Grünspecht

(Picus viridis)

Grünspecht | ©  R. Rößner © R. Rößner
Der Grünspecht war auch Vogel des Jahres 2014

Volkstümlicher Name

Wurde früher irrtümlicher Weise, wie auch der Grau- und der Schwarzspecht, als "Gießvogel" oder "Windracker" bezeichnet, womit eigentlich aber der Wendehals gemeint war. Wird selten auch Grüner Baumhacker, Holzhauer oder Grünling genannt. Da sein Ruf an den eines Pferds erinnert, trägt er auch den Namen Wieherspecht.

Stimme 

Seiner Stimme verdankt der Grünspecht den Namen „lachender Specht“. Er macht sich besonders durch seinen Gesang und seine Rufe bemerkbar. Sein dynamischer, meist mehrsilbiger Ruf gleicht einem gellenden Lachen: „kjückkjückkjück“. Man kann ihn das ganze Jahr über hören. Er wird oft im Flug geäußert. Zur Balzzeit baut der Grünspecht diesen Ruf zu einer langen lachenden Strophe aus, seinem Gesang: „klüklüklüklüklü“. Der Grünspecht singt, um sein Revier abzustecken und um Weibchen anzulocken. Neben diesem Gesang bringt der Grünspecht nur selten einen der bekannten Trommelwirbel hervor, die bei anderen Spechtarten die Hauptform der Revierabgrenzung darstellen.

Ruf des Grünspechts - Hier abspielen!

Kennzeichen

Der Grünspecht ist ein echter Hingucker. Er ist hähergroß mit olivgrüner Oberseite. Aus der Nähe roter Scheitel und schwarze Maske um das weiße Auge sichtbar, das Männchen ist durch seine rote Wangenstreifmitte zu erkennen. Fliegt oft in stark bogenförmiger Flugbahn. Meist durch Stimme zu entdecken. Ruft im Flug laut gellend "kjükjüKJÜCK". Gesang in laut lachenden Strophen von jeweils 10-18 "klü"-Lauten. Trommelt nur selten. Von Kopf bis Schwanz misst er zwischen 30 bis 36 Zentimeter und kommt auf eine Spannweite von 45 bis 51 Zentimeter.

Sein Lebensraum - Überall da, wo es alte Bäume gibt

Bäume in einem naturnahen Park in Augsburg im Herbst | © Dr. Eberhard Pfeuffer © Dr. Eberhard Pfeuffer
Lebensraum für den Grünspecht: Der Siebentischpark in Augsburg.

Der Grünspecht findet überall dort ein Domizil, wo es alte Bäume zur Anlage von Höhlen und ausreichend Ameisen gibt – sei es in halboffenen Waldlandschaften, in Gärten und Parks oder auf städtischen Brachflächen. Besonders geeignete Bedingungen bietet auch die Streuobstwiese. Aber auch Industriebrachen hat der Grünspecht zunehmend für sich entdeckt. Dort nimmt er im Gegensatz zu den Streuobstwiesen sogar stark zu. Im städtischen Bereich bieten besonders Ortsränder und Gegenden mit altem Baumbestand ideale Bedingungen für den Grünspecht – sofern dort keine Pestizide verwendet werden, die seine Nahrungsgrundlage, die Ameisen, beeinträchtigen.

Außerdem ist er ein echter Europäer. Mehr als 90 Prozent seines weltweiten Verbreitungsgebietes befinden sich in Europa. Hier besiedelt er fast den ganzen Kontinent mit Ausnahme von Irland, dem mittleren und nördlichen Skandinavien und den nördlichen und östlichen Teilen des europäischen Russlands. Außerdem brütet er im Kaukasus, in Bergregionen der Türkei und des nördlichen Iran und Irak. Dabei nimmt seine Häufigkeit mit der Strenge der Winter von West nach Ost ab. Mit seiner weitgehend auf unseren Kontinent beschränkten Verbreitung tragen wir als Europäer die wesentliche Verantwortung für den Schutz dieser Art.

Sein Nest - Gemeinsamer Höhlenbau als Ritual

Grünspecht schaut aus Baumhöhle | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Grünspecht in seiner Baumhöhle

Alte Bäume sind für den Grünspecht lebenswichtig. Nur in ausreichend dicken Bäumen mit weichen Stellen kann er seine Höhlen anlegen, bevorzugt in zwei bis zehn Metern Höhe. Grünspechte beginnen häufig mehrere Höhlen, die in späteren Jahren, wenn der Höhlenanfang etwas angefault ist, fertig gebaut werden. Das Eingangsloch ist meist sechs mal sieben Zentimeter groß. Der gemeinsame Höhlenbau ist ein Ritual, das Männchen und Weibchen aneinander bindet. Doch nicht jedes Jahr gönnt sich der Grünspecht eine neue Behausung. Oft bezieht er auch vorhandene Höhlen, wie die Schlafhöhle aus dem vergangenen Winter.

Grünspechte hinterlassen in ihren Revieren viele Spechthöhlen,die von anderen höhlenbewohnenden Arten zur Brut genutzt werden: von verschiedenen Meisenarten, Staren, Kleibern, Halsband- und Trauerschnäppern oder Gartenrotschwänzen. Für letzteren - den Vogel des Jahres 2011 - ist der Grünspecht zum Beispiel ein wichtiger Baumeister. Aber auch Fledermausarten, Siebenschläfer und Hornissen profitieren von den Grünspechthöhlen. Besonders beliebt sind beim Grünspecht Weiden, Pappeln und Obstbäume. Leider werden diese in öffentlichen Grünanlagen und Gärten wegen übertriebener Verkehrssicherheit oft unnötig entfernt. Dabei würde ein Zurückschneiden oft genügen. Totes Holz bietet Wohnraum für viele Insekten, darunter auch einige spezialisierte Ameisenarten.

Seine Nahrung - Ameisen bevorzugt

Grünspecht hängt vertikal an einem Baum | © Rosl Rößner © Rosl Rößner

Zwischen Morgengrauen und Dämmerung ist der Grünspecht aktiv und bleibt seinem Revier treu. Täglich fliegt er die gleichen Routen und besucht dieselben Plätze, um Ameisen zu finden. Unter allen Spechten ist er am stärksten auf sie spezialisiert. Auch seine Jungvögel füttert der Grünspecht ausschließlich mit Ameisen. Während andere Spechte ihre Nahrung an Bäumen finden, sucht er gezielt auf lockeren Böden mit Störstellen ohne oder mit wenig Vegetation. Pro Tag frisst ein Grünspecht etwa 2.000 Ameisen.

Interessant: Unter allen europäischen Spechten hat der Grünspecht die längste Zunge. Er kann sie bis zu zehn Zentimeter vorstrecken. Mit diesem harpunenartigen Instrument erwischt er auch gut versteckte Ameisen. Dabei hilft ihm sein Schnabel als kombiniertes Werkzeug, das er als Meißel, Zange oder Axt einsetzt. Er schlägt Löcher in Ameisennester im Boden oder in weiche Baumstümpfe. Mit seiner Zunge, einem hochempfindlichen Tastorgan, dringt er in die Ameisengänge ein. Gefundene Ameisen, deren Larven und Puppen, bleiben an ihr kleben. Manchmal schlägt er auch die Ameisennester auseinander. Dabei bewegt er sich, als ob er einen Taktstock schlägt. Zu einem geringen Teil fressen Grünspechte auch andere Insekten, Regenwürmer und Schnecken sowie Beeren und Obst.

Seine Bestandsentwicklung ist eine positive Ausnahme

Die Verbreitung des Grünspechts in Bayern. (Karte: Rödl et al. (2012): Atlas der Brutvögel in Bayern. Verlag Eugen Ulmer)

Der europäische Bestand des Grünspechts wurde im Jahr 2004 auf gut 860.000 Brutpaare geschätzt. Der Weltbestand ist nur unwesentlich größer. Für den Zeitraum 2005 bis 2009 wurden in Deutschland 42.000 bis 76.000 Brutpaare ermittelt. Sechs bis sieben Prozent des Weltbestandes dieser Art leben damit in Deutschland. In Bayern liegen die aktuellen Schätzungen bei 6.000 bis 11.000 Brutpaaren. Hierzulande ist der Grünspecht die zweithäufigste Spechtart. Der Bestand des häufigsten Spechtes, des Buntspechtes, ist allerdings gleich zehnmal größer.

Laut des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten (DDA) hat der bundesweite Bestand des Grünspechts zwischen 1991 und 2011 um 105 Prozent zugenommen. Europaweit ist er im gleichen Zeitraum um etwa 50 Prozent gewachsen.Dies ist die deutlichste Zunahme unter allen häufigen Vogelarten Deutschlands und eine sehr positive Ausnahme unter den besorgniserregenden Trends der meisten anderen Arten. Der Grünspecht hat derzeit tatsächlich gut Lachen. Der Bestand des Grünspechtes ist jedoch nur bis 2008 kontinuierlich angestiegen. In den drei Folgejahren bis 2011 nahm er wieder um 17 Prozent ab. Vorhandene Daten zeigen,dass der Grünspecht in den letzten zwei Jahrzehnten im Siedlungsraum, in Gärten und Parks zugenommen hat,während sein Bestand im Wald konstant geblieben ist.

Grünspechten helfen - Zunehmender Maisanbau und Gift schaden ihm

Grünspecht sitzt auf einer grünen Wiese | © Rosl Rößner © Rosl Rößner
Grünspecht-Weibchen auf Nahrungssuche.

Die Zunahme des Grünspechts in den letzten zwei Jahrzehnten folgt einer großflächigen Abnahme in den 1970er und 1980er Jahren. Die Bestandsentwicklung des Grünspechts wird auch zukünftig stark vom Angebot an Höhlenbäumen und dem Pestizideinsatz abhängen, aber auch vom Winterklima. Wird es milder, nimmt er zu, gibt es kalte und schneereiche Winter, nimmt er ab. Die Entwicklungen in unserer Kulturlandschaft werden zudem entscheidend dazu beitragen, ob der Grünspecht sich weiter vermehren oder nach harten Wintern erholen kann.

Derzeit erleben wir einen rapiden Rückgang von Grünland. Da ein Großteil des Viehs dauerhaft in Ställen gehalten und mit importiertem Futter gefüttert wird, werden Wiesen und Weiden nicht mehr gebraucht. Viele Flächen werden zu Ackerland, beispielsweise für Maisanbau zur Energieerzeugung. Verbleibende Flächen werden intensiver genutzt, stärker gedüngt und häufiger gemäht. In beiden Fällen verliert der Grünspecht sie zur Nahrungssuche. Zudem werden in Streuobstwiesen immer wieder Halbstämme gepflanzt, in die der Grünspecht keine Höhlen baut. Vogelarten nehmen aus diesem Grund stark ab.

Negativ wirkt sich auch der Verlust von alten Bäumen aus, die der Grünspecht zum Höhlenbau braucht. Wegen intensiver Holznutzung und übertriebener Vorsichtsmaßnahmen in der Verkehrssicherungspflicht werden alte Bäume beim ersten Faulen gefällt. Andere Spechtarten sind dadurch noch stärker beeinträchtigt, da sie ihre Nahrung ausschließlich an alten Bäumen suchen.

Grünspecht helfen, auf Gift verzichten!

Ameisengift steht auf einer Terrasse
Wer auf Ameisengift verzichtet, hilft dem Grünspecht.

Während sich die Lebensraumbedingungen in der freien Landschaft für den Grünspecht eher verschlechtern, findet er zunehmend geeignete Reviere in unseren Siedlungsräumen. Hier entstehen neue Parks auf ehemaligen Industrieflächen und aufgrund knapper öffentlicher Kassen werden manche Stadtparks nur minimal gepflegt. Hier kann der Grünspecht neue Lebensräume besiedeln. Helfen auch Sie dem Grünspecht, indem Sie Ameisen im eigenen Garten dulden, auf die Düngung Ihres Rasens oder Ihrer Wiese verzichten und indem Sie keine Pestizide verwenden.

Für den Grünspecht fordern wir daher den konsequenten Verzicht auf Pestizide in Hausgärten, Streuobstwiesen und auf städtischen Grünanlagen. Denn nicht nur er, sondern auch viele andere Vogelarten hängen davon ab, damit sie ausreichend Insekten als Nahrung finden. Ähnliches gilt für das Totholz: Wenn es in Wäldern, auf Streuobstwiesen, in Parks und Gärten bestehen bleiben darf, profitieren viele Tierarten davon.

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