Warum die Heckenschere bis Oktober Pause hat
LBV rät zu Geduld beim Heckenschnitt: Jungvögel brauchen jetzt noch Schutz und Ruhe
Vor dem nächsten Grillabend oder dem Sommerfest möchten so manche bayerische Gartenbesitzende ihre Hecken noch in Form bringen. Doch wer zu schnell und unbedacht schneidet, erlebt mitunter eine traurige Überraschung: Amselküken, die im Dickicht der Hecke auf ihre Vogeleltern warten, sind nach dem Schnitt ungeschützt der Witterung ausgesetzt oder werden in kürzester Zeit von einem Nesträuber gefressen. Damit das nicht passiert, bittet der LBV alle Gärtnerinnen und Gärtner um Geduld.
"Auch jetzt im August brüten manche Singvögel wie Amsel, Rotkehlchen und Zaunkönig noch im Schutz des dichten Laubes in Gärten, Friedhöfen und Parks. Wer mit dem Heckenschnitt wartet, gibt den Jungvögeln die Chance, geschützt aufzuwachsen und bald selbstständig durch den Garten zu fliegen“, sagt die LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson. Erst ab dem 1. Oktober, wenn auch die letzten Jungvögel sicher ausgeflogen sind, dürfen Hecken und Bäume laut Bundesnaturschutzgesetz wieder kräftig zurückgeschnitten werden.
Der LBV erhält aktuell wieder Anrufe von Bürgerinnen und Bürger, die zum Teil radikale Heckenschnitte während der Brutzeit der bayerischen Gartenvögel melden. Die Besorgten berichten immer wieder von tot aufgefundenen Jungvögeln unter frisch gestutzten Hecken. "Schonende Form- oder Zuwachsschnitte an Hecken sind zurzeit erlaubt. Aber auch dabei sollte man vorher genau prüfen, ob fütternde Vogeleltern im Gebüsch ein und aus fliegen oder laut rufen, wenn man sich der Hecke nähert. Das deutet darauf hin, dass Jungvögel im Dickicht sitzen", so die LBV-Biologin.
Jede und jeder ist gesetzlich verpflichtet, beim Heckenschnitt darauf zu achten, dass Vögel und andere Wildtiere nicht mutwillig gestört und ihre Lebensstätten nicht zerstört werden. "Oft genügt es, einzelne Äste, die weit in den Weg ragen, abzuschneiden. Einen radikalen Schnitt, wie das auf den Stock setzen, sollte man erst am Ende der Wachstumsperiode im Oktober vornehmen", empfiehlt Nelson.
Mehr Hecken, mehr Vielfalt
Gerade in Städten und Siedlungen verschwinden immer mehr dichte Sträucher, Hecken und Bäume. Werden die verbleibenden Rückzugsorte während der Brutzeit stark geschnitten, fehlen vielen Vögeln sichere Plätze für die Aufzucht ihres Nachwuchses.
Manche Singvögel brüten im Sommer ein zweites oder drittes Mal und werden durch einen zu frühen Heckenschnitt erheblich gestört. Auch aus botanischer Sicht ist Geduld gefragt. Oft erleben die Pflanzen einen zweiten Wachstumsschub. „Dichte Hecken bieten nicht nur Vögeln Schutz. Sie spenden Schatten und sorgen durch die Verdunstung ihrer Blätter an heißen Tagen für angenehmere Temperaturen rund um Haus und Garten“, ergänzt die Biologin.
Hintergrund
Nach § 39 Abs. 5 Bundesnaturschutzgesetz dürfen Bäume außerhalb des Waldes, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September nicht geschnitten, auf den Stock gesetzt oder beseitigt werden; zulässig sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Entfernung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung der Bäume.