Mehrere Gänsegeier auf Erkundungstour durch Bayern
Beeindruckende Greifvögel aktuell an mindestens fünf Orten im Freistaat zu beobachten – Tragischer Tod eines Gänsegeiers im Unterallgäu
Vom LBV im Jahr 2017 noch als absolute Seltenheit eingeordnet, ist es mittlerweile zu einem immer häufigeren Naturphänomen geworden: Kreisende Gänsegeier über Bayern. Aktuell lassen sich die beeindruckenden Greifvögel mit etwas Glück an mindestens fünf verschiedenen Orten im Freistaat beobachten. So wurden uns in den vergangen Tagen Sichtungen bei Bayreuth, im Oberallgäu, im Landkreis Fürstenfeldbruck, am Ammersee und im Karwendelgebirge bei Mittenwald gemeldet. Außerdem flog ein besenderter Gänsegeier, der mittlerweile wieder in den Alpen ist, am Samstag über Mittelfranken hinweg. „Bayern erhält derzeit hohen Besuch von jungen Gänsegeiern aus Südeuropa, die auf ausgedehnten Erkundungstouren im Freistaat unterwegs sind“, erklärt LBV-Geierexperte Toni Wegscheider. Bei aller Freude über die spektakulären Besucher kam ein Vogel am Sonntag im Unterallgäu leider ums Leben.
Die Vögel stammen höchstwahrscheinlich aus dem Friaul, Kroatien oder Südost-Frankreich. Da Gänsegeier erst ab einem Alter von fünf bis sechs Jahren brüten, haben die Junggeier vorher viel Zeit, Erfahrungen zu sammeln und die Welt zu erkunden. „Dass der Einflug im späten Frühling erfolgt, ist kein Zufall. Geiereltern müssen jetzt ihren aktuellen Nachwuchs versorgen, da bleibt in der Hierarchie am Futterplatz für die Halbwüchsigen wenig übrig. Sie verlassen daher die angestammten Gebiete und fliegen dabei im Extremfall auch bis zu uns“, so Wegscheider weiter.
© LBV
Die Geier suchen in Bayern nach Nahrung, aber nicht nach neuen Revieren. In wenigen Tagen oder Wochen werden die Gänsegeier weiterziehen und so plötzlich wieder verschwinden, wie sie gekommen sind. Pro Tag legen sie mühelos 300 bis 400 Kilometer zurück. „Anhand des typischen nackten Geierhalses können auch Laien die Vögel recht gut erkennen“, weiß der LBV-Geierexperte. Wer einen Geier beobachtet, kann diesen am besten mit Datum, Uhrzeit, Foto und möglichst genauem Standort dem LBV melden unter: geiermeldung@lbv.de.
Toter Gänsegeier im Unterallgäu
© Peter Bria
Doch die in Zukunft in Bayern wohl immer häufiger auftretenden Gänsegeier sind bei uns auch tödlichen Gefahren ausgesetzt. Fressen sie mit Bleimunition belastetes Aas, so führen die Schwermetalle zu einer tödlichen Bleivergiftung. Auf diese Weise starb erst im Vorjahr ein Gänsegeier im Unterallgäu, 2022 ereilte das gleiche Schicksal einen Geier im Landkreis Starnberg. Am vergangenen Sonntag entdeckte nun eine Spaziergängerin südlich von Warmisried bei Mindelheim einen weiteren toten Gänsegeier, diesmal in der Nähe einer Windkraftanlage. Im Anschluss wurde unter anderem der LBV-Kreisvorsitzende Leo Rasch informiert. „Offensichtlich wurden dem Vogel beim Durchflug der Windkraftanlage die Beine und der Steiß abgeschlagen. Die massiven Verletzungen müssen dazu geführt haben, dass der Geier sofort abgestürzt und gestorben ist “, erklärt Rasch. „Neben Bleivergiftungen stellen auch ungesicherte Windräder ein tödliches Risiko für Gänsegeier dar. Wir fordern deshalb bessere Schutzmaßnahmen für Greifvögel an Windrädern, mitunter auch an bestehenden Anlagen“, so der LBV-Vorsitzende der Kreisgruppe Unterallgäu.
Hintergrund
© Henning Werth
Das europäische Hauptvorkommen des Gänsegeiers liegt in Spanien, wo mit rund 20.000 Brutpaaren über 90 Prozent seines Bestands lebt. Während der Sommermonate halten sich die Jungvögel aber auch fernab ihrer Brutgebiete auf. Mit einem Gewicht von sechs bis elf Kilogramm und einer Flügelspannweite von bis zu 2,70 Meter sind Gänsegeier größer als See- und Steinadler und fast doppelt so groß wie Bussarde und Milane. Sie kommen ohne weiteres drei bis vier Wochen ohne Nahrung aus.
von Franziska Back | lbv.de,