Rotmilan

Milvus milvus

Ruf des Rotmilans - Hier abspielen! (www.tierstimmen.de)

Seitliche Aufnahme eines Rotmilans | © Marcus Bosch © Marcus Bosch

Größe: einer der größten heimischen Greifvögel

Aussehen: Oberseite rotbraun, Unterseite fuchsbraun mit schwarzen Streifen, tief gegabelter Schwanz

Stimme: gedehnt, klagend "djüh wiuwiu wiuu"

Vorkommen: strukturreiche Landschaften

Volkstümliche Namen

Wie der Name schon sagt, hat der Rotmilan einen hell bräunlich bis rostroten Rücken. Der Vogel ist wegen seines tief gespaltenen Schwanzes auch unter dem Namen 'Gabelweihe' bekannt.

Beschreibung

Mit einer Körpergröße bis zu 70 cm und einer Spannweite bis zu 165 cm ist der Rotmilan nach See- und Steinadler unser größter heimischer Greifvogel. Auffälligstes Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen Arten ist sein tief gegabelter Schwanz. Färbung: Grundfarbe rostbraun, großes weißes Feld auf der Unterseite der Vorderflügel, weißlicher bis grauer Kopf. Schwanz oberseits rostfarben, unterseits hellgrau bis hellbraun. Eine Unterscheidung von Männchen und Weibchen am Gefieder ist nicht möglich; Jungvögel haben einen etwas dunkleren Kopf.

Lebensraum / Verbreitung

Abwechslungsreiche, stark strukturierte Landschaften, oft in hügeligem oder bergigem Gelände. Brut- und Jagdgebiet können bis zu 10 km auseinanderliegen. Große geschlossene Waldgebiete meidet er. Sein Jagdgebiet umfasst freie, landwirtschaftlich genutzte Flächen und fischreiche Gewässer, aber auch Ortschaften mit Mülldeponien sowie Landstraßen. Besonders ergiebig sind für den Rotmilan bewirtschaftete Wiesen - sie bieten ihm immer reiche Beute, zumal nach der Mahd.

Der Rotmilan ist ein typischer Europäer. Seine Verbreitung reicht von der Iberischen Halbinsel im Westen bis zur mittleren Ukraine im Osten. Auf den Britischen Inseln und in Skandinavien fehlt er fast völlig. Verbreitungszentren bestehen in Mitteleuropa, in Frankreich und Spanien. Im übrigen Südeuropa aber auch in Osteuropa sind die Bestände gering und rückläufig. Auf der Balkanhalbinsel fehlt der Rotmilan fast völlig und von den Kanarischen Inseln über Marokko bis Armenien besiedelt er nur winzige Verbreitungsinseln.

Rotmilan im Flug | © Rosl Rössner © Rosl Rössner

Bestand

Der Weltbestand des Rotmilans wird auf etwa 21.000-25.500 Paare geschätzt. Davon leben ungefähr 10.500-13.000 Paare in Deutschland, zwei Drittel davon in den neuen Ländern. Deutschland beherbergt also ca. 50 Prozent des Weltbestands! Eine große Verantwortung!

Das wohl bedeutendste mitteleuropäische Brut- und Überwinterungsgebiet ist das nördliche Harzvorland in Sachsen-Anhalt, wo in den 1970er Jahren noch mehr als 10 Paare/km² brüteten! In Bayern werden ähnliche Dichten heute noch in Teilen Schwabens erreicht. In Sachsen-Anhalt dagegen nahm die Brutdichte durch die Umstellung der Landwirtschaft in erschreckendem Maße ab: 1999 brüteten im nördlichen Harzvorland nur noch knapp 2 Paare/km².

Weitere wichtige Brutgebiete des Rotmilans finden sich am Rand des Thüringer Waldes, in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Süd-Niedersachsen. In anderen Regionen werden von jeher nur deutlich geringere Bestandsdichten erreicht.

Brutbiologie

Rotmilane sind mit 3 Jahren geschlechtsreif. 1 Brut/Jahr, Brutbeginn Anfang bis Mitte April, selten bereits Ende März. Baumhorst meist in Waldrandnähe oder auch in Feldgehölzen oder Pappelreihen. 2-3, seltener 4 Eier (trübweiß mit rötlichbraunen Flecken und charakteristischen dunklen Schnörkeln); Brutdauer: 32 Tage, Nestlingszeit 48 bis 54 Tage.

Rotmilan in der Luft | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka

Wanderungen

Nicht alle mitteleuropäische Rotmilane, aber doch die meisten sind Zugvögel - im Herbst zieht es sie Richtung Südwesten. Ihre Winterquartiere liegen meist in Spanien, Portugal und Südfrankreich, vereinzelt auch in Nordafrika. Seit einigen Jahrzehnten überwintern jedoch auch immer mehr Rotmilane in unseren Breiten. Sie vereinigen sich während des Winters allabendlich zu Schlafgesellschaften, während sie tagsüber weit umherstreifen und sich bis zu 20 km von ihrem Schlafplatz entfernen.

Gefährdung

Der Bestand des Rotmilans ist in Deutschland seit den 1990er Jahren um mehr als 30 % eingebrochen. Auch in Bayern ist er schon in die zweithöchste Kategorie der Roten Liste aufgerückt - unter die "stark gefährdeten" Arten. Für den bedrohlichen Abwärtstrend sind mehrere Faktoren verantwortlich:

Lebensfeindliche Intensivlandwirtschaft

Der Kulturfolger findet nur in halboffenen, abwechslungsreich strukturierten Landschaften ausreichend Beute. In unserer immer intensiver genutzten Feldflur dagegen fehlt es ihm - und vielen anderen "Agrararten" - an Nahrung. Besonders zu schaffen machen dem Rotmilan der fortschreitende Grünlandumbruch, der Anbau dichter wachsender Getreidesorten und neuer schnellwüchsiger Feldfrüchte, die Beute unerreichbar machen, und das Verschwinden von Grünwegen als alternative Jagdmöglichkeiten. Und wo es an Nahrung fehlt oder die Nahrung nicht erreichbar ist, fehlt es auch an Nachwuchs...

Brisant: In den nächsten Jahren dürfte der Boom "nachwachsender Rohstoffe" diesen Trend verschärfen. Die „Vermaisung“ der Landschaft rund um die allerorten aus dem Boden schießenden Biogasanlagen und der Anbau von Ölfrüchten für die Gewinnung von Biokraftstoffen entzieht allen Agrararten wichtigen Lebensraum - auch dem Rotmilan.

Fatal: Störungen am Brutplatz

Am seinem meist an Waldrändern oder in Feldgehölzen gelegenen Horst ist der Rotmilan sehr störungsempfindlich - Waldarbeiten oder Freizeitaktivitäten in Horstnähe führen schnell zur Brutaufgabe, und der mittlerweile vielerorts ganzjährig erfolgende Holzeinschlag und der wachsende Erholungsdruck in der Kulturlandschaft verhindern immer häufiger erfolgreiche Bruten.

Tödliche Fallen: Strommasten und Windräder

Technische Bauwerke in der freien Landschaft sind Todesfallen für viele Großvogelarten - auch für den Rotmilan: Nach wie vor kommen hierzulande regelmäßig Rotmilane durch Stromschlag an Mittelspannungstrassen um. Das müsste nicht sein: Das Bundesnaturschutzgesetz verpflichtet auch die bayerischen Stromversorger, bis 2012 alle gefährlichen Trassen vollständig zu sichern. Erfüllt ist diese Verpflichtung aber noch lange nicht, und viele, bereits realisierte "Sicherungen" erfüllen wegen methodischer Fehler ihren Zweck nicht: Die jahrelange Verschleppungstaktik der bayerischen Stromversorger kostet Leben...

Ganz neue Brisanz entfaltet der von der Energiewende ausgelöste Windkraftboom: Der Rotmilan zeigt leider keinerlei Scheu vor diesen Anlagen und gerät deshalb von allen heimischen Vogelarten am häufigsten in den tödlichen Sog der rasant drehenden Rotoren: Mehr als 160 mal wurde der Rotmilan in Deutschland schon als Schlagopfer nachgewiesen - und die Dunkelziffer ist enorm. Die im Bayerischen Energiekonzept angepeilte Errichtung von 1000 neuen Windkraftanlagen in den kommenden zehn Jahren birgt daher erhebliche Risiken für den Rotmilan.

Illegale Verfolgung:

Nicht nur in Südeuropa Beim Thema Greifvogelverfolgung zeigen wir gerne mit spitzem Finger auf unsere südeuropäischen Nachbarn - und übersehen dabei das kriminelle Tun vor unserer eigenen Haustüre: Greifvogelhasser gibt es auch hierzulande viele und sie stellen dem "Raubzeug" mit allen Mitteln nach - mit Schlagfallen, illegalem Abschuss und vor allem mit Gift. Der Rotmilan nimmt gerne Aas auf und wird deshalb nur zu oft zur leichten Beute für die Giftmörder.

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