (23 Sichtungen auf Ornitho.de für 2019 dokumentiert), Schwerpunkt der Sichtungen aktuell im Allgäu.

Lebensweise des Bartgeiers

Bartgeier im Porträt | © H.-J. Fünfstück © H.-J. Fünfstück
Der Bartgeier im Portrait

Nahrung
Bartgeier sind reine Aasfresser - im Mittelmeerraum nimmt er außer Landschildkröten keine lebende Beute an - und ernähren sich hauptsächlich von Knochen (ca. 85% der Nahrung). Damit vermeidet der Bartgeier die Konkurrenz zu anderen Greifvögeln und erschließt eine durchaus reichhaltige Nahrungsnische - kein anderes Wirbeltier ernährt sich fast ausschließlich von Gebeinen, die mit einem Gehalt von 12% Protein, 16% Fett und 23% Mineralien äußerst nahrhaft sind. Die Verdauung von Knochen ist aufgrund einer äußerst starken Magensäure möglich, bis auf kreideartige Klumpen bleibt bei der Ausscheidung nichts übrig. Allerdings ist diese Nahrung wortwörtlich "knochentrocken" wodurch der Bartgeier zu den wenigen Greifvögel gehört, die häufig trinken müssen.

Fortpflanzung
Die Paarungszeit des Bartgeiers liegt im November und Dezember. Die Eiablage erfolgt zwischen Dezember und Februar, woraufhin 52 bis 58 Tage gebrütet wird. Es werden zwei Eier gelegt. Falls beide schlüpfen tötet der stärkere immer den schwächeren Jungvogel (obligater Kainismus). Nach 110 bis 120 Tagen verlassen junge Bartgeier zum ersten Mal den Horst. Jungvögel bleiben nach dem Ausflug noch einige Wochen bis Monate im elterlichen Revier und brechen dann selbständig zu Erkundungsflügen in die weitere Umgebung auf.
Bartgeier werden bis zu 45 Jahre alt, sind jedoch erst nach 5 bis 8 Jahren geschlechtsreif. Jungtiere werden mit Fleisch aus Aas gefüttert, der Anteil an Knochen nimmt nach und nach zu. 

Verhalten
Bartgeier sind sehr neugierige Tiere und beobachten ihre Umgebung aufmerksam. Somit können sie mit etwas Glück dabei beobachtet werden, wie sie den menschlichen Beobachter selbst ins Auge fassen.

Wussten Sie, dass..

..Bartgeier die stärkste Magensäure im Tierreich haben? Mit einem pH-Wert von 0,7 ist die vergleichbar mit Batteriesäure und löst Knochen nahezu vollständig auf.

..durch Abwerfen auf Felsen nicht nur Knochen zertrümmert werden, sondern von Bartgeiern im Mittelmeerraum auch Landschildkröten dadurch „geknackt“ werden.

..die alten Gerüchte über die Gefährlichkeit des Bartgeiers in vielen Zoos tagtäglich wiederlegt werden. Dort ist es üblich, in den Volieren zusätzlich Kaninchen, Murmeltiere oder Schneehasen als natürlich „Rasenmäher“ zu halten, und von diesen Tieren wird niemals eines von den Vögeln angegriffen.

Bedrohung

Als Aasfresser ist der Bartgeier auf Kadaver angewiesen. Werden diese mit bleihaltiger Munition oder gar Giftködern erlegt, droht auch dem Bartgeier die Vergiftung durch das im Kadaver enthaltene Gift oder im Wild bzw. die zurückgelassenen Innereien ("Aufbruch") enthaltene Bleifragmente. Die Verwendung von bleifreier Munition bei der Jagd ist daher der wichtigste Schritt zum Schutz der Greifvögel in den Alpen. Andere, seltenere Todesarten umfassen die Kollision mit Leitungen und Seilbahnkabeln sowie illegalen Abschuss.

Leider wird dem Bartgeier in manchen Gebieten trotz intensiver Schutz- und Aufklärungsarbeit immer noch illegal nachgestellt. Dies liegt mitunter an seinem schlechten Ruf als Nutztiere verschleppendem Lämmergeier, welcher dem Aasfresser jedoch zu Unrecht anhängt.

Schutzmaßnahmen

EU-Maßnahmen
Der Bartgeier ist in allen Staaten Europas geschützt. Trotzdem sind in in Österreich mehrere Fälle von illegalem Abschuss nachgewiesen worden, wahrscheinlich mit einer gewisser Dunkelziffer. 

Forderungen des LBVs
Der LBV appelliert dringend an alle Jäger*innen in Bayern, den Umstieg auf bleifreie Munition durchzuführen. Viele Jagdausübende nutzen seit vielen Jahren routiniert bleifreie Alternativen, ohne die oft gemunkelten negativen Eigenschaften wie erhöhte Querschlägergefahr o.ä. zu erleben. Bis auf seltene Situationen (z.B. ungewöhnlich große Distanzen), in denen auch Bleimunition an ihre Grenzen geraten würde, sind bleifreie Geschosse nach einer kurzen Umstellungsphase absolut praxistauglich.

Info
Aufgrund der geringen Anzahl der frei im Alpenraum lebenden Tiere und ihres großen Aktionsraumes sind jegliche Hinweise zum individuellen Tier, seines Verhaltens (wie bspw. das Tragen von Nistmaterial), der exakten Uhrzeit und des Ortes äußerst hilfreich. Junge, freigelassene Tiere tragen häufig individuelle Markierungen und/oder Mauserlücken, welche dabei helfen sie eindeutig zu identifizieren. Sollten Sie eines der Tiere in der Natur beobachten, unterstützen Sie bitte das Bartgeiermonitoring und melden Ihre Sichtung an

Ab dem Sommer 2021 plant der LBV zusammen mit dem Nationalpark Berchtesgaden den Beginn von Bartgeierauswilderungen.

Systematik
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes); Familie: Habichtartige (Accipitridae); Gattung: Geier (Gypaetus); Art: Bartgeier (Gypaetus barbatus).

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