Bartgeier

Gypaetus barbatus

Bartgeier Porträt | © H.-J. Fünfstück © H.-J. Fünfstück
Bartgeier (Gypaetus barbatus)

Volkstümliche Namen
Der Bartgeier wurde im Alpengebiet als Gold-, Berg-, Gemsen-, Joch-, Stein- und Lämmergeier bezeichnet.

Kennzeichen
Der Bartgeier verfügt über eine Spannweite von bis zu 2,90 m und ist damit weit größer als der Steinadler. Charakteristisch für sein Erscheinungsbild sind der lange, keilförmige Schwanz und die gelb-rötlichen Brustfedern, wobei ihn beide Merkmale deutlich vom Steinadler abgrenzen. Jung- und Alttiere lassen sich an ihrer Kopffärbung unterscheiden: während die Kopfbefiederung der Jungtiere schwarz gefärbt ist, zeigen Alttiere eine helle Kopffärbung. Die schwarzen Federn, welche dem Bartgeier borstenartig über den Schnabel hinaus nach unten stehen, gaben ihm seinen Namen.

Vorkommen
Ursprünglich in den Gebirgen von Afrika, Asien und Europa verbreitet, wurde der Bartgeier in den Alpen Anfang des 20. Jahrhunderts ausgerottet. Heute leben Bartgeier in den Pyrenäen, auf Korsika, Kreta und dem Balkan, sowie in den Alpen, wo sie seit 1986 vermehrt wieder angesiedelt werden. Zwischen 1986 und 2019 wurden in den Alpen insgesamt 227 Jungvögel freigelassen, um einen Bestand zu etablieren, welcher ohne menschliches Zutun fortbestehen kann. Bereits 271 sind seit der ersten erfolgreichen Brut 1997 wild geschlüpft. Diese aufwändigen Auswilderungen dauern an und werden erst dann ihr Ende finden, wenn die Bartgeierpopulation in den Alpen von selbst überlebensfähig ist.

Nahrung
Bartgeier sind reine Aasfresser und ernähren sich hauptsächlich von Knochen. Damit vermeidet der Bartgeier die Konkurrenz zu anderen Greifvögeln und erschließt eine durchaus reichhaltige Nahrungsnische - kein anderes Wirbeltier ernährt sich fast ausschließlich von Gebeinen, die mit einem Gehalt von 12% Protein, 16% Fett und 23% Mineralien äußerst nahrhaft sind. Die Verdauung von Knochen ist aufgrund einer äußerst starken Magensäure möglich, bis auf kreideartige Klumpen bleibt bei der Ausscheidung nichts übrig. Allerdings ist diese Nahrung wortwörtlich "knochentrocken" wodurch der Bartgeier zu den wenigen Greifvögel gehört, die häufig trinken müssen.

Fortpflanzung
Die Paarungszeit des Bartgeiers liegt im November und Dezember. Die Eiablage erfolgt zwischen Dezember und Februar, woraufhin 52 bis 58 Tage gebrütet wird. Nach 110 bis 120 Tagen verlassen junge Bartgeier zum ersten Mal den Horst. Bartgeier werden bis zu 45 Jahre alt, sind jedoch erst nach 5 bis 8 Jahren geschlechtsreif.

Bedrohung
Als Aasfresser ist der Bartgeier auf Kadaver angewiesen. Werden diese mit bleihaltiger Munition oder gar Giftködern erlegt, droht auch dem Bartgeier die Vergiftung durch das im Kadaver enthaltene Gift oder im Wild bzw. die zurückgelassenen Innereien ("Aufbruch") enthaltene Bleifragmente. Leider wird dem Bartgeier in manchen Gebieten trotz intensiver Schutz- und Aufklärungsarbeit immer noch illegal nachgestellt. Dies liegt mitunter an seinem schlechten Ruf als Nutztiere verschleppendem Lämmergeier, welcher dem Aasfresser jedoch zu Unrecht anhängt.

Verhalten
Bartgeier sind sehr neugierige Tiere und beobachten ihre Umgebung aufmerksam. Somit können sie mit etwas Glück dabei beobachtet werden, wie sie den menschlichen Beobachter selbst ins Auge fassen.

Info
Aufgrund der geringen Anzahl der frei im Alpenraum lebenden Tiere und ihres großen Aktionsraumes sind jegliche Hinweise zum individuellen Tier, seines Verhaltens (wie bspw. das Tragen von Nistmaterial), der exakten Uhrzeit und des Ortes äußerst hilfreich. Junge, freigelassene Tiere tragen häufig individuelle Markierungen und/oder Mauserlücken, welche dabei helfen sie eindeutig zu identifizieren. Sollten Sie eines der Tiere in der Natur beobachten, unterstützen Sie bitte das Bartgeiermonitoring und melden Ihre Sichtung an

Systematik
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes); Familie: Habichtartige (Accipitridae); Gattung: Geier (Gypaetus); Art: Bartgeier (Gypaetus barbatus).

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