Der Kormoran

Konflikt um den Fisch fressenden Vogel

Der Konflikt um die Fisch fressenden Vogelarten in Bayern ist seit den 1970er Jahren ein Dauerthema, das auch in den Medien immer wieder aufgegriffen worden ist. Zuerst war es der Graureiher, der die Gemüter erhitzte. Dann kam nach einer Phase der relativen Beruhigung der Kormoran hinzu, und schließlich wurde auch der Gänsesäger zum Gegenstand erbitterter Angriffe.

Kormoran auf einem Ansitz im Wasser | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Nicht überall beliebt: Der Kormoran

Kormoranabschuss bewirkt keinen Schutz von Fischen

Portraitaufnahme eines Kormoranes, er steht aufrecht und man sieht ihn von hinten, der Kopf ist nach links geneigt | © Marcus Bosch © Marcus Bosch
Kormoran

Kein Zweifel: Kormorane fressen Fische. Doch sind sie damit Schuld für abnehmende Erträge in der Fischereiwirtschaft? Kaum, denn Hauptgründe dafür sind die schlechte Gewässerstruktur, die geringe Qualität von Laichgebieten, Boden- und Schadstoffeinträge und gelegentlich die unsachgemäße Bewirtschaftung von Gewässern. So können zum Beispiel künstliche Besatzmaßnahmen das Fischartengefüge stören und das Überleben schutzbedürftiger Arten erschweren. Auch haben in vielen Gewässern heimische Fischarten Probleme mit neu eingewanderten oder eingeschleppten Fischarten.

Allerdings können Schäden an Teichwirtschaften entstehen, die als Wirtschaftsbetriebe zur Fischzucht und Fischmast angelegt wurden. Sie können durch Maßnahmen wie dem Überspannen mit weitmaschigen Drahtnetzen sowie durch optisches und akustisches Vertreiben geschützt werden. Auch haben sich auf dem Gewässergrund aufgestellte Weidezäune und sogenannte Kormorankäfige durchaus bewährt. Auch die zeitliche und örtliche Staffelung von Fischbesatzmaßnahmen kann die Verluste durch Kormorane reduzieren. Vorbeugenden, vergrämenden Maßnahmen sollte generell Vorrang eingeräumt werden. Und: In den meisten Fällen muss eine an die jeweilige Situation angepasste Kombination aus verschiedenen Maßnahmen angewandt werden, um Schäden zu reduzieren.

An natürlichen Fließgewässern meist keine Vergrämung der Vögel erforderlich. Hier bietet bereits die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) Möglichkeiten zur ökologischen Aufwertung von Fischhabitaten, zum Beispiel mit Hilfe natürlicher Unterstände durch Uferabbrüche, Baumbestände am Ufer, Röhrichte oder Totholz. Die Laichplätze bedrohter Fischarten können durch solche Schutzmaßnahmen gezielt erhalten und gefördert werden. Dafür sollten sich Naturschutz und Fischerei gemeinsam einsetzen!

Wir möchten insbesondere die Entwicklung der Situation um den Kormoran in den letzten Jahren darstellen. Trotz des enormen Einsatzes in der Öffentlichkeit, mehrerer fachlicher Gutachten und Stellungnahmen sowie diverser Fachdiskussionen bei der Staatsregierung, politische Entscheidungen wurde eindeutig durch den öffentlichen Druck seitens der Fischereiorganisationen beeinflusst. Doch auch wenn in Bayern inzwischen eine Abschussverordnung in Kraft ist, der Konflikt ist noch nicht zu Ende. Umso wichtiger ist es für die Naturschutzverbände, weiterhin am Ball zu bleiben und künftig gemeinsam gegen fachlich unbegründete Verordnungen vorzugehen.

Gekreuzigter Kormoran am Chiemsee
Die Zurschaustellung eines gekreuzigten Kormorans in der Hirschauer Bucht am Chiemsee Anfang August verurteilen wir entschieden. Der LBV ist bestürzt über den grausigen Anblick. Die Motive des Tierschänders liegen im Dunkeln. Sollten Artgenossen abgeschreckt oder angelockt werden? Oder handelt es sich um eine symbolische "Bestrafung" des Vogels, der als Fischfresser Anglern und Berufsfischern Sorgen macht? Wir haben die Tat zur Anzeige gebracht und werden die Vorgänge weiter beobachten.

Konfliktbewältigung

Kauerlacher Weiher | © Peter Bria © Peter Bria
Kauerlacher Weiher

Lösung für Teichwirtschaft gefunden?

LBV und Teichwirte testen in einem einmaligen Projekt am Kauerlacher Weiher (Lkr. Roth), wie Fischzucht und Kormoranbestand miteinander vereinbar sind. Mit Schutzkäfigen, Strauchmaterial und Renaturierungsmaßnahmen werden Verstecke für Karpfen angelegt. Damit sollen die Schäden durch Kormorane deutlich reduziert werden. Die Projektidee wurde an einem runden Tisch von LBV, Teichwirten, Jägern und Behörden entwickelt. Im gesamten Teichgebiet wurden Käfige im Wasser ausgebracht. Das Prinzip ist einfach: Der von einem Kormoran verfolgte Karpfen schwimmt in die Käfige. Dort ist er in Sicherheit. Im Käfig liegen Weihnachtsbäume, die der Karpfen als natürliche Struktur erkennt. Gleichzeitig wird die Strukturvielfalt in der Schilfzone des Weihers erhöht.

Gemeinsame Kormoranzählung von Fischern und LBV

Wo Kormorane im Mittelpunkt kontroverser Diskussionen stehen, liegen Zahlenangaben über ihr tatsächliches Vorkommen oftmals weit auseinander. Gemeinsame Zählungen durch Vogelkundler, Fischer und Angler haben sich bewährt, um verlässliche Bestandszahlen zu ermitteln – und sie schaffen gegenseitiges Vertrauen. Synchrone Zählungen an Schlafplätzen der Kormorane liefern die zuverlässigsten Ergebnisse. Sie werden an verbindlich festgesetzten Terminen in der Morgen- oder Abenddämmerung durchgeführt. Werden dabei farbberingte Kormorane entdeckt, lassen sich sogar wertvolle Informationen über die Herkunft der Vögel gewinnen. Der LBV führt diese Zählungen in Bayern bereits seit vielen Jahren zusammen mit Fischern und Anglern durch.

Kormoran mit ausgebreiteten Flügeln | © Heinz Tuschl © Heinz Tuschl

Schutz von Teichwirtschaften durch Überspannung

Kormorane brauchen zum Starten einen Anlaufweg von etwa 12 Metern. Dies macht man sich unter anderem in einem Gemeinschaftsprojekt des Landesfischereiverbands Bayern und des LBV in der Oberpfalz zunutze. In einer Teichanlage für die Satzfischproduktion wurden acht Karpfenteiche mit einer Gesamtfläche von 3,1 Hektar mit weitmaschigen Drähten überspannt. Die Maschenweite betrug zwischen fünf und zehn Meter, der Abstand zur Wasseroberfläche 40 bis 50 Zentimeter. Während der Projektlaufzeit kam es nicht zu einer einzigen Landung eines Kormorans auf den überspannten Teichen. Damit konnte die Wirksamkeit dieser Vergrämungsmethode an einem sensiblen Gewässertyp getestet und demonstriert werden.

Kormorane beeinflussen Wassergüte von Teichen positiv

Wenig bekannt ist, dass Kormorane den Nährstoffgehalt von Seen positiv beeinflussen. Diese sind oftmals mit Stickstoff und Phosphor überdüngt. Dann bildet sich viel Plankton. Dieses Plankton belastet zwar das Gewässer, von ihm leben jedoch viele Kleinfische, die sich stark vermehren. Kormorane lockt dies an. Fressen sie einen Teil der Fische, werden Nährstoffe im Gewässer wieder reduziert. Das Wasser wird wieder besser, die übrigen Fische haben bessere Entwicklungschancen.

Einfluss der Bejagung auf Kormoranbestand und -verbreitung

Grafik zum Kormoran-Abschuss in Bayern
Abschüsse haben offensichtlich keine Auswirkung auf den Bestand

Bis 1996 war in Bayern eine Bejagung des Kormorans auf Antrag und mit Einzelgenehmigungen möglich. Mit der Verabschiedung der Ausnahmeverordnung im Juli 1996 für große Teile Bayerns eine bis heute geltende, zeitlich befristete, aber zahlenmäßig nicht begrenzte Abschussgenehmigung erteilt. Bereits im ersten Jahr der Geltungsdauer der Verordnung wurden über 6000 Abschüsse gemeldet. Schon im Folgejahr ging aber die Bejagungsintensität wieder stark zurück und unterliegt seither enormen, ganz unerwarteten Schwankungen.

Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, dass die mit dem Erlass der Verordnung sprunghaft angestiegenen Abschusszahlen keinen klaren Einfluss auf die Bestände des Kormorans erkennen lassen. Gerade weil die Bejagungsintensität so erhebliche Schwankungen aufweist, sollten mögliche Einflüsse besonders deutlich werden.

Dem beim Erlass der Ausnahmeverordnung im Hintergrund stehenden Ziel, die Durchzugs- oder Rastbestände deutlich zu reduzieren und so den unterstellten fischereiwirtschaftlichen Schaden zu minimieren, konnte die Bejagung bisher also nicht gerecht werden. Die durch die Bejagung entstehenden Lücken werden offensichtlich sehr rasch durch Zuzug aus anderen Regionen bis zur Kapazitätsgrenze der Nahrungsgewässer wieder aufgefüllt.

Denkbar sind dagegen lokale Einflüsse der Bejagung. Dafür spricht zum Beispiel die Aufgabe einiger, auch größerer Schlafplätze in den vergangenen Jahren, die vermutlich auf intensive Bejagung zurückzuführen waren, aber auch der über Jahre festzustellende Trend zur Aufsplitterung der Bestände auf viele kleine Schlafplätze.

Das wollen wir - 10 Punkte für Kormorane und Fische

Kormoran-Altvogel füttert im Nest Jungvögel. Es sind vier Jungvögel zu sehen | © Dr. Andreas von Lindeiner © Dr. Andreas von Lindeiner
  1. Der LBV lehnt eine „Regulierung“ der Kormoran-Bestände durch Reduktionsabschüsse ab. Sie haben sich in den vergangenen Jahren als weitgehend wirkungslos erwiesen.
  2. In Schutzgebieten ist grundsätzlich jede Störung und Verfolgung der Kormorane zu vermeiden.
  3. Kolonien und Schlafplätze von Kormoranen dürfen nicht gestört werden.
  4. Aktive, störende Vergrämungsmaßnahmen während der Brutzeit müssen unterbleiben.
  5. In Teichanlagen mit fischereiwirtschaftlichen Schäden sollten vorbeugende Maßnahmen Vorrang haben.
  6. Der Einsatz von Lasergeräten muss aus Gründen des Tierschutzes und wegen gesundheitlicher Gefahren für Dritte unterbleiben.
  7. Der LBV fordert die Unterstützung präventiver Abwehrmaßnahmen an Teichwirtschaften.
  8. Extensive Teichwirtschaften sollten eine landwirtschaftliche Grundförderung in Anerkennung ihrer Leistungen für das Gemeinwohl und den Naturschutzerhalten.
  9. Der LBV lehnt jegliche Vergrämungsmaßnahmen an natürlichen Gewässern ab. Ausnahmen sind nur in gut belegten Einzelfällen möglich, wenn zum Beispiel bedrohte Fischarten durch den Kormoran weiter gefährdet werden. In solchen Fällen muss allerdings die Wirksamkeit der Maßnahme durch ein Monitoring belegt werden.
  10. Der LBV unterstützt auf lokaler Ebene gemeinsame Renaturierungsprojekte an Still- und Fließgewässern mit Anglern und Vogelschützern.

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