Mit Hightech-Solarrucksack auf Reisen

Hintergrundinformationen zu unserem Satelliten-Telemetrie-Projekt Großer Brachvogel

Der Große Brachvogel steht wie kaum ein anderer Vogel für das Problem der Wiesenbrüter in Bayern. Diese verlieren zunehmend geeignete Brut- und Nahrungsflächen und die intensive Bewirtschaftung der Felder gefährdet ihren Nachwuchs. Der LBV kooperiert mit der Vogelschutzwarte am Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) und den Naturschutzbehörden um mit Hilfe besenderter Vögel mehr über das Leben dieser Art herauszufinden, um ihren Schutz zu verbessern. Gefördert wird das Projekt durch den Bayerischen Naturschutzfond.

Großer Brachvogel in seichtem Gewässer | © Rosl Rössner © Rosl Rössner

Bruterfolg des Großen Brachvogels liegt nahezu bei null

Brachvogel im Flug mit Sender | © Wolfgang Nerb © Wolfgang Nerb
Mit dem "Hight-Tech-Rucksack" kann man den Standort der Brachvögel nachverfolgen

Noch knapp 500 Brutpaare des unscheinbar gefärbten Vogels mit dem langen, gebogenen Schnabel sind in Bayern noch zuhause. Eigentlich eine ganz beachtliche Zahl, aber tatsächlich nimmt der Bestand des Wiesenbrüters deutschlandweit seit den 1970er Jahren stetig ab – besonders stark in Süddeutschland.

Dass der Rückgang nicht noch dramatischer ausfällt, liegt einzig daran, dass Brachvögel sehr alt werden können. Ihr Bruterfolg ist in vielen Gebieten besorgniserregend niedrig. So brachten beispielsweise 2015 im Wiesmet bei Gunzenhausen 37 Paare des Wiesenbrüters lediglich einen einzigen Jungvogel zum Ausfliegen.

Die Ursachenforschung der geringen Reproduktion ist aber nur eine von vielen Fragestellungen.

Wenig bekannt waren bislang beispielsweise auch das Zugverhalten und die Gefahren, denen Brachvögeln unterwegs ausgesetzt sind. Wo liegen die Winterquartiere unserer bayerischen Brutvögel und wo verbleibt der Nachwuchs? Aber selbst über die Flugbewegungen vor Ort und wie die Vögel ihren heimischen Lebensraum in den Brutgebieten nutzen wissen wir noch zu wenig.

Daher konnte bisher auch der Schutz der Vögel nicht optimal gesteuert werden. Seit 2016 stattet der LBV nun erwachsene Große Brachvögel und Jungvögel mit GPS-Loggern, also winzigen GPS-Geräten, aus. Dabei kommen dem Projekt bisherige Erfahrungen aus dem LBV-Satellitentelemetrie-Projekt zum Kuckuck aus den Jahren 2013 bis 2016 zugute. Bis auf wenige Meter genau übermitteln die solarbetriebenen Hightech-Sender die Position der Vögel regelmäßig über das Mobilfunknetz.

23 Vögel insgesamt schon besendert

Projektleiterin Verena Auernhammer (links) und Rebekka Leiß mit einem junge großen Brachvogel in der Hand | © LBV © LBV
Projektleiterin für das Brachvogel-Telemetrieprojekt Verena Auernhammer (links) und Bachelorantin (HS Weihenstephan in Triesdorf) Rebekka Leiß lassen einen besenderten Brachvogel frei

Seit 2016 haben wir insgesamt 23 Vögel besendert, die schon einige sehr interessante Daten gesendet haben. 2020 konnten wir acht neue Große Brachvögel besendern, von denen fünf gerade senden. Zudem sendet aktuell noch ein Brachvogel aus dem Jahr 2017 (Nume 14). Damit haben wir insgesamt vier Jungvögel und zwei Adultvögel momentan am Sender.

Wenn die Jungvögel kurz vor dem Flügge werden sind, das geeignete Alter und die entsprechende Größe erreicht haben, werden sie mit den Sendern ausgestattet. Mithilfe der gewonnenen Daten sollen bisherige Schutzmaßnahmen auf ihre Wirksamkeit geprüft und weiterführende Maßnahmen entwickelt werden - sowohl im Brutgebiet als auch in den Rast- und Überwinterungsgebieten.

Sender decken Ungewöhnliches auf

Satelliten-Karte, auf der die Brachvögel live mitverfolgt werden können
Satelliten-Karte, auf der die Brachvögel live mitverfolgt werden können

Für unsere bayerischen Brachvögel konnten aus den bisherigen GPS-Daten Portugal, Spanien, Frankreich und Marokko als Überwinterungsgebiete identifiziert werden. Auch zeigte sich, dass Jungvögel im Jahr nach ihrem Schlupf nicht zwingend schon in ihre Brutgebiete bei uns zurückkehren. So verweilen aktuell vier besenderte Jungvögel das ganze Jahr in ihren Überwinterungsgebieten

Zum Projekt gehört ferner die Zusammenarbeit mit Ornithologen vor Ort. Früher als geplant begann diese 2018 in Marokko, nachdem die Signale eines besenderten Jungvogels ein untypisches Verhaltensmuster zeigten und er sich anscheinend innerhalb einer marokkanischen Stadt bewegte. Mit den Kollegen von BirdLife-Marokko erforschten wir was genau dem jungen Brachvogel zugestoßen ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist er Wilderern zum Opfer gefallen. Zwischenzeitlich gab es sogar weitere Fälle, in denen unsere besenderten Vögel auf fragwürdige Art und Weise verschwunden sind.

Neben diesen ungewöhnlichen Entdeckungen konnten bisher aber auch andere interessante Aspekte über das Leben und das Verhalten der Großen Brachvögel herausgefunden werden.

Bayerischer Naturschutzfonds

 

 

 

 

Das Telemetrie-Projekt zum Großen Brachvogel wird mit Mitteln aus dem Bayerischen Naturschutzfonds gefördert. 

Ihre Fragen beantwortet Ihnen:

Verena Auernhammer

Mehr über den Großen Brachvogel

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