LBV fordert mehr Tempo bei der Wiedervernässung im Donaumoos
Moorschutz als überragendes öffentliches Interesse einstufen
Anlässlich des heutigen Ortstermins von Umweltminister Thorsten Glauber im Donaumoos fordert der bayerische Naturschutzverband LBV von der Staatsregierung die Wiedervernässung von Mooren deutlich zu beschleunigen und rechtlich zu stärken.
LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer:
„Die Zeit der Entwässerung muss endgültig einer Zeit des Wasserrückhalts weichen. Die aktuelle Trockenheit zeigt eindringlich, wie dringend wir Wasser in der Landschaft halten müssen, sowohl im Donaumoos als auch weit darüber hinaus. Das ist eine der größten Zukunftsaufgaben unserer Gesellschaft. Der LBV fordert deshalb die Wiedervernässung trockengelegter Moore im Bayerischen Naturschutzgesetz als überragendes öffentliches Interesse einzustufen, um den Stellenwert der Maßnahmen rechtlich zu stärken.
In den vergangenen fünf Jahren wurden im Donaumoos rund 140 Hektar wiedervernässt, weitere 60 bis 100 Hektar befinden sich derzeit in Planung. Das sind wichtige Schritte. Angesichts der Dimension der Aufgabe, dass bis 2030 insgesamt 2.000 Hektar wiedervernässt werden sollen, reicht dieses Tempo jedoch nicht aus. Angefangen beim Staat, dann über die Kommunen und Kirchen und am Ende bis hin zum Einzelnen müssen alle Flächeneigentümer Verantwortung für dieses einzigartige Gebiet übernehmen. Auch Vorgaben etwa aus dem Wasserrecht dürfen den Moorschutz nicht ausbremsen. Gleichzeitig muss die Finanzierung von Flächenankäufen langfristig gesichert sein.“
Hintergrund
Im Mai 2021 hatte Ministerpräsident Markus Söder zusammen mit Umweltminister Thorsten Glauber und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber angekündigt, bis 2030 insgesamt 2.000 Hektar der Fläche des ehemaligen größten bayerischen Niedermoors wiederzuvernässen. Durch die jahrzehntelange Entwässerung werden im Donaumoos jedes Jahr fast eine halbe Million Tonnen CO₂ freigesetzt. Das entspricht dem jährlichen Treibhausgasausstoß von rund 75.000 Menschen in Bayern. Gleichzeitig gehen jährlich etwa eine Million Tonnen Moorboden unwiederbringlich verloren.
Die anhaltende Trockenheit verdeutlicht die Bedeutung wiedervernässter Moore. Intakte Moore wirken wie ein Schwamm. Sie speichern Wasser in niederschlagsreichen Zeiten und geben es in Dürreperioden langsam wieder ab. Gleichzeitig puffern sie Starkregenereignisse ab und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz.
Stuft die Bayerische Staatsregierung Moorwiedevernässung als überragendes öffentliches Interesse ein, dann stärkt sie deren Stellenwert in Zeiten der Klima- und Naturkrise rechtlich. Planungs- und Genehmigungsverfahren für mehr Moorschutz werden so erleichtert. Nur wenn Bayern den Wasserrückhalt in der Fläche konsequent verbessert, können Moore ihre wichtige Funktion für Klimaschutz, Artenvielfalt und den natürlichen Wasserhaushalt langfristig erfüllen.