Star

Sturnus vulgaris

Ruf des Star - Hier abspielen! (www.tierstimmen.de)

Blick ins Geschichtsbuch

Starl oder Stärle lauten alte Namen für den Star. Gibt man einem Kind in der Oberpfalz ein Starenherz zu essen, so wird es ohne Mühe alles lernen, sagte man.

Die Wesensart des Stars war für den Menschen schon immer zweischneidiger Natur. Da gab es den verehrten Heuschreckenvertilger, aber auch den nimmersatten Obstgartenräuber. In Smyrna – dem heutigen Izmir in der Türkei – erzählten sich die Leute, der Star tötet erst 99 Heuschrecken, um dann eine zu verzehren. Höchst willkommen hieß er deshalb bis zum Mai „Heiliger“. Doch schon im Juli wendete sich das Blatt. Der zuvor Gepriesene suchte nun gierig Maulbeerbaumpflanzungen und Weinberge heim. Prompt wurde er "Teufelsvogel" gerufen.

Wie talentiert Stare beim Imitieren von Lauten und sogar Musikstücken sind, hat sogar Eingang in die Musikgeschichte gefunden. Wolfgang Amadeus Mozart hielt drei Jahre lang einen Star als Haustier. Schon bald konnte der gelehrige Vogel das Rondothema aus dem Klavierkonzert Nr. 17 in G-Dur (Köchelverzeichnis 453) nachpfeifen. Als sein „Vogel Stahrl“ starb, war der begnadete Komponist untröstlich und widmete ihm gar ein eigenes Poem: „Hier ruht ein lieber Narr/ Ein Vogel Staar/ Noch in den besten Jahren/ Mußt‘ er erfahren/ Des Todes bittern Schmerz“.

Aussehen - Ein glanzvoller Auftritt

Vorn sieht man einen männlichen Star mit dem "Brautgeschenk" - einer Blume. Hinter ihm steht das Star-Weibchen, deren Schnabelspitze etwas dunkler ist als die vom Männchen | © Rosl Rößner © Rosl Rößner
Weiblicher Star (hinten) und männlicher Star (vorn) mit "Brautgeschenk"

Wer den Star einmal im Frühjahr und dann wieder im Herbst betrachtet, könnte denken zwei verschiedene Vögel gesehen zu haben. Im Frühling zeigt er sich in einem schwarzen Gefieder, das je nach Lichteinfall metallisch grün, blau oder violett glänzt. Vor allem auf der Oberseite der Weibchen verzieren kleine helle Punkte ihr Prachtkleid.

Beide Geschlechter haben zur Brutzeit einen auffällig gelben Schnabel, dessen Basis beim Männchen unten hellblau und bei der Starendame leicht rötlich ist.

Jungvögel sind in ihrem ersten Fluggefieder einheitlich graubraun. Im Spätsommer mausern sich die Stare. Ihr sogenanntes Schlichtkleid ist jedoch gar nicht langweilig, sondern mit einem regelrechten Perlmuster überzogen. Es stammt von den weißen Spitzen der sonst dunkelbraunen Federn. Auch der Schnabel ist nun bei Jung- und Altvögeln dunkel. Im Laufe des Herbstes und Winters nutzen sich die Federn ab, werden dunkler und die weißen Punkte verschwinden.

Pünktlich zur neuen Brutsaison schillern die Vögel wieder in elegantem Schwarz mit prächtigen Glanzeffekten.

Der Star ist mit seinen rund 20 Zentimetern größer als ein Spatz und kleiner als eine Amsel. Sein Schnabel ist lang und kräftig.

Verwechslungsgefahr besteht bei einem flüchtigen Blick höchstens mit einem Amselmännchen, denn beide sind schwarz. Doch schnell fallen neben der geringeren Größe des Stars weitere Unterschiede auf: Das Gefieder der Amsel glänzt nicht und hat keine Flecken. Dazu ist ihr Schwanz deutlich länger.

Das häufig erwähnte Unterscheidungsmerkmal, die Amsel bewege sich am Boden hüpfend und der Star laufend fort, stimmt nur bedingt. Zwar läuft der Star ausschließlich, die Amsel jedoch manchmal auch.

Stimme - Der Star ist ein begnadeter Imitator

Wenn der Star dann über uns in den Bäumen sitzt und versucht einem Weibchen zu imponieren, erkennen wir seinen Gesang nicht unbedingt sofort. Statt einer melodischen Abfolge von Tönen gibt der Starenmann eine Reihe von pfeifenden, zischenden, gepressten und schnalzenden Geräuschen von sich. Die Töne sind unterschiedlich laut und sehr variationsreich.

Sein Schnabel bewegt sich dabei nicht viel und er wirkt so fast wie ein Bauchredner. Dies gipfelt in seiner Fähigkeit, andere Vogelstimmen oder Umgebungsgeräusche perfekt zu imitieren und in seinen Gesang einzubauen. So blickt sich mancher in der Stadt nach einer Kohlmeise, Polizeisirene oder sogar einem Handyklingeln um und kann nichts dergleichen entdecken – bis auf einen Star im Baum.

Im Schwarm hält der Star über kurze, schnarrende Rufe Kontakt zu seinen Nachbarn. Wenn ein großer Starenschwarm am Schlafplatz einfliegt, verdichten sich die Rufe tausender Kehlen zu einem lautstarken Schwirren.

Verhalten und Lebensweise

Hat das Starenmännchen den geeigneten Nistplatz gefunden, füllt er die Höhle mit grobem Nistmaterial wie trockenen Blättern, Halmen oder Wurzelresten. Mit gesträubtem Gefieder und leicht abgespreizten Flügeln sitzt er dann oft direkt vor dem Loch und macht mit charakteristischen Lauten seinem Namen alle Ehre. Ist die Höhle vom Weibchen akzeptiert worden, baut sie das neue Heim weiter mit feinerem Pflanzenmaterial aus.

Fünf hellblaue Eier liegen in einem Nest in einem Nistkasten - die Eier des Stares | © Dieter Hopf © Dieter Hopf
Gelege eines Stares: Hellblaue Eier

Wohngebäude oder Stallungen bieten Staren beliebte Brutplätze, so etwa unter den Dachgauben. Selbst Laternen sind als Herberge für die Nester gefragt, wenn sie denn ausreichend große Hohlräume besitzen. Auch Nistkästen bezieht unser Gesangstalent sehr gern, sofern das Einflugloch passt. 

Stare haben keine eigenen Reviere. Vielmehr mögen sie es dort zu brüten, wo sich auch andere Paare niedergelassen haben. Ein Starenpaar verteidigt zwar seinen Brutplatz, aber schon das weitere Umfeld wird gemeinsam zur Nahrungssuche genutzt. Nachdem der Star im März seine Nisthöhle bezogen hat, brütet das Weibchen ab Anfang April.

Aus vier bis sechs weißlich bis hellblau-grünen Eiern schlüpfen nach 12 bis 13 Tagen die Jungen. Wie alle Singvögel sind Starenküken Nesthocker, werden also von den Vogeleltern drei Wochen im Nest gefüttert, bis sie flügge sind, und dann noch maximal vier Tage außerhalb der Behausung. Ende Juli ist die Brutzeit beim Star vorbei.

Der Star auf der Weide

Vier junge Stare sitzen auf dem Rücken von Schafen, die auf einer Weide stehen | © Rolf Thiemann © Rolf Thiemann

Den Flugstil des Stars prägen rasche, kräftige Flügelschläge. Vor der Landung geht er in einen Gleitflug über, bei dem die dreieckige Flügelform gut zu erkennen ist. Oft tippeln die geselligen Vögel in kleinen Gruppen auf kurzrasigen Wiesen und Weiden herum, wo sie gut an Regenwürmer und Bodeninsekten herankommen. Mit ihrem kräftigen Schnabel stechen die findigen Tiere Löcher in den Boden, die sie durch das anschließende Öffnen des Schnabels vergrößern.

Nun spähen sie mit seitlich gerichtetem Blick in das Loch und laufen darum herum, um ihre Beute zu erhaschen. Dieses Verhalten wird „zirkeln“ genannt. Wenn Rinder oder Pferde weiden, sitzen Stare auch gern auf diesen Tieren und freuen sich über Fliegen und Zecken auf deren Haut.

Sind im Frühsommer die ersten Jungvögel ausgeflogen, bilden sich bereits größere Trupps. Kleingärtner und Obstbauern rüsten sich dann, um ihre Kirschbäume vor den hungrigen Staren zu schützen. Denn das verlockende Angebot an Früchten ergänzt nun die tierische Nahrung.

Nahrung - Ein vielseitiger Esser

Star sitzt auf einem Ast, an dem drei Kirschen hängen und hat selbst eine Kirsche im Schnabel | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Im Laufe des Sommers stehen auch viele Früchte und Beeren auf dem Speiseplan

Die Nahrung des Stars ist abhängig von den Jahreszeiten und sehr vielseitig. Im Frühling findet er ausreichend Kleintiere in dem noch lockeren Boden. Vor allem die Jungen sind auf energiereiche Proteine angewiesen, die ihnen emsige Stareneltern in Form von Regenwürmern, Spinnen, Tausendfüßern, Schnecken sowie diversen Insekten wie Schnakenlarven, Käfern oder Heuschrecken anbieten.

Im Laufe des Sommers bereichert immer mehr pflanzliche Nahrung die Starenkost. Verschiedene Früchte und Beeren, aber auch Samen stehen nun auf dem Speiseplan. Je größer die Trupps nach der Brutzeit werden, desto mehr können Gartenbesitzer und Obstbauern „ein Lied davon singen“, wie sehr Stare Kirschen und Weintrauben schätzen. In Rastgebieten an der Küste suchen sie gern im Spülsaum nach Fressbarem.

Einige Stare überwintern bei uns und sind dann auch an Futterstellen zu finden, wo sie vor allem Nüsse sowie Weichfutter vertilgen und gegen andere Vögel verteidigen

Lebensraum - Nicht gerade wählerisch

Star mit Nistmaterial vor Nistkasten | © Ingo Rittscher © Ingo Rittscher

Der Star ist in Deutschland flächendeckend verbreitet. Besonders hohe Dichten gibt es in den Agrarlandschaften Nordsachsens und Sachsen-Anhalts sowie in den Streuobstgebieten in Baden-Württemberg. Nadelholzreiche Waldregionen und die baumarmen Küstengebiete gehören zu den vergleichsweise weniger bevorzugten Einzugsgebieten.

Findet der Star aber künstliche Nistmöglichkeiten, können ihn Vogelfreunde auch zur Brutzeit an der Nord- und Ostseeküste sowie anderen Gewässerufern beobachten. Der ursprüngliche, wohl ideale, Lebensraum unserer Stare in Mitteleuropa befand sich in Randlagen und Lichtungen von Laubwäldern. Heute besiedeln sie viele Gebiete, die vom Menschen landwirtschaftlich genutzt werden.

Zwei Dinge benötigt er zum Glücklichsein: Bäume oder Gebäude mit geeigneten Bruthöhlen und offene Nahrungsflächen mit niedriger Vegetation in maximal 500 Metern Entfernung. Sind diese beiden Grundvoraussetzungen erfüllt, ist er sehr anpassungsfähig.

In der Agrarlandschaft sucht der Star Mähwiesen und abgeerntete Felder zur Nahrungssuche auf. Hier kann er „zirkeln“ und Würmer sowie Insekten aus den vorgepickten Löchern ziehen. Auf beweideten Wiesen findet der gesellige Vogel reichlich vom Mist der Weidetiere angelockte Insekten und Würmer. Mit der Nisthöhlensuche in der näheren Umgebung ist der Star nicht allzu wählerisch. Er bezieht Quartier in Baumgruppen der Feldflur oder in Alleebäumen.

Auch Stallanlagen und andere Einzelgebäude mit entsprechenden Hohlräumen unter der Fassade bieten Platz für den Nestbau. Sein Lieblingsplätzchen aber findet der Star auf einer Streuobstwiese mit alten Obstbäumen oder beweideten Flächen am Boden.

Doch auch in der Stadt ist er gern zuhause. Alter Baumbestand in Parks mit angrenzenden gemähten Liegewiesen erfüllen hier seine Bedürfnisse voll und ganz. Fehlen die Bäume, hat er kein Problem mit dem Nestbau unter einem losen Ziegel oder in einem Nistkasten. Der urbane Star besiedelt neben Parkanlagen auch Friedhöfe, Kleingärten und sogar Innenstädte mit kleineren Rasenflächen wie Sportplätze. Am Stadtrand brütende Stare finden oft beides: Reicht das Grüne nicht aus, bieten Stadtgüter oder Reiterhöfe ausreichend Futter. Beeren tragende Hecken ergänzen ihr Nahrungsangebot.

Versammeln sich Stare lärmend zum Vogelzug ins Winterquartier, bevorzugen sie Schlafplätze in Schilfröhrichten und nutzen tagsüber Stromleitungen zum Ausruhen. Auch flächige dichte Gebüsche, hohe Bäume oder historische Fassaden bieten den großen Schwärmen ausreichend Platz und Schutz.

Verbreitung und Bestand des Stares

Star sitzt am Futterhaus | © Jürgen Skolaude © Jürgen Skolaude

Als singender Begleiter der europäischen Kolonisten und Auswanderer eroberten Stare auch fremde Erdteile mit Erfolg. Sie sind so heute fast auf der ganzen Welt zu Hause – in Nordamerika, Südafrika, Südaustralien und Neuseeland.

Die geselligen Vögel bevorzugen ein gemäßigtes Klima, weshalb man sie von Nordwest- und Westeuropa in einem breiten Gürtel bis in die Steppengebiete Zentralasiens findet. Im Norden Skandinaviens und in Südeuropa werden die ganzjährigen Vorkommen weniger dicht. Die Vorposten bilden Island, die Azoren und Kanaren im Westen.

Abhängig von seinem Lebensort ist der Star ein Standvogel, Teilzieher oder Kurzstreckenzieher. Mitteleuropäische Stare ziehen zum Großteil bis in den südlichen Mittelmeerraum und nach Nordafrika. Andere wichtige Überwinterungsgebiete sind die Regionen an der Atlantikküste Frankreichs und Spaniens, die Beneluxländer und Großbritannien.

Die maximale Zugstrecke liegt bei 2.000 Kilometern. Einige Stare überwintern auch bei uns, der überwiegende Teil dieser Vögel aber stammt aus Skandinavien oder Osteuropa. Doch auch unsere heimischen Stare verzichten vermehrt auf lange Reisen und nehmen schon im Südwesten Deutschlands Winterquartier.

Schleichender Rückgang

Der europäische Starenbestand wird auf 23 bis 56 Millionen Brutpaare geschätzt. Mit 2,8 bis 4,5 Millionen Paaren leben etwa zehn Prozent davon in Deutschland. Und dennoch ist der schillernde Geselle ein typisches Beispiel für den stillen Rückgang unserer „Allerweltsvögel“.

In Niedersachsen hat er es in der Roten Liste der Brutvögel schon auf die Vorwarnliste „geschafft“. Heute brüten etwa eine Million Staren- Paare weniger in Deutschland als noch vor zwanzig Jahren

Star an einer Baumhöhle | © Kurt Metz © Kurt Metz

Das Brutgebiet des Stars vergrößerte sich im 19. Jahrhundert durch die massive Ausweitung der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Seit den 1960-er und 1970-er Jahren setzte jedoch eine Trendwende ein und die Starenbestände nahmen ab.

Mit Beginn der 1990-er Jahre gingen die Brutpaarzahlen mit 36 Prozent weiter erschreckend zurück. Zwar ist der Bestand in städtischen Bereichen momentan recht stabil. Den anhaltenden Gesamtrückgang jedoch hält das nicht auf.

Unserem Star droht seit den letzten zehn Jahren immer noch ein Minus von sechs Prozent, am deutlichsten im Osten unseres Landes. In anderen europäischen Ländern sieht es ganz ähnlich aus. Rückgänge erfolgreicher Bruten und Arealverluste konnten etwa in Finnland, Dänemark oder Polen beobachtet werden.

In Deutschland zeugen erheblich verringerte Zahlen von durchziehenden Starenschwärmen im Sommer und Winter davon.

Gefährdung des Stars

Maisfeld als Monokultur | © Thomas Dürst © Thomas Dürst

Der Speisentisch des Stars leert sich immer mehr. Viehweiden und extensiv genutzte Wiesen gibt es stetig weniger. Rinder und Ziegen fristen den Großteil ihres Lebens in engen Ställen und das Kraftfutter der Kühe kommt oftmals aus dem Ausland.

Die rasche Einsaat des Wintergetreides macht das uns allen so vertraute hochsommerliche Stoppelfeld selten. Auch Beeren tragende Hecken sucht der Star zwischen den Feldern vielerorts vergebens. Biozide und Agrochemikalien vernichten Nahrungsinsekten und die Umweltgifte landen in der Nahrungskette.

Der Star findet immer weniger Bruthöhlen in alten Bäumen. Sie werden in Wäldern geschlagen, weichen städtischen Bauvorhaben oder Verkehrssicherungsmaßnahmen. Auch sanierte Gebäudefassaden bieten ihm keine Brutplätze mehr.

Illegale Verfolgung und schwindender Lebensraum

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Star noch als Vertilger landwirtschaftlicher Schädlinge geschätzt und sogar mit Nistkästen angelockt. Die Kehrseite der Medaille zeigte sich mit Fressschäden im Wein- und Olivenanbau in Südeuropa und der Verschmutzung an Gebäuden. Und der Mensch reagierte.

Bis in die 1980er-Jahre war die Vergiftung von Staren durch Kontaktgifte und Köder sowie Dynamit an Schlafplätzen und der Fang in Winterquartieren weit verbreitet. In Mitteleuropa ging seit 1980 die direkte Verfolgung des Staren dank der EU-Vogelschutzrichtlinie um etwa ein Viertel zurück. In Südeuropa hingegen gelten Abschuss und Fang der Tiere noch immer als hauptsächliche Todesursache.

Hauptgefahren für den Star jedoch sind das Schwinden seiner Nahrungsflächen und der Verlust seiner Brutplätze– insbesondere durch die intensive Landwirtschaft.

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