Weißstorch

Ciconia ciconia

Ruf des Weißstorchs - Hier abspielen! (www.tierstimmen.de)

Stimme des Weißstorchs
Kompensiert seine Stummheit durch lautes Schnabelklappern, besonders am Nest. Charakteristisches Klappern zur Begrüßung und Feindabwehr, in letzterem Fall oft von einer Art Fauchen begleitet, sonst keine Lautäußerungen.

Status

Rote Liste Bayern: nicht gefährdet
Rote Liste Deutschland: Gefährdet
Europa: besonders geschützt (Anhang 1 der EU-Vogelschutzrichtlinie)

Blick ins Geschichtsbuch

Zwei Weißstörche bei der Paarung im Horst | © Frank Derer © Frank Derer
Weißstorch (Ciconia ciconia)

Mythen rund um den Storch
Vordergründig wird beim Storch an den Frühlingsboten, Glücks- und Kinderbringer gedacht. Doch reicht seine Geschichte in der Kultur sehr viel weiter zurück. Schon im altägyptischen Pharaonenreich meinte man erkannt zu haben, dass die jungen Störche ihre Eltern versorgten, wenn deren Kräfte im Alter nachließen. Die Griech*innen der Antike übernahmen diesen attraktiven Irrtum und formten den Mythos weiter aus. Sie schufen den Begriff der Antipelargesis, eine Art Rückgabepflicht oder „Storchendank“. Sie gingen soweit, diese Haltung in ein „Storchengesetz“ zu gießen, das die jungen Athener*innen zu Pflichterfüllung ihren Altvorderen gegenüber anhielt, modern gesprochen eine Art Rentenversicherung.

Die Römer*innen erweiterten das Storchengesetz. Sie stellten den Weißstorch als Symbol an die Seite der Pietas, der tragenden Staatstugend der frommen Ehrerbietung und Pflichterfüllung den Eltern, den Göttern, dem Staat und sogar den militärischen Befehlshabern gegenüber. So trug die große Legion III Italica in Raetien, dem heutigen Österreich und Ungarn, den Storch in ihrem Emblem. „Storchendank“ bis in den Tod?

Gegenspieler des Teufels
Auch in die christliche Kirche hinein wirkte der Mythos vom Storch. Die frühen Kirchenväter sahen in ihm das vierte Gebot verwirklicht, denn der Storch schien Vater und Mutter zu ehren. Und eine weitere „Tugend“ des Storches ließ sich in christlichem Kontext nutzen. Der Storch frisst „niederes“ Getier, insbesondere Schlangen, die als gefährlich galten und nach dem Fehlverhalten von Adam und Eva mit dem Teufel im Bunde gesehen wurden. Der Storch wurde zum Gegenspieler der Schlange, des Teufels, bis dahin, dass er als Sinnbild für und in der Zuspitzung sogar als Christus selbst wahrgenommen wurde.

Volkstümliche Namen
In einigen deutschen Mundarten wird der Storch als 'Adebar', vom althochdeutschen odoboro bezeichnet. Die Silben bero und bar in Adebar bedeuten "Träger", denn zu seinen Obliegenheiten gehört es, den Menschen die kleinen Neugeborenen im Schnabel zuzutragen. Als 'Klapperstorch' soll er dem Volksglauben nach in einem Tuch die Kinder überbringen.

Aussehen

Weißstorch auf einer grünen Wiese mit Nistmaterial im Schnabel | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Weißstorch (Ciconia ciconia)

Größe: sehr großer Vogel mit langem Schnabel und langen Beinen, Kopf und Hals im Flug gerade nach vorn gestreckt

Spannweite: bis zu 2 Meter

Körperlänge: ca. 80-100 cm

Gewicht: 3-4 kg, Männchen meist etwas schwerer als Weibchen

Aussehen: Gefieder weiß, Schwingen schwarz, leuchtend roter Schnabel und Beine

Gefieder weiß mit schwarzen Handschwingen, Schnabel und Beine leuchtend rot; Männchen und Weibchen sind äußerlich fast nicht zu unterscheiden, Männchen allerdings meist etwas kräftiger und größer als Weibchen; Schnabellänge 14-19 cm.

Aussehen Jungvögel: im ersten Jahr noch mit teilweise bräunlichen Beinen und Schnabelspitze.

 

Vorkommen

Bei uns
Nur im Winter nicht zu beobachten, Langstreckenzieher.

Verbreitung
Das Areal des Weißstorchs erstreckt sich über Spanien, Mittel- und Osteuropa.

Verbreitung in Bayern
Der Weißstorch ist in Bayern zerstreut verbreitet. Schwerpunkte liegen im Aisch- und Regnitzgrund, in den Niederungen von Altmühl und Wörnitz, an den Donauzuflüssen Günz, Mindel, Zusam und Schmutter in Schwaben, dem nördlichen Teil des niederbayerischen Hügellandes sowie Tälern von Naab und Regen mit ihren Nebenflüssen in der Oberpfalz.

Isolierte Einzelvorkommen erreichen das südliche Südbayern und den Osten Unterfrankens. So gut wie unbesiedelt sind der größte Teil Unterfrankens, die meisten Mittelgebirge Nordbayerns, das südliche und östliche Südbayern.

Neben den günstigen Überwinterungsbedingungen (v.a. in Spanien) zeigt sich seit einigen Jahren eine zunehmende Tendenz verkürzter Zugstrecken bzw. ein Überwintern im näheren Umfeld der Brutplätze (teils durch Zufüttern). Dadurch werden die Risiken des Langstreckenzuges reduziert, was zu einer höheren Rückkehrrate führt und die bayerische Brutpopulation positiv beeinflusst.

Bestand
Deutschland: ca. 4.000 Brutpaare, weltweit ca. 500.000 Tiere
Bayern (2020) Über 700 Horstpaare.

Lebensweise

Zwei Weißstörche auf einer Wiese suchen nach Futter | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Bevorzugen Feuchtwiesen zur Nahrungssuche

Lebensraum
Offene Landschaften, Feuchtgrünland, Flussniederungen mit periodischen Überschwemmungen, extensiv genutzte Wiesen und Weiden; in Südeuropa und Nordafrika auch in Trockengebieten

Sümpfe, feuchte Wiesen und Auen, brütet in Siedlungen auf Gebäuden, Schornsteinen und Masten

Nahrung
Allesfresser: Kleinsäuger, Froschlurche, Eidechsen, Schlangen, Fische, Insekten und deren Larven, in seltenen Fällen auch Eier und Junge von Bodenbrütern, auch Aas.

Nest
Brütet auf Hausdächern, Bäumen, Masten und Felsen; Nest aus Ästen, bis zu 2 m Durchmesser, kann bis zu 4 m hoch und 2 Tonnen schwer werden

Brut
Anfang April bis Mitte Juni, 1- 7, meist jedoch 2-4 Eier, brütet ca. 31-32 Tage, Nestlingszeit ca. 55-60 Tage, nach 7 Wochen haben die Jungen die Größe der Altvögel erreicht, im Alter von 3 Monaten Trennung von den Elterntieren.

Schon gewusst?

In Mitteleuropa brütet der Kulturfolger fast nur auf menschlichen Bauwerken, vom Baukran über Fabrikschlote bis zum Kirchturm. Die Nester können sich mehrere Meter hoch auftürmen, da sie jedes Jahr mit neuem Material verstärkt werden. Sie werden dabei bis zu 1.000 kg schwer, so schwer wie ein Kleinwagen.

Der Weißstorch ist das Wappentier des NABU. Bereits zweimal wurde er zum Vogel des Jahres gewählt, 1984 und 1994. 

Gefährdung

Storch an Abspannmast eingeklemmt | © J. Strassburger © J. Strassburger
Häufigste Todesursache bei Störchen: Stromschlag

Der Weißstorch ist in Bayern gefährdet, im Alpenvorland stark gefährdet. Der kleine Bestand ist von Hilfsmaßnahmen des Naturschutzes abhängig und durch Eingriffe bedroht:

Verlust oder Entwertung von Kulturlandschaften mit Extensivgrünland und Feuchtgebieten in Flussniederungen als Nahrungsgebiete (z.B. Grünlandumbruch, Dünger, Gülle, Biozide, Grundwasserabsenkung, Drainage). Nach wie vor spielt die Erhaltung von Nahrungshabitaten für den Bruterfolg die entscheidenden Rolle. Zerschneidung und Verkleinerung von offenen Landschaftsräumen (v. a. Straßenbau, Zersiedlung, Stromleitungen, Windenergieanlagen).

Bei Altvögeln und flüggen Jungen sind Stromschlag an Mittelspannungsleitungen und Leitungsanflug die häufigste Todesursache.

Nach wie vor ist mit hohen Verlusten entlang der Zugwege und in den Winterquartieren zu rechnen.

Schutzmaßnahmen

Seit 1984 führen wir im Auftrag des Bayerischen Umweltministeriums und in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Umwelt (LfU) das Bayerische Weißstorch-Schutzprogramm durch. Es deckt zwei Bereiche ab: Beseitigung des Nahrungsmangels und Betreuung der Nester inklusive Datensammlung. Große Teile des Programms finanzieren wir aus Spenden.

Für die Nester sind rund 300 ehrenamtliche LBV-Horstbetreuer zuständig. Sie pflegen (nur bei Bedarf) die Horste, behalten die Brut im Auge, notieren Wieder- und Neubesiedelungen und zählen regelmäßig den Vogelbestand. Alle Daten werden an unsere Zentrale in Hilpoltstein weitergeleitet. Hier werten wir die bayernweit gemachten Beobachtungen aus und koordinieren notwendige Schutzmaßnahmen.

Das Nahrungsangebot für den Weißstorch verbessern wir, indem wir Wiesen extensivieren, Feuchtflächen anlegen und Gräben ausweiten. Unsere Arbeit macht sich bezahlt: Die Störche kehren aus ihren Winterquartieren vielerorts wieder nach Bayern zurück und nehmen die neu geschaffenen Biotope gut an!

Unsere genaueren Aktivitäten können Sie hier nachlesen.

 

 

Systematik
Ordnung: Ciconiiformes, Familie: Störche (Ciconiidae), Gattung: Eigentliche Störche (Ciconia)

Kostenloses Faltblatt zum Weißstorch

Cover Faltblatt Weißstorch

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Mehr über den Weißstorch in Bayern

Gefährdung & Schutzprojekt

© B. Langenegger

Seit 1984 führen wir im Auftrag des Bayerischen Umweltministeriums und in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Umwelt (LfU) das Bayerische Weißstorch-Schutzprogramm durch. Es deckt zwei Bereiche ab: Beseitigung des Nahrungsmangels und Betreuung der Nester.

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Die große Weißstorchkarte

© K. Reindl

Verfolgen Sie live, wo die Störche in Bayern leben und brüten. Details zu jedem Nest-Standort erhalten Sie durch Klick auf die einzelnen Punkte in der Karte aller besiedelten Nester unterhalb der Karte.

Zur Storchenkarte

Satelliten-Telemetrie Weißstorch

© Henning Werth

Verfolgen Sie Weißstörche live! Mit unserem neuen Satelliten-Telemetrie-Projekt über den Weißstorch wollen wir die Zugrouten und Überwinterungsgebiete besser kennen lernen, um ihn dann besser schützen zu können.

Weißstörche live verfolgen

Weißstorch-Webcams

© Marcus Bosch

März bis Sommer:

Die Weißstörche in Muhr am See können Sie hier live beobachten! Außerdem finden Sie hier alle Live-Storchen-Webcams in Bayern auf einen Blick! 

Zu den Weißstorch-Webcams

Jetzt Storchenpate werden!

© Heidi Källner

Weißstörche zu schützen bedeutet, die Lebensräume wie Überschwemmungsgebiete und Feuchtwiesen mit vielen Gräben, Wiesenrändern und Säumen zu erhalten. Werden Sie Storchen-Pate und unterstützen Sie den Storchenhorst in Ihrer Nähe. Wählen Sie dazu einfach Ihr Lieblingsnest in unserer Storchenkarte aus.

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Weißstörche im Winter

© LBV

Überwinternde Weißstörche, die nicht in den Süden ziehen, sorgen oft für Aufregung: Können Störche in Bayern überhaupt überwintern? Wir geben weitgehend Entwarnung. In milden Wintern mit wenig Schnee bzw. mäßigem Frost finden die Störche noch genügend Nahrung und können so auch die kalte Jahreszeit bei uns in Bayern gut überstehen.

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Groß mit langen Beinen?

© Zdenek Tunka/ Dieter Hopf

Sie sehen einen großen Vogel, der langsam über die Wiese stolziert? Dann handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Schreitvogel.

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