Vom Stadtpark bis zum Dorfrand: Ganz Bayern zählt Wintervögel
Nordische Gäste und Daheimgebliebene: Wer zeigt sich zur „Stunde der Wintervögel“? – Große Mitmachaktion startet am Wochenende
Nach eine einer milden Phase im Dezember meldet sich nun der Winter zurück und bringt frostige Temperaturen und Schnee. Passend dazu rufen wir zum 21. Mal zur „Stunde der Wintervögel“ auf. Eine Stunde lang sollen Bürgerinnen und Bürger am Wochenende vom 9. bis 11. Januar die Vögel im eigenen Garten, auf dem Balkon oder im Park zählen und melden – egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Wer eine Stunde lang bewusst hinschaut, entdeckt oft mehr als erwartet. Gerade im Winter tauchen manchmal überraschende Gäste auf. So könnten in diesem Jahr Finkenvögel wie Bergfinken oder Erlenzeisige, die aus Skandinavien nach Bayern kommen, für Freude am Futterhaus sorgen.
© Stefan Weber
Ist das Samenangebot in den borealen Nadelwäldern Skandinaviens mau, machen sich viele Finkenarten auf den Weg nach Süden, um dort nach Nahrung zu suchen. Dabei tauchen auch Arten auf, die sonst nicht oder nur selten in Bayern vorkommen. „Vergangenes Jahr kam es beispielsweise zu einem außergewöhnlich starken Einflug von Bergfinken. Auch Erlenzeisige gehören zu den möglichen Wintergästen“, erläutert LBV-Ornithologin Dr. Angelika Nelson. „Die Chancen, dass einige von ihnen auch heuer nach Bayern kommen und bei der Wintervogelzählung auffallen, stehen gut.“
Gleichzeitig erhalten heimische Finkenarten im Winter Verstärkung aus dem Norden: Buchfink, Grünfink oder Stieglitz brüten zwar auch in Bayern, doch als sogenannte Teilzieher verbringen Individuen aus Nord- und Osteuropa den Winter ebenfalls im Freistaat. Auch Kernbeißer können im Winter an Futterstellen auftauchen. Wo und wie viele Finken am Zählwochenende zu beobachten sein werden, hängt stark vom Wetter und dem Nahrungsangebot in den unterschiedlichen Regionen Bayerns ab. „Sind Samen in den Wäldern rar oder durch Frost und Schnee nicht zugänglich, weichen viele Arten auf Gärten oder Parks aus. Gerade in Kältephasen zeigen sich deshalb auch Finkenvögel gerne am Futterhaus und fressen dort Sonnenblumenkerne oder Fettfutter“, so die Ornithologin.
© Silke Weber
Darüber hinaus stehen dieses Jahr wieder typische Wintervögel wie Kohl- und Blaumeise, Amsel, Haussperling, Feldsperling oder Rotkehlchen im Fokus der „Stunde der Wintervögel“. „Man muss kein Vogelprofi sein, um bei der Aktion mitzumachen. Vielen Arten ist man im Alltag schon oft begegnet. Sie einmal bewusst wahrzunehmen, macht Spaß und öffnet den Blick für die Vielfalt direkt vor der eigenen Haustür“, sagt Angelika Nelson.
Die Daten helfen dem LBV zu verstehen, wie sich die Vogelwelt von Jahr zu Jahr verändert. In den vergangenen milden Wintern sind etwa immer mehr Kurzstreckenzieher in Bayern geblieben, statt weiter nach Süden zu ziehen. Arten wie Zilpzalp, Mönchsgrasmücke oder Star werden deshalb häufiger bei der Aktion beobachtet als noch vor einigen Jahren. „Solche Verschiebungen lassen sich nur erkennen, wenn viele Menschen regelmäßig mitmachen und ihre Beobachtungen melden“, sagt die LBV-Biologin. „Aufgrund des außergewöhnlich milden Dezembers ist es dieses Jahr besonders spannend, welche Arten vermehrt in Bayern bleiben.“
Bayerns Stadtvögel gesucht!
© Dieter Hopf
Ein besonderes Augenmerk legen wir in diesem Jahr auf den Vergleich zwischen Stadt und Land. Traditionell nehmen bei der „Stunde der Wintervögel“ mehr Menschen aus dem ländlichen Raum teil, doch Vogelarten wie die Amsel haben Städte längst als Lebensraum mit einigen Vorteilen entdeckt. „Parks und Gärten in Städten bieten oft ein ganzjähriges Nahrungsangebot, besonders wenn es dort Futterstellen gibt. Außerdem herrscht dort ein wärmeres Mikroklima, das Vögeln das Überleben im Winter erleichtert”, weiß die Biologin. Der LBV appelliert deswegen auch an die Bürgerinnen und Bürger in den bayerischen Städten mitzumachen. „Wer keinen eigenen Garten hat, kann im Park oder auf Friedhöfen genauso gut beobachten und liefert damit wertvolle Informationen“, so Angelika Nelson.
Mitmachen und die eigene Beobachtung melden: So geht’s
Wer bei der „Stunde der Wintervögel“ mitmachen will, braucht nicht viel: Es genügen eine Stunde Zeit und ein ruhiges Plätzchen, von dem die Vögel im Garten, auf dem Balkon oder im Park beobachtet werden können. Gemeldet wird immer die höchste Anzahl einer Art, die innerhalb der Zählstunde gleichzeitig beobachtet wurde. Auch wer keine oder wenige Vögel zählt, kann melden und liefert damit wichtige Daten. Die Beobachtungen vom Zählwochenende melden Teilnehmende am einfachsten online hier. Dort sind auch fortlaufend aktualisierte Zwischenstände einsehbar, die nach Landkreisen und Regierungsbezirken gefiltert werden können. Meldungen per Post sind ebenfalls möglich. Meldeschluss ist der 19. Januar 2026. Unter allen Teilnehmenden verlost der LBV attraktive Preise.
„Schulstunde der Wintervögel“
Vom 12. bis 16. Januar 2026 sind alle Lehrkräfte eingeladen, im Rahmen der „Schulstunde der Wintervögel“ gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern die heimischen Wintervögel spielerisch kennenzulernen und eine Stunde lang gemeinsam auf dem Pausenhof, im Park oder im Schulgarten zu zählen. Materialien zum Mitmachen sowie Spiele zu den häufigsten Wintervögeln für Schulkinder gibt es hier.