Vom Nest bis in den Süden

Erste erfolgreiche Bilanz der aufwendigen LBV-Schutzprojekte für den Großen Brachvogel

Mit vereinten Kräften, hohem Einsatz und abgestimmten Methoden ist es dieses Jahr gelungen, eine beachtliche Anzahl an Großen Brachvögeln mit GPS-Sendern auszustatten. Diese liefern detaillierte Informationen, damit wir künftig nicht nur in den bayerischen Brutgebieten, sondern auch in ihren Rast- und Wintergebieten, einen optimierten Lebensraum erhalten und gestalten zu können.

Drei Große Brachvögel auf einer Wiese | © Andreas Hartl © Andreas Hartl
2020 lassen sich erste Erfolge im Brachvogel-Schutzprojekt nachweisen

Der Große Brachvogel ist in Bayern vom Aussterben bedroht. Sein bayerischer Brutbestand beläuft sich mittlerweile nur noch auf unter 500 Brutpaare. Hauptursache ist der Lebensraumverlust, der mit Wassermangel und ungünstigen Flächenstrukturen einhergeht. Weitere Faktoren für den Bestandsrückgang sind zunehmende Störungen durch Freizeitaktivitäten sowie der enorme Druck durch Bodenprädatoren wie den Fuchs.

Unklar ist bislang, welche Rolle Verluste auf dem Zug und während des Aufenthalts im Winterquartier für die Bestandsentwicklung spielen. Neue Erkenntnisse hierüber soll das vom LBV und dem Landesamt für Umwelt (LfU) konzipierte und vom Bayerischen Naturschutzfonds geförderte Telemetrie-Projekt liefern. In dessen Rahmen werden seit 2017 Große Brachvögel mit GPS-Sendern ausgestattet und ihre Zugrouten dokumentiert. Mittlerweile liegen Daten zu 22 besenderten Vögel vor, die über unterschiedlich lange Zeiträume gesammelt wurden.

Das LBV-Schutzkonzept im Altmühltal

Großer Jungvogel der Brachvögel und Eier | © LBV © LBV
Im Altmühltal erreichten dieses Jahr 27 Jungvögel das flugfähige Alter

Ein großes Problem für eine Ausweitung des Besenderungsprojekts sind die sehr geringen Reproduktionszahlen in vielen bayerischen Gebieten. Um diesen entgegenzuwirken hat der LBV im Altmühltal gemeinsam mit der Höheren Naturschutzbehörde in einem zusätzlichen Projekt ein Notfallkonzept umgesetzt, das bisherige und kurzfristig weitere Maßnahmen zum Schutz der Bruten kombiniert. Neu ist zum Beispiel der Einsatz von Drohnen zur Gelegesuche. Dazu wurden riesige Schutzzäune errichtet und die Brachvogelfamilien werden zur Lokalisierung der Küken mittels Radiotelemetrie intensiv beobachtet.

Bereits 2019 nahm durch dieses Pilotprojekt die Zahl flügger Brachvögel im Altmühltal wieder zu. In diesem Jahr gelang dort erstmals seit 2008 wieder eine bestandserhaltende Reproduktion und insgesamt 27 Jungvögel erreichten das flugfähige Alter. Die Grundlage dieses Erfolges liegt klar in der konstruktiven und langjährigen Zusammenarbeit der Gebietsakteure, dem hohen Arbeitseinsatz und der sehr gut abgestimmten Methoden zum Schutz der Sorgenkinder.

Folgende Maßnahmen wurden im Altmühltal-Projekt durchgeführt:

  • Anbringung eines Großzauns​
  • Gelegesuche​
  • Eivermessung, Berechnung Schlupftermin, Gelegeschutz, Wildkamera, Notiz wichtiger Strukturen in Nestnähe​
  • Kontrollen, Kommunikation Behörden und Landwirte​
  • Schlupftermin: Vermessung Küken, Beringung, Besenderung mit Radiosender​
  • Betreuung der Brachvogelfamilien durch Radiotelemetrie und Beobachtung, Farbberingung​
  • Koordination Aufenthalte der Küken mit den Mahd Terminen​
  • Erfolgskontrolle flügge gewordener Jungvögel​

Das Telemetrie-Projekt

Von diesem Erfolg profitiert nun auch das zeitgleich laufende Telemetrie-Projekt. So konnten 2020 endlich wieder sieben flugfähige Jungvögel mit Satellitensendern ausgestattet werden. Ergänzt wurde die Testgruppe durch einen Fang im Donaumoos, so dass aktuell insgesamt acht bayerische „Sendervögel“ einen bislang beispiellosen Einblick in das Brachvogelleben gewähren. Derzeit lassen sich sechs der besenderten Brachvögel live auf unserer Homepage in ihren Wintergebieten beobachten. Sie halten sich an den Küsten Frankreichs, Portugals und Marokkos auf. Während ihrer Reise dorthin erbrachten sie beachtliche Flugleistungen: Einige Vögel legten den weiten Weg nach Süden innerhalb einer Nacht zurück und erreichten dabei eine Flughöhe von über 2000 Meter. Spitzengeschwindigkeiten von 90 km/h waren keine Seltenheit.

Die Auswertung der Daten

Großer Brachvogel steht auf einer Wiese und hat einen GPS-Sender auf dem Rücken hängen, seiht aus wie eine Art Rucksack | © Günther von Lossow © Günther von Lossow
Die Besenderung liefert bahnbrechende Erkenntnisse über Große Brachvögel

Derzeit werden diese eingehenden Daten von uns ausgewertet, um zeitnah zielgerichtete Schutzmaßnahmen einzuleiten. Zusammen mit den bereist erhobenen Daten durch die lokale Radiotelemetrie der besenderten Küken aus dem Altmühltal gelangen bereits erste bahnbrechende Erkenntnisse. So lassen sich jetzt bei uns in Bayern Schlafplätze und „Lieblingswiesen“ der Vögel flächenscharf erkennen, sodass diese gezielt optimiert werden können. Wir können außerdem das Zugverhalten interpretieren und dabei Rast- und Wintergebiete zielgenau feststellen.

Notwendige internationale Zusammenarbeit

Und auch auf die Frage nach dem Verbleib der Vögel gibt es in einigen Fällen eine Antwort. Die Reise der durch die ausführliche Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung bekannt gewordenen „Schnepfingerin“ endete vermutlich mit einem Abschuss in Spanien. Dieser Fall zeigt zudem, dass der Schutz unserer bayerischen Brachvögel nicht an der Landesgrenze enden kann. Vielmehr lassen sich die angestrebten Schutzziele nur durch eine internationale Zusammenarbeit und abgestimmte Schutzziele für alle Lebensetappen der Vögel konsequent und nachhaltig umsetzen.

Verena Auernhammer

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