Update Herbst & Winter 25/26
Wie geht es den Projektvögeln?
© Miguel Gomez
Wir haben nun ein ausführliches Update aller unserer Vögel vorbereitet, in dem wir die letzten Monate Revue passieren lassen - darunter natürlich auch die Entwicklungen der beiden jüngsten. Wir werden zeitgleich mit dieser Veröffentlichung die Senderdaten von Generl und Luisa freischalten.
Die spannende Tendenz die letztes Jahr begann, dass sich mehrere der älteren Projektvögel im Bereich der Berchtesgadener Alpen aufhalten und sich auch mit den Jüngeren zusammenschließen, setzt sich erfreulicherweise in verstärktem Maße weiter fort.
Luisa – Karwendel als neue Heimat
Nach einer arttypischen Entwicklung ihres Flugverhaltens in der Auswilderungsregion führte Luisa wie alle ihrer bisherigen Artgenossen des Projekts ab dem Spätsommer weitere Erkundungsflüge durch. Endgültig verließ sie am 08.09. die Halsgrube – dies stellt das bislang früheste Verlassen der unmittelbaren Auswilderungsumgebung aller im Nationalpark Berchtesgaden ausgewilderten Jungvögel dar. Allerdings verließ sie den Großraum der Berchtesgadener Alpen nicht sofort, sondern hielt sich überwiegend in relativ nahen Bereichen auf: Einerseits in den südwestlichen Hochtälern des Hochkalterstocks (vor allem das Sittersbachtal) sowie am Grenzkamm am Übergang des Wimbachgries zum westlichen Steinernen Meer. Erst am 27.09. verließ sie die Region dauerhaft und flog in südwestliche Richtung über die Hohen Tauern und ab dem Stubai wieder nach Norden ins Karwendel. In den knapp drei Wochen innerhalb des Nationalparks überflog sie die Halsgrube nur noch wenige Male und nutzte kein einziges Mal die Futterplätze.
Nachgewiesenermaßen in Begleitung
© Siegfried Gaugg
Im Falle von Luisa zeigte sich, wie schon bei Nepomuk und Wiggerl, eine zeitweise starke Präferenz für die Südwestseite des Steinernes Meeres, was durch Anwesenheit eines oder beider genannter Bartgeier bewirkt worden sein dürfte. Die Tendenz vieler ihrer Artgenossen zum Aufsuchen des nahegelegenen Alpenhauptkamms ist bisher bis auf einen einzelnen Flug entlang der Tauernkette nicht erkennbar. Vielmehr entwickelte Luisa im Spätherbst 2025 eine deutliche Bevorzugung für das Karwendel und der näheren, umliegenden Gebirgszüge. In den abgelegenen Tälern mit gewaltigen Karen und wenig Infrastruktur scheint sie sich außerordentlich wohlzufühlen.
Nur einmal, Anfang November, kehrte Luisa in einem Direktflug von knapp drei Stunden in den Nationalpark Berchtesgaden zurück. Dort übernachtete sie im Steinernen Meer, verpasste jedoch knapp Nepomuk und Wiggerl, die sich zu der Zeit ganz in der Nähe aufhielten. Am nächsten Tag flog sie übers Tennengebirge und den Dachstein in die Niederen Tauern und später zur Nordseite der Hohen Tauern ins Habachtal, wo sie einige Tage blieb, bevor es sie wieder ins Karwendel zog. Dort wurde sie von unserem Monitoring-Team und anderen Beobachtern mehrfach gesichtet, auch zusammen mit weiteren Bartgeiern, sodass neben dem offenkundigen Vorhandensein eines ausreichenden Nahrungsangebots auch soziale Attraktion ein Grund für das lange Verweilen in einer klar abgegrenzten Region sein könnte. Hierfür braucht es aber noch weitere aussagekräftige Beobachtungen.
Generl - Bisher sehr ortstreu und in Gesellschaft
© Christian Steiger
Generl zeigte, wie in der Vergangenheit schon erwähnt, anfänglich wenig Bereitschaft zur Erforschung anderer Bereiche und zählt zu den bisherigen Projektvögeln mit dem geringsten Entdeckungsdrang. Sie hält sich seit ihrem Erstflug fast ausschließlich im Nationalpark Berchtesgaden und dessen näherer Umgebung auf. Vereinzelte Vorstöße Richtung Westen (Loferer Steinberge), Osten (Tennengebirge) und Süden (Arltal) waren im Vergleich zu den sehr konzentrierten Aufenthalten im Wimbachtal und Steinernen Meer deutliche Ausnahmen. Sie verblieb auch innerhalb des Nationalparks nur an wenigen, nahegelegenen Orten, wie z. B. dem Wimbachgries, kehrte aber immer wieder in die Halsgrube zurück. Dort wurden jedoch im Oktober die Fütterungen allmählich eingestellt.
Ende November flog sie zur Gurrwand am Untersberg und verblieb dort mehrere Tage mit außerordentlich wenig Bewegung. Aufgrund ihres Verhaltens versuchte das Monitoringteam sie dort unter schwierigen Bedingungen (anhaltende, dichte Inversionslage) zu beobachten. Am 03.12. schaffte sie schließlich den Weiterflug und gesellt sich seitdem zu Wiggerl und Nepomuk ins Bluntautal bzw. den Göllstock. Aufgrund der größeren Erfahrenheit der immaturen Männchen dürfte sie z. B. bei der Nahrungssuche erheblich von diesem Kontakt profitieren. Sie verbleibt dort seitdem sehr ortstreu und bewegt sich hauptsächlich innerhalb eines kleinen Bereichs.
© Christian Steiger
Insgesamt verhält sich Generl dennoch völlig arttypisch, findet offenkundig ausreichend Futter und ist, wie oben beschrieben, regelmäßig mit anderen Projektgeiern vergesellschaftet. Entgegen der allgemeinen Annahme, dass sich bei stärkerer Schneelage im Hochwinter und der schwierigeren Auffindbarkeit von Kadavern im Schnee auch Generls Suchraum vergrößert, befliegt sie aktuell nur einen kleinräumigen, aber offensichtlich geeigneten Bereich. Im Betreuungsteam und in Abstimmung mit den Expert:innen von der VCF bestehen keine Sorgen um die Entwicklung dieses Jungvogels. Vielmehr zeigt Generl ein Beispiel für die große Bandbreite an „Charaktereigenschaften“ die im Verhalten des Bartgeiers an sich anzutreffen sind.
Vinzenz - Wieder gut im Leben und in den Berchtesgadener Alpen angekommen
© Silke Moll
Seit dem spektakulären Ausflug an die Nordsee und seiner erneuten Freilassung Ende Juni 2025, blieb Abenteurer Vinzenz zunächst in der unmittelbaren Umgebung des Nationalparks Berchtesgaden und besuchte auch mehrmals die beiden juvenilen Neuankömmlinge in der Halsgrube. Einen ersten zweitägigen Kurztrip über den Dachstein und das Tote Gebirge in den Nationalpark Kalkalpen unternahm er Mitte August. Danach hielt er sich oft im Tennengebirge auf, bevor er in der zweiten Septemberhälfte ins Dachsteinmassiv wechselte, von wo aus er regelmäßig auch die Niederen Tauern beflog.
Nach den ersten Schneefällen im November war Vinzenz teilweise wieder in relativ niedrigen Regionen unterwegs - dabei zeigte er die für Bartgeier ungewöhnliche, für ihn allerdings durchaus charakteristische Eigenschaft, seinen Ruheplatz gern auf Bäumen zu suchen. In Gesellschaft eines Mäusebussards und zwei Krähen sowie eines jungen Steinadlers fühlte er sich offensichtlich durchaus wohl und ließ in Ruhe sein schneebedecktes Gefieder trocknen, bevor er geschickt die Thermik nutzte und in höhere Lagen verschwand.
Teilweise ähnliche Habitatwahl wie Bavaria
© Christian Steiger
Bezüglich der Habitatswahl zeigt er in gewisser Hinsicht ähnliche Verhaltensweisen wie Bavaria – auch Vinzenz hielt sich in den letzten Monaten vorwiegend am Dachstein, Tennengebirge und Blühnbachtal auf. Seit Dezember bleibt er meist für sich am Rand des Nationalpark-Gebiets und trifft nur selten auf die Geiergemeinschaft aus dem Bluntautal. Mit Wiggerl und Generl hat er wenige Male etwas Zeit verbracht, allerdings nur wenn Nepomuk gerade nicht „zu Hause“ war. Datenanalysen weisen eine auffällige Meidung vorwiegend zwischen Vinzenz und Nepomuk auf – falls die beiden sich doch einmal begegnen, währt dies meist nur einige Minuten. Auch als er Ende Januar zwei Tage im vorderen Bluntautal verbrachte, kam es zu keiner Begegnung mit den anderen Bartgeiern, die sich zu der Zeit im oberen Talabschnitt aufhielten. Als Generl allerdings einmal allein war, blieb Vinzenz mehrere Stunden bei ihr oder zog mit Wiggerl um die Gipfel.
Wiggerl
© Tatjana Bosl
Wiggerl, der im März 2025 mit einigen der anderen schon in den Berchtesgadener Alpen (vor allem mit Nepomuk) unterwegs war, hielt sich ab dem späten Frühjahr hauptsächlich in den Hohen Tauern auf - besuchte aber auch das Karwendel sowie die Lechtaler Alpen und flog im Juni sogar für einen Kurztrip über die Schweiz bis nach Frankreich, südlich des Genfer Sees. Obwohl sich seine Flugdistanz über weite Teile des Alpenbogens streckt - ganze 640 km von der Mont-Blanc-Gruppe im Westen bis zum Dachsteingebirge im Osten - hat auch Wiggerl mittlerweile eine Präferenz für die Gegend nahe seiner Heimat entwickelt und erfreut das Bartgeier-Team mit relativ beständiger Anwesenheit und vielen tollen Beobachtungen.
Nach der vermutlichen Auseinandersetzung mit einem Adler im Tauerngebiet, die ihn Ende April für einige Tage wahrhaft außer Gefecht setzte, konnten wir ihn ab Mai des Öfteren mit Recka und anderen Bartgeiern in der Glockner-Region beobachten. Wiggerl verbrachte im Sommer viel Zeit mit Recka und Tarn, einem gleichaltrigen jungen Weibchen aus Frankreich, die sich bis September in den Tälern der Hohen Tauern aufhielt. Die Junggeier trafen sich vor allem von Juni bis August immer wieder in unterschiedlichen Tälern, speziell im Ferleiten- oder Seidlwinkltal auf Salzburger Seite, aber auch in verschiedenen Regionen Kärntens und Osttirols - dabei waren sie mal nur einige Stunden, mal mehrere Tage miteinander unterwegs, bisweilen auch zu dritt oder in Begleitung anderer, Bart-, Mönch- und Gänsegeier. Immer wieder kehrte Wiggerl jedoch nach Berchtesgaden ins Steinerne Meer und gelegentlich sogar in die Halsgrube zurück.
Ein Wildvogel ist seit längerem mit im Bunde
Seit Mitte Oktober bleibt Wiggerl nahezu dauerhaft in Begleitung von Nepomuk und später auch Generl im angrenzenden Nationalpark-Gebiet. Allerdings ist die Dreier-Gruppe nicht allein, vielmehr scheint sich schon länger ein friedliches Vierer-Gespann etabliert zu haben. Abgesehen von Vinzenz, der kaum und wenn nur kurzfristig am „Bartgeier-Hotspot“ vorbeischaut, hält sich dort zudem ein wildgeschlüpfter junger Bartgeier auf – vermutlich derselbe Vogel, der bereits im März und April 2025 sowie im Sommer öfter in der Umgebung gesichtet wurde und im Juli in der Halsgrube zu Besuch war. Dieser Wildvogel wurde seit dem Herbst wieder mehrfach, auch in Gesellschaft unserer ausgewilderten Geier, beobachtet – zuletzt wahrscheinlich Anfang Februar am Jenner zusammen mit Wiggerl und Generl. Mit Spannung erwarten wir die Auswertung einer Genprobe, die möglicherweise von dem unbekannten Bartgeier stammen könnte, um mehr über dessen Herkunft zu erfahren.
Nepomuk - Nun auch stetiger in der alten Heimat
© Christian Steiger
Ähnlich mobil wie Dagmar in den Westalpen zeigte sich 2025 das Flugverhalten des 2023 ausgewilderten Nepomuks in den Ostalpen. Mit enormer Aktivität beflog das junge Männchen im vergangenen Jahr große Gebiete in der Schweiz, Norditalien und Österreich, entwickelte letztlich aber eine starke Bindung an die nähere Umgebung des Nationalparks Berchtesgaden. Nach seiner ausgeprägten Explorationsphase in den letzten Jahren scheint er nun absolut arttypisch das Umfeld der Auswilderungsregion zu bevorzugen.
Nepomuk - Inzwischen Zuhause in den Berchtesgadener Alpen?
© Christian Steiger
Nepomuk ist zudem häufig in der Gesellschaft weiterer Vögel aus dem Auswilderungsprojekt wie Recka (im März 2025 im Blühnbachtal), Generl und Luisa (in der Halsgrube) sowie Wiggerl und Vinzenz (im Steinernen Meer und Bluntautal; siehe oben). Neben längeren Aufenthalten in der Halsgrube zeigte er eine offenkundige Vorliebe für die Südwesthänge des Steinernen Meers nahe Saalfelden. Zentrale Bereiche im Nationalpark östlich des Königssees und vor allem die Südwände des Göllstocks (zusammen mit Generl und Wiggerl) gehören außerdem zu seinen regelmäßigen Aufenthaltsorten. Wie gut die Hälfte aller jungen Bartgeier scheint sich nun also dieses Männchen in der Nähe seiner Herkunftsregion (Elternrevier bzw. Auswilderungsplatz) anzusiedeln, was genau einer erwarteten Verdichtung des Bartgeierbestandes im Umfeld des NP BGD entspricht.
Nepomuk - Häufig zusammen mit Wiggerl
© Jonathan Gehret
Eine außergewöhnlich enge Verbindung zwischen Nepomuk und Wiggerl, die bereits im Frühjahr entstand, setzte sich ab Oktober fort, als beide wieder im Gebiet des Steinernen Meeres aufeinandertrafen. Dort und auch später im nahegelegenen Bluntautal, konnten wir die beiden mehrmals bei gemeinsamen Flügen und an Rastplätzen beobachten. Fliegt der eine los, folgt der andere sogleich zielsicher hinterher - die Junggesellen scheinen beinahe unzertrennlich, was sich anhand der Datenanalysen ebenso gut erkennen lässt. Erfreulicherweise schlossen sie im Dezember zudem Generl in ihre Gemeinschaft ein. Während sich die beiden älteren Bartgeier immer wieder teils auch länger an ihren anderen regionalen Aufenthaltsorten tummeln, ist Generl, wie schon erwähnt, im Gegensatz dazu flugtechnisch deutlich weniger aktiv.
Nepomuk im Flug
© Christian Steiger
Sisi - Die westalpin-affine Reisende wieder in den Allgäuer und Lechtaler Alpen
Ähnlich wie Dagmar wies Sisi im vergangenen Jahr ein auffälliges Aktivitätsmuster auf: Ihre Aufenthaltsräume konzentrierten sich auf drei klar abgrenzbare und jeweils für längere Zeit genutzte Regionen. Zum einen ein Areal im südlichen Mont Blanc-Gebiet, den Berner Alpen in der Schweiz und den Allgäuer Alpen im Osten. In all diesen Regionen dürfte neben der Nahrungsverfügbarkeit die Anwesenheit von Artgenossen ausschlaggebend für die Auswahl der beflogenen Gebiete gewesen sein. Mehrfach wurde sie in Begleitung anderer Bartgeier gesichtet, unter anderem im Vorjahr zusammen mit Dagmar und Vinzenz im Allgäu. Ein schönes Foto, auf dem man sogar einen Rest ihrer Markierung sieht, erreichte uns noch im Oktober aus Frankreich.
Sisi: In Gesellschaft in den Lechtaler Alpen
© Doris Schmid
Auch Sisi lässt im Winter eine deutliche Vorliebe für die Region Lechtal-Allgäu erkennen, wo sie von November 2024 bis Ende Mai 2025 insgesamt 7 Monate verbrachte. Nach ihrem Aufenthalt in der Schweiz zog es sie allerdings noch einmal nach Süden ins französische Tal der Isère, bevor sie erneut ins Lechtal und die Allgäuer Hochalpen zurückkehrte. Während sich Dagmar recht gemächlich von Frankreich bis ins Allgäu bewegte, startete Sisi Mitte November 2025 vom südlichen Lötschental aus zielstrebig nach Nordosten und war am nächsten Tag bereits in Lech und im bayerischen Grenzgebiet unterwegs. Hier traf sie sowohl auf Dagmar als auch die jüngere 2024 ausgewilderte Gaia.
Dem Monitoring-Team vor Ort gelang kürzlich eine Sichtung, um ihren einwandfreien vitalen Status festzustellen. Ende November wechselte Sisi dauerhaft ins nahegelegene Namloser- bzw. Bschlabertal auf österreichischer Seite und bekam dort im Januar 2026 unter anderem einige Tage Besuch von Gaia sowie vermutlich anderen Bartgeiern, die häufiger in der Gegend gesichtet werden.
Dagmar - Ebenfalls aus dem Westen wieder zurück in den Allgäuer und Lechtaler Alpen
© Silke Moll
Im Gegensatz zur gleichaltrigen Recka zeigte Dagmar auch 2025 eine unterschiedliche Entwicklung: Sie verbrachte den Sommer hochmobil in den Westalpen mit Flügen durch Frankreich, der Schweiz und Norditalien. Zwischen dem südwestlichsten Punkt ihrer Flüge im französischen Nationalpark Vanoise und dem nordöstlichsten im Allgäu lagen über 420 km Luftstrecke. Leider bestanden das ganze Jahr über erneut technische Probleme mit Dagmars GPS-Sender, der oft über Wochen hinweg keine Daten lieferte, wodurch ihr jeweiliger Aufenthaltsbereich nicht durchgehend bestimmt werden konnte.
Wie bereits in den vergangenen Jahren bevorzugt sie in den Wintermonaten die Lechtaler und Allgäuer Hochalpen. Dort hielt sie sich bereits im Januar/Februar 2024 sowie von Oktober 2024 bis April 2025 auf und kam, wie erwartet, auch im letzten Oktober nach Bayern in die offensichtlich nahrungsreichen Allgäuer Täler zurück. Im November konnte sie dort vom Monitoring-Team mehrmals in Begleitung eines etwa gleichaltrigen Wildvogels beobachtet werden. Die GPS-Daten zeigen, dass Dagmar in den letzten Monaten außerdem einige Zeit mit Sisi, die sich ebenfalls wieder in der Gegend befindet, und der in der Schweiz ausgewilderten Gaia (2024) verbrachte.
Dagmar - Bildnachweis mit Problemen
© Silke Moll
Die beiden Fotos zeigen vermutlich Dagmar, Mitte November nach einem ausgiebigen Bad im Oytal – dort war sie länger zusammen mit einem zweiten Bartgeier unterwegs, der wahrscheinlich ebenfalls im vierten Lebensjahr sein dürfte. Bei dieser Beobachtung konnten wir allerdings keine eindeutigen Hinweise zur Identität der jeweiligen Vögel erkennen (z. B. Sender oder Ringe) und da die spärlichen GPS-Daten leider ebenso wenig aufschlussreiche Rückschlüsse über die exakte Position von Dagmar zulassen, kann dies nicht mit Sicherheit belegt werden. Auch Dagmars Markierungen sind mittlerweile verschwunden, weshalb lediglich der Status ihres Gefieders einen Anhaltspunkt gibt. Ihr Gesicht ist hellbraun, die Kopf- und Nackenfedern schon „blond“ gefärbt - gut zu sehen auf dem zweiten Bild, wo sie sich die Brust putzt.
Oder handelt es sich um ihre gleichaltrige Begleitung?
© Petra Schad
Alternativ könnte letztlich der andere gleichaltrige Bartgeier Dagmar sein. Kürzlich erreichten uns aktuelle Fotos einer aufmerksamen Beobachterin, die erfreulicherweise den im November beobachteten Bartgeier zeigen. Dieser hat in der linken Armschwinge körpernah eine einzelne auffällig abstehende Feder (s. unten) und bereits ein fast weißes Gesicht, dagegen aber noch sehr dunkle Kopf- und Nackenfedern.
Dagmar: Weitere Beobachtungen und Bildnachweise sind nötig
Da sich seit Monaten nachweislich mehrere verschiedene Wildvögel im Allgäu aufhalten, sind wir aufgrund der fehlenden Markierungen und häufigerem Ausfall der technischen Daten nun umso mehr auf die Mithilfe von Beobachtern vor Ort angewiesen, um das Rätsel von Dagmar zu lösen.
Recka - Etabliert in den Hohen Tauern
© P. Rauscher
Die relativ standorttreue Recka hielt sich auch 2025 vorwiegend in ihrem Hauptaufenthaltsgebiet im Nationalpark Hohe Tauern auf – jedoch befliegt sie dort im Bereich Osttirol-Kärnten zwischen Glockner-Gruppe, Heiligenblut und Tauerntal leicht bis zu zwanzig verschiedene Täler, was die Suche nach ihr unter Umständen sehr schwierig gestaltete – besonders da ihr Sender seit dem Frühsommer erhebliche Probleme in der Datenübertragung zeigte. Mit zunehmender Mauser verschwanden auch die gebleichten Federn und nicht nur einmal überraschte sie das Monitoring-Team durch ihre erstaunlich schnell voranschreitende Gefiederentwicklung.
Recka: Voranschreitende Gefiederentwicklung
Während Reckas Aufenthalt im Tennen- und Hagengebirge bis Anfang April 2025 waren ihre Markierungen in der linken Schwinge und Flügelspitze noch sehr gut zu erkennen, doch schon Mitte Mai waren fast alle Markierungen und Mauserlücken verschwunden. Bis August war sie meist im Salzburger Ferleitental sowie in Kärnten nahe Heiligenblut unterwegs - wie erwähnt oft in Begleitung von Wiggerl oder Tarn. Glücklicherweise konnten wir sie im Sommer einige Male in der Glockner-Region beobachten, wie sie zusammen mit Gänsegeiern und Adlern kreiste - ab und an in ein Gerangel mit den jungen Adlern verstrickt - oder über unseren Köpfen durch die Täler streifte. Oft mussten wir zunächst die GPS-Daten vergleichen, um sicher zu sein, dass es sich tatsächlich um Recka handelt, so rasant wie sie sich verändert. Ein hervorragendes Foto von ihr lässt bereits im Juli die hellere Gesichts- und Brustpartie erkennen, die Armschwingen sind größtenteils schon gemausert, einzelne ältere längere Federn heben sich deutlich ab. An der linken Flügelspitze ist noch zaghaft eine verbliebene Markierung zu sehen.
Recka: Schnelle Veränderung des Gefieders
© Michael Lang
Beim Vergleich der aktuellen Fotos von Dezember 2025 und Januar/Februar 2026 – sind die Veränderungen sehr markant. Kopf und Brust sind farblich nahezu adult im typisch orange-roten Ton, auch sind nur noch vier bzw. fünf der ursprünglich längeren Federn in den Armschwingen verblieben. Die letzte Markierung an der linken Flügelspitze belegt ihre Identität - mittlerweile hat sich die junge Recka im wahrsten Sinn zu einem wunderschönen subadulten Bartgeier gemausert.
Seit September schickt ihr Sender aufgrund extrem niedriger Akkustände und technischer Schwierigkeiten allerdings nur noch sehr selten einige Daten aus ihrem altangestammten Gebiet. Das Monitoring-Team verfolgt die Situation weiterhin kontinuierlich, um ihre sukzessive Entwicklung zu dokumentieren.
Aufgrund einer sensiblen Situation in einem Bereich, in dem sie sich desöfteren herumtreibt, wurde in Absprache mit dem Nationalpark Hohe Tauern ihre GPS-Karte vor einigen Monaten zurückgesetzt. Wir beobachten sie weiterhin aufmerksam und werden zu gegebener Zeit die Karte wieder freigeben.
Recka ganz aktuell
© Michael Lang
Bavaria - Zusammenfassung der Erkenntnisse
Bavaria ist seit dem Frühling 2025 noch immer spurlos verschwunden. Seit sie im Frühjahr 2024 vom benachbarten Tennengebirge ins Blühnbachtal wechselte, hatte sie die Region nur noch zu einzelnen Gelegenheiten sehr kurzzeitig verlassen. (Wie Nachforschungen ergaben, handelte es sich dabei mutmaßlich um Ausweichmanöver, sobald andere immature Bartgeier aus dem Projekt in ihr etabliertes Territorium eindrangen). Somit zeigte sie, was die Stetigkeit ihres Aufenthaltsortes betrifft, ein typisches Verhalten für ihr Alter und schien im Blühnbachtal sesshaft geworden zu sein.
Am 11.03.2025, ihrem 4. Geburtstag und dem Beginn des 5. Lebensjahres, konnte das Monitoring-Team sie dort zuletzt erfolgreich beobachten - sie zeigte sich vital und kreiste mit dem örtlichen Steinadlerpaar. Wenige Tage später erreichte uns die bis dato letzte (unvollständige) GPS-Meldung, ebenfalls aus dem Blühnbachtal. Nachdem in den darauffolgenden Wochen keine Senderpositionen mehr übermittelt werden konnten und mehrere Monitoringversuche erfolglos blieben, konnte Anfang Juni über die Bergwacht ein Suchgerät ausgeliehen werden, mit dem man auch ausgeschaltete elektronische Geräte aufspüren kann. Dafür muss man sich allerdings relativ nahe (wenige Meter) an dem Objekt befinden. Ein Suchteam ist mit diesem Gerät den letzten Sendepunkt sowie auch die weitere Umgebung engmaschig abgelaufen und konnte keinerlei Hinweise auf den Sender entdecken. Da mit dem unvollständigen Sendepunkt leider keine Informationen über die Höhenlage übermittelt wurden, ist eine Position im Flug in größerer Höhe über den Koordinaten am Boden rechnerisch wahrscheinlicher.
Mitte September wurde noch eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der verstärkt zu Bartgeiersichtungen, speziell in Bezug auf Bavaria aufgerufen wurde. Leider ergab bisher keine der eingehenden Sichtungsmeldungen von Bartgeiern einen Hinweis auf Bavaria. Mit einem Verlust der Nachvollziehbarkeit der Aufenthaltsorte oder Identität von Projektvögeln muss natürlich in gewisser Weise gerechnet werden, v. a. durch ein mögliches Herabfallen des Senders und wenn bis dahin bei dem jeweiligen Tier noch keine Revieretablierung stattgefunden hat. Es bleibt dann nur mehr der genetische Nachweis (durch Analyse eines Federfunds) oder ein hochwertiges Foto, das die schwierig zu erkennende Ringcodierung zeigt. Beides sind allerdings keine einfachen, alltäglichen Möglichkeiten. Nachrichten aus der Vergangenheit, aber auch ganz aktuell zeigen jedoch, dass Individuen auch nach vielen Jahren so „wiedergefunden“ werden konnten. Deshalb bleiben wir weiter auf der Suche und hoffnungsvoll, dass vielleicht auch Bavaria irgendwann wieder auftaucht.
Silke Moll & David Schuhwerk
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von David Schuhwerk,