Schon wieder: Zahlreiche Greifvögel mit Carbofuran vergiftet
Neue Fälle in den Landkreisen Eichstätt, Freising, Miltenberg und Traunstein – Rettung in letzter Minute für betroffenen Habicht
Erneut sorgen mehrere Fälle von Naturschutzkriminalität in Bayern für Aufsehen. Darauf weisen der LBV und die Gregor Louisoder Umweltstiftung (GLUS) hin. Sowohl in Unterfranken als auch in Oberbayern haben in den vergangenen Wochen und Monaten bislang Unbekannte mindestens sieben Vögel mit dem auch für Menschen gefährlichen Insektizid Carbofuran vergiftet.
Für einen Habicht, der sich an einer präparierten „Kamikaze-Taube“ vergiftet hatte, ging die Sache gut aus: Weil ein Tierarzt sofort handelte, konnte er gerettet werden. „Wer einen Greifvogel vergiftet, begeht kein Kavaliersdelikt, sondern eine ernstzunehmende Straftat“, erklärt Christoph Bauer, der das Projekt „Tatort Natur“ beim LBV betreut. „Wir bringen deshalb jeden Fall zur Anzeige.“
Anfang April wurde in Eschau nahe des unterfränkischen Miltenbergs ein lebender Habicht mit einer toten Taube über die Plattform „Tatort Natur“ gemeldet. Bei dem Ködertier handelte es sich um eine „Kamikaze-Taube“ ohne Kopf. Das Tier war mit einem auffällig pinkfarbenen Pulver in den Federn präpariert – ein klassischer Hinweis auf das seit Jahren verbotene und hochtoxische Kontaktgift Carbofuran. Kriminelle nutzen solche Tauben als Köder, um Greifvögel anzulocken, die natürlicherweise Jagd auf andere Vögel machen und sich dann daran vergiften. Eine toxikologische Untersuchung bestätigte bei beiden Tieren Spuren des Insektizids. Dank einer Kropfspülung konnte der Habicht gerettet werden. „Auch wenn es leider nicht der erste uns bekannte Fall ist, bei dem solche ‚Kamikaze-Tauben‘ zum Einsatz kommen, sind wir immer wieder schockiert von dieser perfiden Vorgehensweise“, sagt Christoph Bauer vom LBV.
Weitere Fälle in Oberbayern gemeldet
Wenige Wochen später wurden dem LBV drei weitere Vergiftungsfälle in Oberbayern gemeldet: drei Mäusebussarde im Landkreis Freising, ein Rotmilan im Landkreis Eichstätt und ein weiterer Rotmilan im Landkreis Traunstein. Im Fall der Mäusebussarde in der Nähe von Allershausen im Landkreis Freising war besonders auffällig, dass die Kadaver an einem Ort zusammen lagen. Die Pathologen des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) fanden bei Untersuchungen verdächtige Fleischstückchen im Verdauungstrakt der Greifvögel. Der Rotmilan im Landkreis Eichstätt bei Pförring wies typische Symptome einer Vergiftung auf: verkrampfte Fänge auf und Speichel vor dem Schnabel. Im Fall des Rotmilans bei Obing im Landkreis Traunstein waren die Naturschützerinnen und Naturschützer besonders alarmiert, weil in den vergangenen Jahren bereits weitere Vögel in der Gegend vergiftet worden waren. Toxikologische Untersuchungen bestätigten in fast allen Fällen eine Vergiftung mit Carbofuran. Lediglich einer der Bussarde war bereits zu stark verwest.
Beim Melden auf Selbstschutz achten
LBV und GLUS rufen auch in allen anderen Regionen Bayerns dazu auf, mögliche Vergiftungsfälle oder Giftköder an die zuständige Polizeiinspektion und online unter www.tatort-natur.de zu melden. „Dabei ist es wichtig, auf den Selbstschutz zu achten. Die von den Tätern verwendeten Giftstoffe sind auch für Menschen und Haustiere hochgefährlich. Fassen Sie nichts an, was verdächtig erscheint“, warnt Franziska Baur, GLUS-Fachreferentin für Naturschutz.
von Kristin Machmer | lbv.de,