Hoffnungsschimmer: LBV entdeckt so viele Nester bedrohter Wiesenvögel wie noch nie
Wärmebilddrohnen helfen beim Schutz von Brachvogel und Uferschnepfe – Vögel der Feuchtwiesen nach wie vor vom Aussterben bedroht
Sie brüten am Boden, mögen es feucht und sind vom Aussterben bedroht: Der Brachvogel und die Uferschnepfe gehören zu den seltensten Brutvögeln Bayerns. In Wiesen und Feuchtgebieten liegen ihre Nester und Eier gut getarnt am Boden. Doch dort sind sie nicht immer sicher: Störungen durch Mensch und Hund, landwirtschaftliche Maschinen sowie Fressfeinde können ihnen gefährlich werden. Seit vielen Jahren setzt sich der LBV deshalb in verschiedenen Gebieten Bayerns für diese sensiblen Vogelarten ein. In diesem Jahr zeigt sich ein erster Lichtblick: Mit Hilfe moderner Wärmebilddrohnen konnten die Naturschützerinnen und Naturschützer jetzt deutlich mehr Nester bedrohter Wiesenbrüter finden als noch vor wenigen Jahren. „Dank der Wärmebildtechnik finden wir inzwischen so viele Nester wie nie zuvor. Das ist ein enorm wichtiger Fortschritt für den Schutz unserer Wiesenbrüter“, sagt Verena Rupprecht, Leiterin des Fachbereichs Wiesenbrüter im LBV. „Jedes entdeckte Nest bedeutet eine höhere Chance, dass die Jungvögel erfolgreich flügge werden.“ Eine Entwarnung für die grundsätzliche, prekäre Situation der Vögel der Feuchtwiesen kann der LBV hier jedoch nicht geben.
© Rosl Roessner
Im April und Anfang Mai investieren unseren Mitarbeitende und Ehrenamtliche n sowie Partner vor Ort viel Zeit in die Suche nach den gut versteckten Bodennestern. Die Wärmebilddrohnen ermöglichen eine besonders effiziente Suche, ohne die Vögel dabei zu stören. Die Drohnen fliegen dabei möglichst hoch – teilweise bis zu 100 Meter über dem Boden – und können Nester dennoch sicher erkennen. Werden diese gefunden, können sie gezielt geschützt werden – etwa durch Elektrozäune gegen Fressfeinde oder durch eine angepasste Bewirtschaftung gemeinsam mit den Landwirten. „Die gute Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftern ist für den Schutz der Wiesenbrüter absolut entscheidend. Wir sind sehr froh, dass das in vielen Gebieten hervorragend funktioniert“, sagt LBV-Biologin Verena Rupprecht. Der Einsatz von Drohnen in Wiesenbrütergebieten ist streng geregelt und nur mit Genehmigung erlaubt. Der LBV verfügt über die entsprechenden Genehmigungen und achtet bei allen Einsätzen besonders darauf, die Tiere nicht zu stören.
© Heinz Tuschl
Die Naturschützerinnen und Naturschützer vermelden aktuell besonders erfreuliche Zahlen aus mehreren bayerischen Projektgebieten: Im mittelfränkischen Altmühltal konnten in diesem Jahr sogar 40 Brachvogelnester gefunden und geschützt werden. Zusätzlich brüten dort aktuell vier Paare der Uferschnepfe. „Viele der Nester wären ohne die Wärmebilddrohne kaum zu finden gewesen“, sagt Christoph Beckenbauer, LBV-Gebietsbetreuer Altmühlfranken. „Dass wir nun so viele Gelege schützen können, gibt Hoffnung für die kommenden Jahre.“
Auch im Donautal zwischen Regensburg und Deggendorf lief die Saison mit 26 gefundenen Nestern des Brachvogels bislang erfolgreich. Zudem konnte die dortige Gebietsbetreuung erstmals ein Nest der Uferschnepfe im Vorland der Donau nachweisen. Im Donaumoos, dem ehemals größten bayerischen Niedermoor, wurden bereits im Winter umfangreiche Maßnahmen umgesetzt, um den Lebensraum dieser Vögel zu verbessern. So wurden extra Flachwassermulden angelegt, in denen die Vögel Nahrung wie Insektenlarven und Wasser finden. In dem Gebiet konnten bislang elf Brachvogelnester gefunden und geschützt werden. Zudem gibt es erstmals Brutverdacht bei der Uferschnepfe. Auch aus den Loisach-Kochelsee-Mooren (Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau) gibt es positive Nachrichten: Obwohl in dem Gebiet nur sechs Brachvogelpaare brüten, konnten mithilfe der Wärmebilddrohne fünf Nester gefunden und geschützt werden. Zusätzlich errichtete der LBV erstmals einen großräumigen Schutzzaun für Brachvogel und Braunkehlchen.
© Florian Prestl
Die Situation der Wiesenbrüter bleibt dennoch äußerst kritisch. Besonders dramatisch ist die Lage der Uferschnepfe: Aktuell brüten nur noch etwa 15 bis 16 Brutpaare in ganz Bayern, verteilt auf lediglich vier Gebiete. Studien zeigen, dass vor allem der mangelnde Bruterfolg die Bestände der Vögel der Feuchtwiesen begrenzt. Umso wichtiger ist es, möglichst viele Gelege und Jungvögel erfolgreich zu schützen. „Die Drohnentechnik allein wird die Arten nicht retten“, sagt Verena Rupprecht. „Aber sie ist inzwischen ein unverzichtbares Werkzeug geworden, um Schutzmaßnahmen gezielt und wirksam umzusetzen.“
Axel Kelm
Rücksicht für Bayerns Wiesenbrüter nehmen
Gerade jetzt, im Mai und Juni, beginnt für die bedrohten Arten die sensibelste Phase des Jahres: Die Jungvögel schlüpfen aktuell und verbringen anschließend mehrere Wochen noch flugunfähig in den Wiesen. Ob eine Brutsaison erfolgreich war, wird sich deshalb erst im Juli zeigen. Der LBV bittet deshalb Besucherinnen und Besucher der Wiesenbrütergebiete in den kommenden Wochen besonders um Rücksicht: Hunde sollten unbedingt angeleint bleiben, Wege nicht verlassen und sensible Bereiche gemieden werden. So kann jede und jeder seinen Beitrag für den Artenschutz leisten.
von Stefanie Bernhardt | lbv.de,