Habicht

(Accipiter gentilis)

Habicht in einem Feld am Boden | © Rosl Rößner © Rosl Rößner
Habicht sitzt in einem Feld am Boden

Der Habicht ist neben dem Mäusebussard Zielart Nummer eins der illegalen Greifvogelverfolgung in Deutschland ist. Mit der Wahl zum Vogel des Jahres 2015 wollten wir dieses Jahr nutzen, um die Verfolgung ganz besonders ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Denn illegal abgeschossene, vergiftete oder gefangene Habichte sind nach wie vor trauriger Alltag. 

Nach wie vor geht der Mythos um, Habichte seien für den Rückgang bestimmter Arten wie Feldhase und Rebhuhn verantwortlich. Vielmehr finden Rebhühner immer weniger Brutplätze und für ihre Küken nicht mehr ausreichend Insekten zum Überleben - Resultat einer industriell geprägten Landwirtschaft unter Einsatz von Pestiziden. Ähnliches trifft auch auf die Feldhasen zu.

Der Habicht wird im Volksmund auch öfter Stoßvogel, Stoßfalk, Hühnerräuber, Hühnerfresser, Hühnerstößer, Hühnerhabicht, Hühnergeier, Hennenhacht oder auch geflügelter Teufel genannt.

Ruf des Habichts - Hier reinhören!

Kennzeichen

Habicht im Flug mit ausgebreiteten Flügeln | © Wolfgang Lorenz © Wolfgang Lorenz
Nur mit etwas Glück kann man den Habicht im Flug beobachten

Wer den Habicht beobachten möchte braucht Geduld, denn oft ist dieser scheue Waldvogel nur für Sekunden während seiner Jagdflüge zu sehen. In der Größe mit einem Bussard vergleichbar, ist der Habicht vor allem mit seinem langen Schwanz und der im Flug gut sichtbaren hell-dunkel - quer gebänderten Unterseite gut zu erkennen. Von dem ihm ähnlichen Sperber, ist der Habicht vor allem dadurch zu unterscheiden, dass unser Jahresvogel deutlich größer ist als sein Verwandter.

Allgemeine Erkennung:

  • Breite, relativ kurze, abgerundete Flügel ; langer Schwanz
  • Unterseite: hell mit schmalen, schwarzen Querstreifen gebändert oder "gesperbert"
  • Heller Überaugenstreif und gelb (Jungvogel) bis dunkelorange/rubinrot (Altvogel) gefärbte Iris

Jungvögel:

  • graubraunes Gefieder
  • Unterseite nicht gesperbert, sondern zeigt Tropfenmuster
  • Oberseite: bräunlich, Großteil der Federn besitzt hellbeige Ränder
  • Kopf ist noch recht kontrastarm; undeutlicher, heller Überaugenstreifen
  • Flügel und Schwanz sind kontrastreich und grob dunkel gebändert

Altvögel:

  • Diese Bänderung ist nur noch diffus vorhanden
  • Oberseite: einfarbig blaugrau (Männchen) bzw. braungrau (Weibchen)
  • Unterseite: weiß, schmal und eng quer gebändert
Habichtpaar auf einem Felsen | © C. Neumann © C. Neumann
Habichtpaar auf einem Felsen

Lebensraum

Vielfach versteckt lebender Brutvogel, vorwiegend in Nadelwäldern und an Waldrändern, zunehmend aber auch in Großstädten wie z.B. Berlin zu finden.

Jagd

Oft aus verstecktem Ansitz, manchmal aus niedrigem Suchflug, nur selten im Sturzflug. Versucht dabei möglichst in Deckung zu bleiben und mit Überraschungsangriffen zu punkten. Kann blitzschnell auf seine Maximalgeschwindigkeit beschleunigen, die er allerdings nicht lange durchhält.

Fortpflanzung und Brut

Mit etwas Glück ist zur Paarungszeit im Spätwinter der spektakuläre Balzflug der Habichte zu sehen, was eine gute Möglichkeit ist die scheuen Jäger "live" zu erleben. Atemberaubende Sturzflüge und schroffe Wendungen bieten ein einmaliges Naturschauspiel. Hat sich ein Habichtpaar gefunden, baut es seinen Horst in der Astgabel eines hohen Baums. Von Mitte März bis April legt das Weibchen drei bis vier Eier aus denen nach etwa 27 bis 39 Tagen die Jungvögel schlüpfen. Mit 40 bis 45 Tagen sind die jungen Habichte flugfähig, halten sich jedoch zunächst in Horstnähe auf, bis sie im Alter von zwei bis drei Monaten das Revier ihrer Eltern verlassen. Habichtpartner bleiben ein Leben lang zusammen, sind sehr reviertreu und werden nur außerhalb der Brutzeit wieder zu Einzelgängern. Wie bei den meisten Greifvögeln sind weibliche Tiere deutlich größer und schwerer:

  • Männchen: Länge ca. 50 cm, Flügelspannweite ca. 100 cm, Gewicht im Mittel ca. 720g
  • Weibchen: Länge ca. 60 cm, Flügelspannweite ca. 115 cm, Gewicht im Mittel ca. 1130g

Nahrung

Habicht sitzt am Boden und frisst wohl einen Rabenvogel | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Habicht frisste am liebsten lebendige Beute

Der Körperbau des Habichts ist perfekt an schnelle Kurzstreckenflüge angepasst: Breite, relativ kurze und abgerundete Flügel, der lange Schwanz und seine kraftvolle Muskulatur machen ihn zu einem überlegenem Schnellstarter und verleihen ihm eine besondere Wendigkeit. So kann er auch blitzschnell auf seine Maximalgeschwindigkeit beschleunigen und punktet gerne mit Überraschungsangriffen aus der Deckung heraus.

Dabei bevorzugt er vor allem lebendige Beute und greift nur bei knappem Angebot auf Aas zurück. Als Hauptnahrung gelten Straßen- und Ringeltauben sowie Krähen, Elstern, Eichelhäher und andere Rabenvögel, wobei er sich aber sehr danach ausrichtet, was in seinem Revier zahlreich vorkommt. Wie alle Greifvögel fängt der Habicht sehr häufig kranke, geschwächte oder unerfahrene Tiere. Dies gibt ihm eine sehr wichtige Rolle im Rahmen der natürlichen Auslese.

Gefahren für den Habicht - Illegale Greifvogelverfolung

Habicht ist im Flug auf der Jagd und ist kurz davor seine Beute zu greifen | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Ein Habicht auf der Jagd

Nach wie vor geht der Mythos um, Habichte seien für den Rückgang bestimmter Arten wie Feldhase und Rebhuhn verantwortlich. Vielmehr finden Rebhühner immer weniger Brutplätze und für ihre Küken nicht mehr ausreichend Insekten zum Überleben - Resultat einer industriell geprägten Landwirtschaft unter Einsatz von Pestiziden. Ähnliches trifft auch auf die Feldhasen zu.

Etwas anders liegt der Fall bei den Fasanen: Niederwildjäger schießen heute hauptsächlich Jagdfasane, die zu diesem Zweck eigens gezüchtet und dann in großer Anzahl ausgesetzt werden. Damit verhelfen Jäger natürlich auch dem Habicht zu einem gedeckten Tisch, da er diese unerfahrenen Tiere leicht fangen kann. In Gegenden mit intensiver Fasanenjagd ist daher meist auch eine verstärkte Habichtverfolgung zu beobachten, da diese als Konkurrenten bei der Jagd angesehen werden. Dabei wissen wir heute, anders als früher angenommen, dass die Zahl der Beutetiere die Zahl der Beutegreifer eher bestimmt als umgekehrt. 

Habichtfangkorb auf einer grünen Wiese | © Komitee gegen Vogelmord © Komitee gegen Vogelmord
Habichtfangkörbe sind illegal

Besonders unbeliebt ist der Habicht bei vielen Brieftaubenzüchtern. Jahr für Jahr stellen Polizisten und Tierschützer in Deutschland Habichtfangkörbe sicher - viele davon in der Nähe von Taubenhaltungen. Dabei wiegen die Verluste durch verirrte oder erschöpfte Tauben bei Brieftaubenrennen ungleich schwerer als die durch den Habicht verursachten.

Im Wald sind Forstarbeiten für brütende Habicht-Paare massiver Stress. Absichtlich oder aus Unkenntnis gefällte Horstbäume zerstören gar die Brutplätze der fliegenden Jäger. Lebt er in der Stadt, ist er zwar recht sicher vor Verfolgung, doch lauern hier andere Gefahren: So ist der Aufprall auf Glasscheiben die Haupttodesursache.

Habicht schützen - Verfolgung stoppen!

Habicht steht auf einer Wiese | © Rosl Rößner © Rosl Rößner
Viele Mythen ranken sich um den Habicht

Seit Anfang der 1970er Jahre gehören Greifvögel zu den streng geschützten Arten. Zwar sind sie alle im deutschen Jagdrecht als jagdbare Arten aufgeführt, genießen jedoch eine ganzjährige Schonzeit. Jede Nachstellung ist daher eine Straftat, die mit bis zu fünf Jahren Gefängnis geahndet werden kann. Immer wieder setzen sich Jagdverbände und Brieftaubenzüchter mit fadenscheinigen Argumenten für die Aufhebung des Jagdverbotes bei Habichten und anderen Greifvögeln ein.

Der LBV fordert deshalb, dass die illegale Greifvogelverfolgung gestoppt, die Einhaltung der strengen Schutzmaßnahmen besser kontrolliert und härter geahndet wird, und setzt sich dafür ein, dass in Bayern eine Stabsstelle gegen Umweltkriminalität eingerichtet wird.

So können Sie dem Habicht und seinen Verwandten helfen!

  1. Erkennen und melden Sie illegale Greifvogelverfolgung!
    Machen Sie Fotos und zeigen Sie Störungen oder Vernichtungen von Bruten und Nestern sowie Fallen mit Locktauben, vergiftete oder abgeschossene Greifvögel bei der Polizei oder den Naturschutzbehörden an.
  2. Horstschutzzonen einrichten:
    Melden Sie Habichtbrutplätze an die zuständigen Forst- und Grünflächenämter. Die Kenntnis von Brutrevieren, Horstbäumen und Wechselhorsten hilft bei verbesserter Forstwirtschaft in diesem Gebiet und dem Erkennen illegaler Verfolgung.
  3. Glasscheiben vogelsicher machen
    Informieren Sie Straßenbauverwaltungen oder Verkehrsbetriebe über die Gefahren unzureichend gesicherter gläserner Wind- und Lärmschutzscheiben, Hausecken oder Wartehäuschen und empfehlen Sie Schutzmaßnahmen.
  4. Verletzte Vögel bergen
    Haben Sie einen verletzten Greifvogel gefunden, wenden Sie sich an die Unteren Landschaftsbehörden, die Landesämter für Umwelt und Natur oder den LBV bzw. die jeweiligen NABU Landesverbände. Falls möglich, ist die nächstgelegene veterinärmedizinische Einrichtung natürlich die erste Adresse, um dem Tier zu helfen.

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