Stationäre Telemetrie-Technik für bedrohte Brachvögel

Zur Standortbestimmung von Brachvogelküken wird der Einsatz eines neuartigen Ortungssystems erprobt mit dessen Vorstufe bereits wichtige Einblicke in das Verhalten der Familien erzielt, und gezielte Schutzmaßnahmen erfolgreich umgesetzt werden konnten. Wenn das neue System erfolgreich arbeitet, können in Zukunft auch andere Wiesenbrütergebiete von dieser Telemetrie-Technik profitieren.

Brachvogel_Telemetrie-Gelände | © Tobias Petschinka © Tobias Petschinka
Ein Gebiet in dem das neuartige Ortungssystem von Brachvögeln erprobt wird

Der Große Brachvogel - vom Aussterben bedroht

Der Große Brachvogel ist der größte Vertreter der Watvögel in Europa.

Charakteristisch ist sein langer, gebogener Schnabel, mit dem er Kleintiere wie Schnecken und Regenwürmer vom Boden aufpicken und in Erdlöchern oder zwischen Steinen nach ihnen stochern kann. Ursprünglich brütet er vor allem in Mooren, Dünen, Feuchtwiesen und auf störungsarmen Weiden.

Er ist ein Bodenbrüter, der sein Nest in Mulden baut, die er mit Pflanzenmaterial auspolstert. Mit zunehmendem Lebensraumverlust gehört er in Deutschland leider zu den vom Aussterben bedrohten Arten. Intensiv genutztes Grünland, Entwässerung und die Prädation durch Bodenräuber sind die bislang belegten Hauptursachen dafür.

LBV bestimmt Aufenthaltsorte der Brachvogelküken

Tobias Petschinka
Tobias Petschinka - Mitarbeiter im Brachvogel Telemetrie Projekt

Auch in Bayern ist sein Bestand stark gefährdet, es gibt nur noch knapp 500 Brutpaare. Deshalb hat es sich der LBV schon vor Jahren zur Aufgabe gemacht, den Bestand des Großen Brachvogels zu schützen.

Seit 2019 läuft ein Projekt im Altmühltal, bei dem juvenile Brachvögel mit Radiotelemetriesendern ausgestattet werden, um bessere Erkenntnisse über deren Aufenthaltsorte und das Verhalten der Vogelfamilien in den Flächen zu gewinnen. Mithilfe der Besenderung konnten bereits eingeleitete Schutzmaßnahmen greifen und erstmals seit 2008 ein bestandserhaltender Bruterfolg erzielt werden.

Zum Beispiel wird durch die Absprache mit den Landwirten die Mahd von Wiesen, in denen sich gerade Brachvogelküken aufhalten, verschoben und auch junge Brachvögel kurz vor dem Flüggewerden geortet, um mit GPS-Sendern für die weitere Beobachtung ausgestattet werden zu können.

Einsatz des neuartigen Telemetriesystems

Empfängerstation Brachvogel Telemetrie
So schaut das neue stationäre Ortungssystem aus

In Zusammenarbeit mit der Universität Marburg (LOEWE Schwerpunkt Natur 4.0) wird an einer technischen Weiterentwicklung, gegenüber den bisher genutzten mobilen Empfangsantennen, geforscht. Es werden stationäre Empfänger im Gelände erprobt, die eine Live-Übertragung der aufgezeichneten Senderdaten ermöglichen, wodurch eine störungsärmere Standortbestimmung realisiert werden kann.

Darüber hinaus lassen sich aus den empfangenen Daten Aktivitätsmuster ableiten und eventuelle Senderverluste oder Sterbeereignisse unmittelbar feststellen.

Die Audi Stiftung für Umwelt beteiligt sich an der Finanzierung von drei Empfängerstationen dieser neuartigen Ortungstechnik. In einem Probelauf werden acht Brachvogelfamilien überwacht.

Der Vorteil des stationären Systems gegenüber der Handantenne ist eine enorme Zeitersparnis, weniger Personaleinsatz/Personalbedarf und eine deutlich höhere Genauigkeit und Anzahl der Daten. Wenn das System wie erwartet arbeitet, sind auch andere Wiesenbrütergebiete an dieser Telemetrie-Technik interessiert, da es überall an personellen Kapazitäten für die Handtelemetrie fehlt.

Aus diesem Grund hat auch der Deutsche Rat für Vogelschutz (DRV) eine Förderung des Pilotprojektes beschlossen. Die meisten Wiesenbrüterarten stehen auf der Roten Liste in Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht), sodass vielversprechende Neuentwicklungen zur Verbesserung der Schutzoptionen im Interesse des DRV liegen. Die Audi Stiftung für Umwelt unterstützt die Weiterentwicklung eines Moduls des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) zum Schutz des Großen Brachvogels.

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Stationäre Telemetrie-Technik für bedrohte Brachvögel (Kopie)

© Tobias Petschinka

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