Monitoring seltener Brutvögel (MsB)

Mitmachen beim Rebhuhn- oder beim Spechtmonitoring in Bayern!

Zwei Rebhühner auf umgepflügten Acker | © Gunther Zieger © Gunther Zieger
Das Rebhuhn steht als eine Art im Fokus des Monitorings

Sie erkennen unsere heimischen Spechtarten am Federkleid und ihrem vielfältigen Ruf- und Trommelrepertoire? Oder möchten Sie in der Abenddämmerung gezielt das Rebhuhn – eine gefährdete Art unserer Agrarlandschaft – vor allem akustisch erfassen? Sie haben im späten Winter bis Frühjahr Zeit für einen abendlichen Spaziergang (Rebhuhn) oder zwei ausgedehnte Morgenrunden (Spechte)?

Sie möchten bei der wichtigen Aufgabe mithelfen, längerfristig die Bestandsentwicklungen dieser Vogelarten zu untersuchen?

Dann heißen wir Sie beim Monitoring seltener Brutvögel herzlich willkommen!

Aufbau & Ziel des Monitorings seltener Brutvögel

Die Ursprünge des Monitorings seltener Brutvögel liegen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es begann mit Bestandserhebungen seltener und teilweise vom Aussterben bedrohter Vogelarten in der DDR. Heute stellt das MsB neben dem Monitoring rastender Wasservögel (MrW) und dem Monitoring häufiger Brutvögel (MhB) eine essentielle Säule im deutschlandweiten Vogelmonitoring dar. Das MsB deckt viele Brutvogelarten Deutschlands ab, die nicht häufig genug sind, um im Rahmen des MhB ausreichend erfasst zu werden. Dies betrifft deutschlandweit seltene oder nur regional vorkommende – und vielleicht gerade dadurch oftmals attraktive – Arten.

Das MsB hat zum Ziel, deren Bestandsentwicklungen kontinuierlich zu überwachen und daraus Bestandstrends zu ermitteln. Auf diese Weise lassen sich positive wie auch negative Entwicklungen dokumentieren, um unter anderem eine fachlich fundierte Basis zur Begründung von Schutzmaßnahmen zu bieten. Bei einzelnen sehr seltenen Arten ist dabei zugleich ein Monitoring des Gesamtbestands möglich. Dies wiederum dient als Datengrundlage für die Aktualisierungen der Roten Listen.

Aufgrund der Vielzahl seltener und mittelhäufiger Brutvogelarten mit ganz unterschiedlicher Brutbiologie gibt es im MsB verschiedene Erfassungsmodule, die in manchen Fällen gezielt auf eine einzelne Art, z. B. das Rebhuhn, und in anderen auf gut gemeinsam zu erfassende Artengruppen, z. B. Spechte, zugeschnitten sind. Eine Übersicht aller etablierten MsB-Erfassungsmodule gibt es beim Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA).

Koordination Monitoring

Die übergeordnete bundesweite Koordination liegt wie auch bei den übrigen Programmen des Vogelmonitorings beim DDA. Die eigentliche Organisationsarbeit und Betreuung der Kartiererinnen und Kartierer geschieht auf Länderebene durch Staatliche Vogelschutzwarten oder Fachverbände. In Bayern koordiniert der LBV die beiden Module Rebhuhn und Spechte.  

MsB-Modul „Rebhuhn“

Zwei Rebhühner stehen auf einem Feld | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka

Das MsB Rebhuhn findet alljährlich im Februar/März statt (ab 2026 neu in der Zeit vom 11. Februar bis spätestens 20. März). Die Erfassung findet je Kartierroute im Normalfall nur einmal pro Jahr statt. Der Termin ist innerhalb des Erfassungszeitraums frei wählbar, sollte aber möglichst frühzeitig gelegt werden, da die Ruffreudigkeit in der Regel im Lauf des März abnimmt. Zur Kartierung wird ein 1 bis 1,5 km langes Transekt in der Agrarlandschaft 30 bis 60 Minuten nach Sonnenuntergang begangen und dabei eine Klangattrappe des Rebhuhnrufs alle 150 bis 200 m mit einem externen Lautsprecher abgespielt.  

Für eine rein visuelle Bestimmung von Rebhühnern ist es in der Regel zu dunkel. Die einzelnen Individuen werden daher vorrangig akustisch erfasst, indem Männchen auf die Klangattrappe antworten. Der Rebhahnruf ist nicht schwer zu erkennen, die Herausforderung besteht eher darin, Individuen nicht doppelt zu erfassen und unverpaarte Hähne nicht mehr als für die Erfassung nötig zum Rufen zu stimulieren. Daher ist es wichtig, die Klangattrappe sofort abzuschalten, sobald ein Hahn ruft, und zügig zum darauffolgenden Klangattrappen-Stopp zu gehen, damit die Rebhähne möglichst nicht im Feld nebenher folgen. Rufende Hähne erhalten bei der Eingabe immer den Brutzeitcode A2, Sichtbeobachtungen in der Regel A1, da es sich um Weibchen oder Männchen handeln könnte.

Alle relevanten Informationen zur Kartierung gibt es auch zusammengefasst in einem Methodenmerkblatt des DDA und auch anschaulich als Schulungsvideo aufbereitet.

In der DDA Mitmachbörse können Sie sehen, wo in Ihrer Umgebung eine Rebhuhn-Kartierroute frei ist und sich diese direkt reservieren.

Modul Rebhuhn im Überblick:

  • Erfassungszeitraum: Februar/März (ab 2026: zwischen 11.02. – 20.03.)
  • Begehung: 1× pro Jahr je Route
  • Tageszeit: eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang bis eine Stunde nach Sonnenuntergang
  • Methode: Transekt (1–1,5 km) mit Klangattrappe
  • Erfassung: überwiegend akustisch (rufende Hähne)
  • Lebensraum: Agrarlandschaft

MsB-Modul „Spechte“

Das MsB Spechte findet alljährlich in der Zeit von Ende Februar bis Mitte April statt. Die Erfassung erfolgt je Kartierroute zweimal pro Jahr (21.02. – 20.03. und 21.03. – 20.04.). Die Termine sind innerhalb der Kartierzeiträume frei wählbar und sollten in den Morgenstunden zwischen Sonnenaufgang und Mittag liegen. Zur Kartierung wird eine feste Zählroute mit Abspielpunkten (Stopps) begangen, an denen eine Klangattrappe der Zielarten eingesetzt wird. Gezählt werden

Falls im Gebiet potenziell vorkommend ebenso

Optional können auch die Hohltaube, welche Schwarzspecht-Höhlen als Sekundärnutzer bewohnt, sowie der Grünspecht miterfasst werden.

Die Großspechte (Grau- und Schwarzspecht) werden aufgrund ihrer großräumigen Revierstrukturen nur an jedem zweiten Stopp berücksichtigt, während die übrigen Zielarten an jedem Stopp erfasst werden. Dabei wird die Anzahl der einzeln festgestellten Individuen je Art mit passendem Brutzeitcode dokumentiert.

Dabei ist für jedes Individuum zu vermerken, ob der Kontakt durch den Einsatz der Klangattrappe provoziert wurde. Doppelzählungen sind zu vermeiden, indem im Gelände sorgfältig geprüft wird, ob es sich tatsächlich um verschiedene Individuen handelt oder ob ein bereits registrierter Vogel lediglich seine Position gewechselt hat. Hinweise darauf können z. B. die Anflugrichtung (kommt der Vogel aus der Richtung des vorherigen Stopps?), das Verhalten oder – sofern erkennbar – das Geschlecht sein. Stimmen diese Merkmale mit einer vorherigen Beobachtung überein, ist eine Doppelbeobachtung wahrscheinlich.

Alle relevanten Informationen zur Specht-Kartierung gibt es auch zusammengefasst in einem Methodenmerkblatt des DDA und auch anschaulich als Schulungsvideo aufbereitet.

In der DDA Mitmachbörse können Sie sehen, wo in Ihrer Umgebung eine Specht-Zählroute frei ist und sich diese direkt reservieren.

Modul Spechte im Überblick:

  • Erfassungszeitraum: Ende Februar – Mitte April
  • Begehung: 2× pro Jahr je Route
    • 1. Durchgang: 21.02.–20.03.
    • 2. Durchgang: 21.03.–20.04.
  • Tageszeit: morgens (Sonnenaufgang bis Mittag)
  • Methode: feste Zählroute mit Abspielpunkten
  • Zielarten: Klein-, Mittel-, Grau-, Schwarzspecht (+ regional: Drei­zehen- & Weißrückenspecht)
  • Optional: Grünspecht, Hohltaube

Dateneingabe

Die Eingabe der Beobachtungen erfolgt beim Rebhuhn- und beim Specht-Modul bevorzugt mit der App NaturaList, in der auch die jeweiligen Klangattrappen integriert sind und die die Daten automatisch an ornitho.de übermittelt. Hier finden Sie die Anleitungen zur Dateneingabe des MsB Rebhuhn und MsB Spechte.  

Kontakt

Anmeldungen oder weitere Fragen können Sie zum Erfassungsmodul Rebhuhn an Dominik Richter () und zum Erfassungsmodul Spechte an Simon Habermann () richten.

Häufige Fragen & Antworten zum Monitoring seltener Brutvögel

Warum Vögel?

Vögel sind die auffälligste, attraktivste und damit auch am besten untersuchte Artengruppe. Da die Durchführung dauerhafter Monitoringprogramme nur mit Hilfe zahlreicher ehrenamtlicher Mitarbeiter möglich ist, hat das Monitoring von Vögeln die beste Grundlage für die Schaffung einer breiten und soliden Datenbasis. Allein in Deutschland leben diese Programme vom wertvollen Engagement mehrerer tausend Mitarbeitender.

Wie können Sie aktiv werden?

Wenn Sie längerfristig Interesse an der Bearbeitung einer Kartierroute haben (mindestens 3 Jahre, besser 5), dann prüfen Sie bitte in der Mitmachbörse Rebhuhn bzw. Spechte, wo in für Sie erreichbarer Nähe noch Routen frei sind. Diese können Sie durch einen Klick darauf für sich reservieren. Dadurch erhalten wir eine Benachrichtigung und nehmen umgehend per E-Mail-Kontakt mit Ihnen auf, um Ihnen weitere Informationen zur Erfassungsmethodik zukommen zu lassen. Die wichtigsten Informationen finden Sie auch etwas weiter unten auf dieser Seite im Downloadbereich.

Wo kann ich weitere Details erfahren?

Auf den Seiten des DDA gibt es umfangreiche Informationen zum Vogelmonitoring in Deutschland und auch zum Rebhuhn- und Spechtmonitoring im Speziellen. Sie werden dort auch fündig bei methodischen Fragen oder wenn Sie aktuelle und zurückliegende Ergebnisse einzelner Monitoringmodule einsehen möchten. Auch das BfN bietet weitere Informationen zu den verschiedenen Modulen des Vogelmonitorings.

Eine sehr spannende Lektüre rund um die Thema Monitoring und Avifaunistik in Deutschland bietet zudem die Reihe „Vögel in Deutschland“ des DDA. Sie liefert in mehreren Heften kompakte Einblicke in aktuelle Entwicklungen der Vogelwelt. Zur vertiefenden Information über verschiedene Monitoringmethoden und -programme ist auch das 2012 vom BfN herausgegebene Buch "Vogelmonitoring in Deutschland" (Sudfeldt et al. 2012, in der Serie Naturschutz und Biologische Vielfalt, Heft 119) sehr zu empfehlen, welches Sie hier bestellen können.

Weiterhin veröffentlicht die Arbeitsgemeinschaft seltene Brutvögel in Bayern (AGSB), alle paar Jahre eine Zusammenfassung von auf Plausibilität geprüften Beobachtungsdaten seltener Brutvogelarten in Bayern und stellt diese für Verbände und Behörden zur Verfügung.

Weitere Module des Vogelmonitorings gibt es noch?

Neben dem MsB existieren, wie oben erwähnt, noch andere Monitoringprogramme. Diese sind ornithologisch meist etwas anspruchsvoller, da eine je nach Programm größere bis umfassende Artenkenntnis gefordert ist. Neben dem bundesweiten Monitoring häufiger Brutvögel (MhB) und dem regionalen Monitoring Hochgebirgsvögel (MHg) im Süden Deutschlands, hat vor allem das älteste Monitoringprogramm, das Monitoring rastender Wasservögel (MrW) eine besondere Bedeutung. Dieses ist entscheidend für den internationalen Vogelschutz, da dabei durch Deutschland ziehende oder überwinternde Vögel erfasst und Rastgebiete von internationaler Bedeutung identifiziert und geschützt werden können. Außerdem gibt es im Norden noch die regionale Sondererfassung der Seevögel durch das Seevogelmonitoring.

Weitere Monitoringprojekte im LBV

Monitoring häufiger Brutvögel (MhB)

© Henning Werth

Sie erkennen die häufigen Vogelarten an Federkleid und Gesang? Sie haben zwischen März und Juni in den frühen Morgenstunden Zeit? Dann sind Sie beim Monitoring häufiger Brutvögel genau richtig.

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Monitoring Hochgebirgsvögel (MHg)

© H.-J. Fünfstück

Alpine Matten und Felsbereiche sind schwer zugänglich: Schnee liegt oft noch bis Ende Juni, Wege sind teils ausgesetzt, der Zustieg setzt körperliche Fitness voraus. Ziel des Monitoring Hochgebirgsvögel (MHg) ist es, mit begrenztem Aufwand quantitative Angaben über die Brutvögel von der Waldgrenze an aufwärts zu gewinnen.

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Wintervogel-Atlas in Bayern

© Andreas Breuter

Um mehr über die Verbreitung unserer heimischen Vögel in der Winterzeit zu erfahren, starten wir zusammen mit der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern e.V. (OG) ein neues Mitmachprojekt für Vogelbegeisterte in Bayern. Wer mitmachen möchte kann sich ab sofort hier eine Fläche auf unserer Karte reservieren.

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Kormoranzählung

© Andreas Hartl

Der LBV zählt gemeinsam mit dem Landesfischereiverband Bayern (LFV) in jedem Winter die in Bayern durchziehenden oder überwinternden Kormorane.

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Birkhühner und Alpenschneehühner gesehen? Hier melden!

© Henning Werth

Im Rahmen einer Grundlagenerfassung möchten wir die räumliche Verbreitung von Alpenschnee- und Birkhuhn genauer verstehen, da bisher zum Teil sehr wenig über das Vorkommen und die Ausbreitung einzelner Populationen bekannt ist. Helfen Sie mit!

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