Das große Wiedersehen: Frühling bringt viele Zugvögel zurück nach Bayern

Mit den deutlich länger werdenden Tagen und steigenden Temperaturen beginnt eines der beeindruckendsten Naturschauspiele des Jahres: Millionen Zugvögel kehren derzeit aus ihren Winterquartieren im Süden nach Bayern zurück. Zunächst machen sich die Kurzstreckenzieher auf den Weg, später folgen die Langstreckenzieher aus Afrika. „Der Frühling ist akustisch längst da: Amseln, Meisen und Rotkehlchen lassen bereits ihre Reviergesänge hören. Doch mit der Rückkehr der Zugvögel füllen sich Wälder, Wiesen und Siedlungen nun Tag für Tag mit noch mehr Gesang“, sagt die LBV-Vogelexpertin Dr. Angelika Nelson. Mit fünf Fakten geben wir Einblicke in den faszinierenden Vogelzug im Frühjahr.

Star | © Manfred Schalk © Manfred Schalk
Stare gehören zu den ersten Rückkehrern im Jahr. Schon seit einigen Wochen machen sie mit auffälligen Gesängen auf sich aufmerksam.

Wer kommt zuerst – und wer zuletzt?

Zu den ersten Rückkehrern zählen typische Kurzstreckenzieher wie Star, Zilpzalp, Mönchsgrasmücke und Bachstelze. Sie haben den Winter meist im Mittelmeerraum verbracht. „Die Stare machen schon seit einigen Wochen mit ihren auffälligen Gesängen auf sich aufmerksam. Als wahre Stimmkünstler imitieren sie die Rufe anderer Vogelarten und sogar verschiedene Alltagsgeräusche“, erklärt Angelika Nelson. Erst später treffen die Langstreckenzieher wie Gartenrotschwanz oder Rohrsänger ein, die südlich der Sahara überwintert haben. Einige Arten wie Nachtigall, Mauersegler oder Ziegenmelker kommen erst Ende April oder Anfang Mai an. „Je weiter das Winterquartier entfernt liegt, desto später kehren die Vögel zurück.“

Stroch | © Manfred Schalk © Manfred Schalk
Bis zu 10.000 Kilometer legen Weißströche auf einfacher Strecke zurück.

Nacht- oder Tagflug?

Der Großteil der Singvögel reist nachts. „Im Schutz der Dunkelheit sind sie vor tagaktiven Greifvögeln geschützt und profitieren von kühleren Temperaturen“, weiß die LBV-Vogelexpertin. Größere Vögel wie Störche und Kraniche hingegen nutzen tagsüber die Thermik, um energiesparend zu gleiten. Charakteristisch sind dabei ihre V-Formationen. Durch den Flug in Reihen verringert sich der Luftwiderstand für den einzelnen. Das spart Kraft für die oft tausende Kilometer lange Reise.

Wer hat den weitesten Weg?

Zu den beeindruckendsten Langstreckenziehern, die in Bayern brüten, zählen Fischadler, Weißstorch und Mauersegler. Manche bayerischen Vögel ziehen bis nach Südafrika – bis zu 10.000 Kilometer einfache Strecke. „Dass diese Vögel jedes Jahr tausende Kilometer zwischen ihren Brutgebieten in Bayern und den Winterquartieren zurücklegen und dann punktgenau an denselben Ort zurückfinden, gehört zu den erstaunlichsten Leistungen im Tierreich“, sagt die LBV-Vogelexpertin Angelika Nelson.

Mauersegler | © Josef Baumgartner © Josef Baumgartner
Der Mauersegler verbringt fast sein ganzes Leben in der Luft.

Wer fliegt am längsten ohne Pause?

Als Ausdauer-Champion gilt der Mauersegler. Er überwintert im südlichen bis südöstlichen Afrika und ist nahezu permanent in der Luft. Selbst Schlaf und Paarung finden im Flug statt. „Der Mauersegler ist mit seiner sichelförmigen Flügelform und den kurzen Beinen perfekt an ein Leben in der Luft angepasst. Er berührt außerhalb der Brutzeit kaum festen Boden“, erklärt Nelson.

Wo legen Zugvögel Rast ein?

Nicht alle Vögel schaffen die lange Reise ohne Zwischenstopp. Entscheidend sind daher Rastgebiete, wo sie ihre Energiereserven auftanken können. Zu den wichtigen Rastplätzen in Bayern zählen der Ismaninger Speichersee, der Altmühlsee sowie das Donaumoos. „An Tagen mit günstigen Rückenwinden und stabilen Hochdrucklagen kann es zu regelrechten Zugwellen kommen, bei denen besonders viele Vögel gleichzeitig unterwegs sind“, so die LBV-Biologin.

Vogelzug im Wandel

Einige Arten bleiben immer häufiger den ganzen Winter über in Bayern oder kehren früher ins Brutgebiet zurück, etwa Stare, Zilpzalp oder Mönchsgrasmücke. „Wir beobachten, vor allem bei Kurzstreckenziehern, dass sie früher zurückkehren als noch vor einigen Jahrzehnten“, sagt Angelika Nelson. Langstreckenzieher können sich nicht so leicht anpassen, besonders für sie bleibt der Zug eine enorme Kraftanstrengung und birgt viele Risiken. Rastplätze verschwinden, Lebensräume schrumpfen und in manchen Ländern werden Zugvögel noch immer aktiv gejagt. Der LBV setzt sich deshalb für den Schutz von Zugvögeln entlang ihrer Routen ein und dafür, dass Zugvögel auch künftig geeignete Rast- und Brutplätze in Bayern finden.

Rebhuhn | © Gunther Zieger, LBV-Bildarchiv © Gunther Zieger, LBV-Bildarchiv
© Gunther Zieger, LBV-Bildarchiv

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