Steinbrüche und Kiesgruben

Ersatzlebensräume für seltene Pflanzen und Tiere

Stillgelegte Steinbrüche und Gruben stellen für den Naturschutz äußerst wertvolle Flächen dar. In den unzugänglichen, ungestörten Bereichen siedeln sich zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten an. Steinbrüche mit steilen Wänden bieten z.B. Ersatzlebensraum für Uhu oder Wanderfalke. In einigen Gruben findet man ein kleinräumiges Mosaik verschiedenster Lebensräume von Trockenrasen bis zu kleinen Tümpeln. Dadurch existiert hier eine außerordentliche Artenvielfalt.

Rohstoffgewinnungsstätte bei Neusäß in Schwaben | © LBV © LBV
In Steinbrüchen und Kiesgruben besteht eine außerordentliche Artenvielfalt

Wir arbeiten mit Abbaufirmen zusammen und können dadurch schon während der Betriebszeit viel für den Artenschutz erreichen. Schon frühzeitig können ungenutzte Bereiche für verschiedene Arten optimal gestaltet werden. Aber auch nach der Aufgabe der Lagerstätten sind immer wieder sensible Pflegemaßnahmen nötig, damit das Mosaik der Lebensräume erhalten bleibt und nicht zunehmend mit Gehölzen zuwächst.

Kiesgewinnung und Artenvielfalt - Handlungsleitfaden

Wanderfalke auf einem Felsen | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Steile Wände bieten Lebensraum für den Wanderfalken

Zukünftig wollen wir uns gemeinsam mit dem Bayerischen Industrieverband Steine und Erden e. V. (BIV) und der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Bergbau- und Mineralgewinnungsbetriebe e. V. (ABBM) für die Sicherung und Förderung der Artenvielfalt in Kiesgruben einsetzen. Hierzu wurde ein ausführlicher Handlungsleitfaden zum Umgang mit Arten und Lebensräumen in den Kiesgewinnungsstellen in Schwaben entwickelt.

Lesen Sie die wichtigsten Aussagen dieses Leitfadens in dem 10-Punkte-Programm. Sie sollen Anregungen für die Förderung der Artenvielfalt im laufenden, genehmigten Betrieb und für die zukünftige Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Kiesunternehmen in Schwaben geben. Dabei gibt der Leitfaden Anregungen, wie Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten bereits während der Kiesgewinnung gefördert und langfristig erhalten werden können, ohne dabei den wirtschaftlichen Betrieb einzuschränken.

Kooperation von LBV und Rohstoffgewinnung

Vereinbarung für Artenschutz in Förderstätten

Rohstoffgewinnung und Naturschutz sind keine Gegensätze. Mit einer 2011 geschlossenen Vereinbarung sollen konkrete Lösungswege für die Verträglichkeit von Rohstoffgewinnung und Artenvielfalt erarbeitet werden. Die Vereinbarung zwischen Bayerischen Industrieverband Steine und Erden e.V. (BIV), der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Bergbau- und Mineralgewinnungsbetriebe e.V. (ABBM) und LBV über gemeinsame Aktivitäten zur Sicherung und Förderung der biologischen Vielfalt in Abbaustätten, ist ein bedeutsamer und beachtenswerter Schritt für den Naturschutz.

Zur Kooperation "Frankenbündnis" in Unterfranken

Zur Kooperation in Schwaben

Beispiel: Grubenfelder Leonie in der Oberpfalz - Höchste Vielfalt auf kleinem Raum

LBV Schutzgebiet Grubenfelder Leonie mit Heckenrindern | © Julia Römheld © Julia Römheld
Beweidung mit Heckrindern hält die Fläche offen

Die Grubenfelder Leonie in der Nördlichen Frankenalb waren bis Mitte der 1980er Jahre Abbaustätten für Eisenerz. Durch den Bergbau "Unter Tage" kam es zu Erdabsenkungen und Einstürzen. Das instabile Gebiet wurde gesperrt, woraufhin sich die Grubenfelder zu einem ungestörten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entwickeln konnten. Das Gebiet setzt sich aus einem Mosaik unterschiedlichster Lebensräume zusammen. Neben Acker- und Wiesenbrachen liegen Pioniergehölze, Magerrasen, Misch- und Nadelwälder, ein Bachlauf und mehrere Quellen. Die wassergefüllten Einsturztrichter sind für einige gefährdete Amphibien- und Libellenarten von hoher Bedeutung.

Ohne Eingriffe würde sich das Gelände im Lauf der Zeit wieder bewalden. Die vielen seltenen Arten, die es in der Leonie gibt, sind jedoch auf freie Flächen ohne Gehölze angewiesen. Daher wird das Gebiet seit dem Jahr 2000 ganzjährig durch Heckrinder beweidet. Heckrinder sind rückgezüchtete Auerochsen, einer zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert in Europa ausgestorbenen Wildrindart.

Die Tiere sind sehr robust und benötigen keinerlei menschlicher Hilfe. Sie verbeißen die Gehölze und erhalten somit das Lebensraummosaik. 2006 haben sie Unterstützung durch Exmoore-Ponys bekommen. Dadurch werden die offen Bereiche gleichmäßiger genutzt. Der überwiegende Teil der Grubenfelder ist im Besitz des LBV. Die Kreisgruppe Amberg-Sulzbach kümmert sich um die Flächen und bietet Führungen durch das Naturschutzgebiet an.

Zum Flächensteckbrief Grubenfelder Leonie

Marc Sitkewitz

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Marc Sitkewitz

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