Hitzewelle bringt Mauersegler und Schwalben in Lebensgefahr

Gebäudebrüter stürzen aus überhitzten Nestern – LBV-Vogelauffangstation Regenstauf muss Aufnahmestopp verhängen

Die extreme Hitzewelle der vergangenen Tage mit Temperaturen über 40 Grad in Bayern hat massive Folgen für die Vogelwelt. Während sich mobile Tiere in naturnaher Umgebung an kühlere Orte zurückziehen können, sind andere der Hitze schutzlos ausgesetzt. Besonders betroffen sind Gebäudebrüter wie Mauersegler oder Schwalben. Ihre Nistplätze unter Dächern und in Gebäudenischen heizen sich bis auf 60 Grad und mehr auf. Um der tödlichen Hitzefalle zu entfliehen, stürzten am Wochenende vielerorts noch nicht flugfähige Jungvögel auf der Suche nach einem kühleren Ort aus dem Nest. Die Folge: sehr viele tote, verletzte und geschwächte Tiere.

Junger hilfsbedürftiger Mauersegler | © Ralph Sturm © Ralph Sturm
Nestlinge von Gebäudebrütern wie dieser junge Mauersegler sind von der Hitze besonders betroffen.

Vogelauffangstation am Rande ihrer Kapazitäten

Allein in der Vogelstation des LBV in Regenstauf haben die Mitarbeitenden in den letzten Tagen mehrere Hundert Mauersegler und Mehlschwalben versorgt. Die Vogelstation muss nun wie viele andere Pflegestationen einen Aufnahmestopp verkünden. „Wir sind am Rande unserer Kapazitäten. Wir füttern ununterbrochen. Es geht nicht mehr“, erklärt Ferdinand Baer, Fachlicher Leiter der Vogelauffangstation.

Mauersegler beim Füttern | © Alexander Stark © Alexander Stark
Dei Aufpäppelung von Mauerseglern und Schwalben ist anspruchsvoll, fehleranfällig und zeitaufwändig.

Wie angespannt die Situation ist, zeigt das Beispiel der LBV-Vogelstation in Regenstauf. Dort wurden im vergangenen Jahr insgesamt fast 1.800 gefiederte Patienten versorgt. In diesem Jahr liegt die Station bereits jetzt bei rund 1.400 Tieren – obwohl gerade erst das erste Halbjahr vorbei ist. „Wir mussten daher die Notbremse ziehen, damit wir die uns anvertrauten Tiere weiterhin optimal versorgen können. Auch unsere räumlichen Möglichkeiten sind erschöpft“, sagt Ferdinand Baer.

An nur einem einzigen Tag kamen über 200 Tiere in Regenstauf an, fast alle waren Mauersegler. Viele von ihnen wurden aus ganz Bayern gebracht, weil auch andere Auffangstationen keine weiteren Tiere mehr aufnehmen können. Das Team des LBV füttert die Vögel derzeit im Akkord. Der Aufnahmestopp ist der erste in gut 30 Jahren seit Bestehen der Regenstaufer Station, der größten Einrichtung ihrer Art in Bayern.

Junge Mauersegler retten sich vor extremer Hitze durch Sturz ins Freie

Mauersegler unterm Dach | © Richard Straub © Richard Straub
Die Brutplätze der Gebäudebrüter können sich bei extremer Hitze stark aufheizen.

Gebäudebrüter wie Mauersegler und Schwalben brüten häufig unter in Spalten oder Nischen an Gebäuden. Diese Brutplätze können sich bei extremer Hitze stark aufheizen. Für noch nicht flugfähige Jungvögel wird das Nest dann zur tödlichen Falle. „Viele Jungvögel retten sich durch einen Sprung ins Freie. Doch sobald sie am Boden liegen, werden sie von den Altvögeln in der Regel nicht mehr versorgt und sind dringend auf Hilfe angewiesen“, sagt Baer.

Gefundene Vögel nach Möglichkeit selbst versorgen

Der LBV bittet Vogelfreundinnen und Vogelfreunde deshalb in der aktuellen Ausnahmesituation, aufgefundene junge Mauersegler und Schwalben nach Möglichkeit zunächst selbst zu versorgen. Normalerweise rät der LBV bei diesen Arten dazu, die Tiere möglichst schnell in fachkundige Hände oder eine Auffangstation zu bringen, denn die Aufpäppelung von Mauerseglern und Schwalben ist anspruchsvoll und fehleranfällig. Aufgrund der derzeitigen Überlastung vieler Stationen ist das aber nicht möglich. Wer ein betroffenes Tier findet, sollte sich deshalb genau informieren und die Hinweise zur Erstversorgung beachten. Tipps und weiterführende Informationen gibt es unter: www.wildvogelhilfe.org

von Kristin Machmer | lbv.de,

Adulter Bartgeier sitzt auf Fels | © Rosl Roessner © Rosl Roessner
© Rosl Roessner

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