Vogelzählung zeigt: Weniger Mehlschwalben und Mauersegler über Bayern

Ergebnisse der „Stunde der Gartenvögel“: Zahl der Vögel pro Garten nimmt von Jahr zu Jahr ab – Naturnahe Gärten als Hoffnungsschimmer

Bei der diesjährigen „Stunde der Gartenvögel“ meldeten die Teilnehmenden erneut sehr wenige Vögel pro Garten: fast zehn Vögel weniger als noch vor zehn Jahren. Besonders Insektenjäger wie Mauersegler und Mehlschwalben wurden heuer in geringer Zahl gemeldet, obwohl das Wetter am Zählwochenende vielerorts warm und trocken war. „Dass selbst bei gutem Flugwetter weniger Tiere beobachtet wurden, bereitet uns Sorge. Der Rückgang der Fluginsekten macht sich offenbar immer stärker bemerkbar“, ordnet LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson die Ergebnisse ein. Trotz der besorgniserregenden Entwicklung bei einigen Arten im Siedlungsraum sehen auch Hoffnungsschimmer – besonders dort, wo Menschen ihre Gärten oder Balkone naturnah gestalten. Insgesamt haben sich rund 10.800 Menschen aus mehr als 7.300 Gärten in Bayern an der großen Vogelzählaktion „Stunde der der Gartenvögel“ beteiligt. Sie zählten dabei rund 190.000 Vögel.

Mehlschwalben | © Tino Dietrich © Tino Dietrich
Mehlschwalben brauchen feuchte Stellen und Insekten.

Mauersegler und Mehlschwalben sind auf Insekten angewiesen, die sie im Flug jagen. Doch mit sinkenden Insektenbeständen schrumpft auch die Lebensgrundlage für die faszinierenden Flugkünstler. Darüber hinaus sind fehlende Nistmöglichkeiten ein Problem für diese Vögel, die meist an Gebäuden brüten. „Wer unsere Luftakrobaten unterstützen möchte, kann ihnen gezielt beim Nestbau helfen“, sagt LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson. „Besonders Mehlschwalben profitieren von kleinen Lehmpfützen, aus denen sie sich Nistmaterial holen. Auch künstliche Nisthilfen an Gebäuden können fehlende Brutplätze ersetzen.“

Grünfink | © Carl Peter Herbolzheimer © Carl Peter Herbolzheimer
Der Bestand des Grünfinks hat sich nach einer Erkrankungswelle vor vielen Jahre nicht mehr wirklich erholt.

Aufatmen bei den Finkenvögeln

Etwas Entwarnung gibt es dagegen bei den Finkenarten: In Bayern weist derzeit nichts auf eine akute Infektionswelle durch Trichomonaden hin. Das sind Parasiten, die von Vogel zu Vogel übertragen werden und oft zum Tod führen. Grünfink, Buchfink und Stieglitz zeigen niedrige, aber stabile Zahlen. „Den Grünfink werden wir in den kommenden Jahren trotzdem genau im Blick behalten. Denn seit dem massiven Einbruch durch die Krankheit vor mehr als zehn Jahren, hat sich der Bestand nicht erholt“, so Angelika Nelson. Besonders wichtig ist es deshalb, auf Hygiene an Futterstellen und Vogeltränken zu achten: Wer regelmäßig reinigt und überschüssiges Futter entfernt, hilft dabei, die Ausbreitung von Krankheiten unter Gartenvögeln zu vermeiden.

Die Top Ten 2026

Die Top Ten der Gartenvögel bleiben an der Spitze unverändert: Wie bereits in den Vorjahren landet der Haussperling auf Platz 1, gefolgt von Amsel und Star. „Spatzen leben besonders gesellig und treten oft in größeren Gruppen auf. So bleibt der Haussperling auch heuer der am häufigsten beobachtete Gartenvogel“, erklärt LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson. Sein naher Verwandter, der Feldsperling, hat in den vergangenen Jahren zwar deutlich abgenommen, erreicht aber noch Rang 5. Amseln sowie Kohl- und Blaumeisen kommen in vielen Gärten vor, verteidigen jedoch ihre Reviere und werden deshalb meist nur einzeln oder paarweise beobachtet. Die Kohlmeise landet damit erneut auf Platz 4, die Blaumeise auf Rang 6. Elster und Rabenkrähe belegen die Plätze 7 und 8. Der Mauersegler rutscht auf Platz 9 ab, während die Mehlschwalbe nicht mehr unter den Top Ten ist. Neu dabei ist die Ringeltaube auf Rang 10. „Die Ringeltaube ist sehr anpassungsfähig. Sie findet auch in Städten und Siedlungen Brutplätze und ausreichend Nahrung und wird deshalb in Bayerns Gärten immer häufiger beobachtet“, so die LBV-Vogelexpertin.

Star im Garten  | © Peter Bria © Peter Bria
In naturnahen Gärten fühlt sich eine Vielzahl an Vögeln wohl, wie hier der Star.

Auch Vogelstimmen spielten bei der diesjährigen Zählung eine größere Rolle als noch vor einigen Jahren. „Im Mai hört man viele Vögel eher, als dass man sie sieht, wie zum Beispiel Mönchsgrasmücke oder Girlitz. Das erschwert eine eindeutige Bestimmung, aber KI-gesteuerte Bestimmungs-Apps, helfen zunehmend die Arten anhand ihres Gesangs zuordnen“, sagt Nelson.

In naturnahen Gärten herrscht mehr Vielfalt

Trotz der insgesamt negativen Entwicklungen konnten sich vor allem Teilnehmende in lebendigen Gärten mit Wildblumen, summenden Insekten, Igeln und zahlreichen Vogelarten an einer Vielzahl von Vögeln erfreuen. „Gerade der mähfreie Mai zeigt, wie schnell die Natur reagiert, wenn man ihr etwas Raum lässt“, sagt Nelson. Wer selbst etwas für die Artenvielfalt tun möchte, kann bereits mit kleinen Veränderungen viel bewirken: heimische Wildblumen wachsen lassen, seltener mähen, Hecken pflanzen und auf Pestizide verzichten. „Naturnahe Gärten ersetzen keine großen Schutzgebiete“, betont Nelson. „Aber sie können wichtige Trittsteine im Siedlungsraum sein und bereiten Menschen Freude im Alltag.“

von Franziska Back | lbv.de,

Rebhuhn Kücken im Gras | © Ralph Sturm © Ralph Sturm
© Ralph Sturm

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