Lebensraum Hecke

Heimat für den Star und viele weitere Bewohner

Vogelfreundliche Hecken liefern nicht nur Nahrung für den Star und andere Vögel. In unseren Gärten kann eine lebendige Hecke Zuflucht und Heimat für unzählige Tiere und Pflanzen sein.

Amselweibchen in einer Hecke mit Beeren | © Rosl Rößner © Rosl Rößner
Amselweibchen in einem Beerenstrauch

Ein Holunderbusch Mitte August: ungefähr 30 Stare lärmen und flattern wild darin. Sie haben die gerade dunkel werdenden Beeren entdeckt und fressen sich satt. Ein beeindruckendes Schauspiel. Doch überall dort, wo in unseren Gärten vor allem die scheinbar „pflegeleichten“ Formschnitthecken wachsen, sind derartige Beobachtungen gar nicht erst möglich. Egal ob Fichten-, Liguster-, Thuja- oder neuerdings Kirschlorbeerhecken – sie alle sind faktisch Monokulturen ohne ökologischen Wert

Mittlerweile ist zumindest im Siedlungsraum das Bewusstsein für eine naturnahe Gartengestaltung gewachsen und damit auch für die Pflanzung frei wachsender sogenannter Vogelschutzhecken. Diese setzen sich aus heimischen Gehölzen zusammen, die einen reichen Blütenflor im Frühjahr und verschiedene Wildfrüchte und Beeren von Frühsommer bis Spätherbst bieten.

Viele Sträucher sind mit Dornen oder Stacheln (z.B. Wildrosen, Weißdorn, Schlehe) bewehrt und sind so ideale Nist-, Schlaf- und Ruheplätze für Vögel, die hier selbst vor streunenden Katzen sicher sind. Die Blüten und Blätter ernähren zugleich zahlreiche Insekten, die den Vögeln, aber auch Kleinsäugern und Amphibien als Nahrung dienen.

Unterwuchs statt Rindenmulch

Totholz liegt im Garten, dahinter ein naturnaher Gartenteich und eine Terrasse | © Birgit Helbig © Birgit Helbig
Totholz und Staudenschnitt locken viele Bodenlebewesen an, die z.B. Nahrung für Igel sind

Treiben, sofern Sie für naturgerechte Verhältnisse sorgen: Anstatt unter den Büschen Unkraut zu jäten und Rindenmulch zu verteilen, sollten Sie einen Heckensaum aus heimischen Pflanzen schaffen. Neben Himbeeren und Johannisbeeren können hier Walderdbeeren, Gräser, aber auch Blühstauden wie Wald-Storchschnabel, Klebriger Salbei oder Frauenmantel gedeihen. Untersaaten mit Mondviole oder Seifenkraut schließen die letzten Lücken.

Zwiebelblüher nutzen das Licht, bevor die Blätter austreiben, und können mit der Zeit dichte Bestände bilden. Schneeglöckchen, Blausternchen oder Winterlinge suchen sich den Weg durch das Laub, das im Winter unter der Hecke liegen bleiben darf. Zu Haufen geschichtet, bietet es Überwinterungsmöglichkeiten für Igel oder Erdkröten. Im Mulm des langsam verrottenden Materiales finden sich unzählige Käfer, Engerlinge, Asseln und Würmer, die gleichfalls als Nahrung dienen.

Unter der Hecke aufgeschichtete Steine, zu Haufen oder Wällen abgelegtes Totholz, Staudenschnitt und anderes organisches Material bereichern die Vielfalt zusätzlich. Da zahlreiche Organismen ständig mit dessen Abbau beschäftigt sind, können Sie immer wieder nachlegen. So entsteht mit der Zeit ein besonders wertvoller Lebensraum aus feuchtem Mulm, halb verrotteten und an der Oberfläche eher trockenem Material, wie es in der ausgeräumten freien Landschaft kaum mehr vorkommt. Hier finden Vögel wie die Amsel im Winter noch den einen oder anderen Happen, selbst wenn der Boden gefroren ist.

Leckerbissen und Notration

Bei Star und Co. begehrte Wildfrüchte wie Vogel- und Holunderbeeren, die Früchte der Felsenbirne, Kornel- und Vogelkirsche oder Wildäpfel werden vom neuen Vogel des Jahres im Jahresverlauf sofort zur Reifezeit „abgeerntet“. Hagebutten und Weißdornbeeren oder auch die Beeren des Efeus, die sonst nur zögerlich gefressen werden, dienen hingegen den überwinternden Arten in harten Wintern als besonders wertvolle „Notreserve“, wenn sonst nichts mehr zu finden ist. In Jahren mit Einflügen des Seidenschwanzes können Sie die prachtvollen Vögel oft daran beobachten.

Das gehört in ein vielfältiges Heckenbiotop:

Gehölze (Auswahl):

  • Eberesche (Sorbus aucuparia)
  • Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)
  • Hagebutten tragende Wildrosen (Rosa spec.)
  • Zweigriffeliger Weißdorn (Crataegus laevigata)
  • Berberitze (Berberis vulgaris)
  • Holzapfel (Malus silvestris)

Vor-/Unterpflanzung Beeren (Auswahl):

  • Himbeere (Rubus idaeus) bildet Ausläufer
  • Walderdbeere (Fragaria vesca) guter Bodendecker

Vor-/Unterpflanzung Blühstauden (Auswahl):

  • Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum)
  • Hohler Lerchensporn (Corydalis cava)
  • Mehrjähriges Silberblatt/Mondviole (Lunaria rediviva)
  • Nieswurz in Arten (Helleborus ssp.)
  • Klebriger Salbei (Salvia glutinosa)
  • Hohe (Wald-) Schlüsselblume (Primula elatior

Vor-/Unterpflanzung Blattstauden (Auswahl):

  • Tüpfelfarn (Polypodium vulgare)
  • Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium)
  • Schattensegge (Carex umbrosa)
  • Efeu (Hedera helix) neigt zum Wuchern

Weitere mögliche Bestandteile:

  • Laubhaufen
  • Wurzelstöcke, Reisig, Astschnitt und Staudenschnitt
  • Lesesteinhaufen oder kleine Mauern mit zugänglichen Hohlräumen
  • Rasenschnitt (vorher getrocknet, damit er nicht fault)
  • Ziegelbruch / Blumentöpfe als Unterschlupf u.v.m.

Gehölzschnitt nicht während der Brutzeit

Obstbaumschnitt | © J. Römheld © J. Römheld
Schnitt nicht in der Brutzeit

Vermeiden Sie es unbedingt, während der Brutzeit Ihre Hecke zu schneiden. Selbst wenn das Nest dabei nicht zerstört wird, kann die Störung zu einer Aufgabe des Geleges führen. Im schlimmsten Fall verhungern dann die bereits geschlüpften Jungvögel.

Ohnehin dürfen an Hecken laut Bundesnaturschutzgesetz zwischen dem 1. März und Ende September nur die Triebe des laufenden Jahres entfernt werden, aber auch dann muss die Hecke vorher unbedingt auf brütende Vögel kontrolliert werden.

Das Schnittgut sollten Sie nicht häckseln, sondern möglichst zu Reisighaufen aufschichten. Hier finden viele Arten einen sicheren Schlafplatz und z.B. Rotkehlchen und Zaunkönig nisten hier.

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