Vogelschutz an Fenstern: Glasscheiben sichern

Glasscheiben können für Vögel zu tödliche Fallen werden

Jedes Jahr verunglücken hunderttausende Vögel an Fensterscheiben, verglasten Fassaden oder anderen senkrechten Glasflächen. Betroffen sind nicht nur die häufigen, in Siedlungen lebenden Arten. Auch seltene und bedrohte Arten wie Eisvogel oder Rauchschwalbe gehören immer wieder zu den Opfern. Nicht immer sterben die Vögel unmittelbar durch die Kollision, sondern verenden oft erst einige Zeit später an schweren inneren Verletzungen. Hier erhalten Sie Tipps und auch ein kostenloses Faltblatt zum bestellen.

Toter Erlenzeisig vor einem Fenster | © C. Bria © C. Bria
Tödliche Kollisionen mit Fensterscheiben sind nicht selten.

Viele an der Glasscheiben verunglückten Vögel werden zudem rasch durch Katzen, Krähen oder Marder beseitigt, noch bevor Menschen sie wahrnehmen. Die sichtbare Zahl der Opfer ist also nur die Spitze des Eisbergs. Es wird geschätzt, dass jedes Jahr ca. 100 Millionen Vögel auf diese Weise verunglücken. Doch weil immer mehr Glas verbaut wird, ist sogar noch mit einem Anstieg der Zahl der Scheibenopfer zu rechnen.

Glasscheiben sind gleich in doppelter Hinsicht ein Problem für Vögel: Einerseits ist transparentes Glas für die Vögel nicht sichtbar; sie nehmen es nicht als Hindernis wahr. Andererseits spiegelt es die Umgebung wieder und täuscht den Tieren so einen Lebensraum vor. Es gibt verschiedene Maßnahmen, wie Vogelschlag wirksam verhindert werden kann. Beim Neubau eines Hauses kann man schon durch architektonische Maßnahmen oder die Verwendung von geriffeltem oder mattiertem Glas Gefahrenstellen von vornherein vermeiden. Kann auf transparentes Glas nicht verzichtet werden, ist eine flächige Markierung durch Siebdruck-Muster die beste Lösung. Es gibt eine Vielzahl dekorativer oder auch dezenter Muster, die von Vögeln sehr gut wahrgenommen werden.

Scheibe mit Klebefolien

Oft muss man jedoch vorhandene Scheiben nachträglich sichern. Hier können Klebefolien mit einem entsprechenden Muster angebracht werden. Alternativ funktionieren auch Fliegengitter oder Schnüre vor der Scheibe, senkrecht aufgebrachte Klebestreifen oder großflächige, farbige Dekorationen sehr gut. Dagegen haben die bekannten schwarzen Greifvogel-Silhouetten praktisch keinen Effekt. In Situationen in denen sichtbare Muster nicht umsetzbar sind, können transparente, UV-reflektierende Markierungen, die nur für Vögel sichtbar sind, eine sinnvolle Alternative sein. Allerdings ist bei dieser Methode noch nicht vollständig geklärt, unter welchen Bedingungen die UV-Markierungen tatsächlich eine ausreichende Wirkung erzielen. Um diese Fragen zu klären, haben wir 2016 ein Projekt gestartet, bei dem wir zusammen mit freiwilligen Teilnehmern verschiedene UV-Markierung in der praktischen Anwendung testen. Unterstützen auch Sie uns bei unserer Studie!

Spiegelung an Glas

Durchsicht und Spiegelung

Spiegelung von Bäumen in einer Scheibe | © Anne Schneider © Anne Schneider
Stark spiegelnde Fensterscheiben.

Vogelschlag an Glasscheiben kann zwei verschiedene Ursachen haben. Ein Problem ist die Spiegelung an Glas. Spiegelt sich eine Landschaft oder auch ein wolkiger Himmel, wird dem Vogel ein attraktiver Lebensraum oder freier Flugraum vorgetäuscht. Sonnenschutzgläser mit hohem Außenreflexionsgrad bilden die Umgebung besonders realitätsnah ab. Aber auch an weniger stark spiegelnden Gläsern können gefährliche Spiegelbilder entstehen, vor allem wenn der Helligkeitsunterschied zwischen dunklem Gebäudeinneren und heller Umgebung sehr groß ist.

Typische Gefahrenstellen durch Spiegelung:

  • Glasfassaden
  • großflächige Sonnenschutzgläser z. B. an Sporthallen o. Schwimmbädern
  • Wohnungsfenster
Tote Amsel liegt in Bushäuschen | © Hans Peter Drexler © Hans Peter Drexler
Diese Amsel kam an einem Buswartehäuschen ums Leben

Zum anderen ist Glas transparent -  Vögel können es nicht als Hindernis erkennen. Sie erblicken dahinter den Himmel, einen Baum oder eine Landschaft und versuchen, diese auf direktem Wege anzufliegen. Die Gefahr ist umso größer, je großflächiger und transparenter die Glasfläche ist.
 
Typische Gefahrenstellen durch Transparenz:

  • Lärmschutzwände
  • Buswartehäuschen
  • Wintergärten
  • Verbindungsgänge
  • verglaste Treppenhäuser
  • gläserne Eckkonstruktionen

„Eine besonders große Gefahr sind Glasfronten, egal ob transparent oder spiegelnd, vor allem in der Nähe von attraktiven Biotopen wie Waldrändern, Hecken, naturnahen Flüssen oder Naturgärten“, weiß LBV-Artenschützerin Anne Schneider. Denn hier sind naturgemäß mehr Vögel unterwegs.

Todesfalle Lärmschutzwand

Lärmschutzwand direkt vor einem Naturgarten | © N. Zbinden © N. Zbinden
Große Gefahr: Naturgarten hinter einer Lärmschutzwand

 „Vor allem gläserne Lärmschutzwände sind Todesfallen für Vögel“, klagt Sylvia Weber, Projektleiterin für Artenschutz an Gebäuden vom LBV München. „Die Transparenz soll bessere Belichtungsverhältnisse für die Menschen schaffen, die hinter der Wand leben, aber sie beschert ihnen Hunderte von toten Vögeln – kein erfreulicher Anblick in solchen Wohnanlagen“, so Weber weiter. Dabei können gerade Lärmschutzwände effizient durch unterschiedlichste flächige Muster im Siebdruckverfahren geschützt werden, ohne dass es dahinter dunkel wird.

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