Bayerischer Wintervogelatlas: Wer bleibt, wer zieht?

LBV und Ornithologische Gesellschaft in Bayern rufen zur letzten Erfassungssaison des Wintervogelatlas auf – Ehrenamtliche Kartierende dringend gesucht

Über die Vogelwelt in Bayern ist im Frühling und Sommer viel bekannt, denn im Sommerhalbjahr finden die meisten wissenschaftlichen Erfassungen statt. Welche Vögel sich dagegen im Winter hier aufhalten, ist bislang kaum erforscht. Das möchten der LBV und die Ornithologische Gesellschaft in Bayern (OG Bayern) ändern. Gemeinsam rufen sie die letzte Erfassungssaison des Bayerischen Wintervogelatlas aus. Im deutschlandweit einzigartigen Projekt dokumentieren Ehrenamtliche vom 15. November bis 15. Februar bayernweit Vogelarten. „Wir suchen für den Endspurt noch dringend engagierte Naturbegeisterte, die Lust auf Vogelbeobachtung zur Winterzeit haben und durch Meldungen helfen, die letzten Lücken in unseren Daten zu schließen“, sagt die LBV-Projektleiterin Lisa Schenk. Das Ergebnis soll als Atlas das Vorkommen der bayerischen Vogelwelt im Winter zeigen und als Grundlagenwerk Aufschluss über Veränderungen geben. Gefördert wird das Projekt vom Bayerischen Naturschutzfonds.

Hausrotschwanz in Winterlandschaft | © Dr. Christoph Moning © Dr. Christoph Moning
Der Hausrotschwanz überwintert zunehmend auch in milden Lagen. Der Bayerische Wintervogelatlas soll Aufschluss über Veränderungen des Zugverhaltens geben.

Für Bayerns Vögel gibt es zwei mögliche Hauptstrategien zu überwintern, die unterschiedliche Risiken bergen und für das Überleben entscheidend sein können: Bleiben oder Wegzug in wärmere Regionen. „Der lange Flug in den Süden kostet viel Energie und birgt Gefahren wie zum Beispiel die Jagd. Dagegen bringt der Winter in Bayern bei besonders niedrigen Temperaturen ein eingeschränktes Nahrungsangebot für die Vögel mit sich. Auch plötzliche Kälteeinbrüche und extreme Wetterlagen können für die Vögel gefährlich werden“, erklärt die LBV-Biologin.

Klimawandel sorgt für Veränderung im Zugverhalten

Singende Mönchsgrasmücke sitzend auf einem Zweig | © Josef Baumgartner © Josef Baumgartner
Die Mönchsgrasmücke verbringt zunehmend die kalte Jahreszeit in Bayern, statt in den Süden zu ziehen.

Schon jetzt zeigt sich, dass sich das Zugverhalten bei verschiedenen heimischen Vogelarten verändert. Weil die Winter immer milder werden und Schnee seltener lange liegen bleibt, verbringen zunehmend mehr Vögel die kalte Jahreszeit in Bayern, statt in den Süden zu ziehen. Dazu zählen beispielsweise Hausrotschwanz, Zilpzalp und Mönchsgrasmücke.

„Wir wollen herausfinden, wie sich das Überwinterungsverhalten der verschiedenen Vogelarten durch den Klimawandel verändert und welche ihrer Strategien welche Auswirkungen auf die Bestandsentwicklungen haben können“, sagt Marc Kurzmann, Vorsitzender der OG Bayern.

Wo Bayerns Wintervögel noch gezählt werden müssen

Der Winter 2026/27 ist die letzte Erfassungssaison für den Bayerischen Wintervogelatlas. Noch gibt es einige Regionen in Bayern, aus denen kaum oder gar keine Beobachtungen vorliegen. Diese Lücken sollen nun geschlossen werden, um ein möglichst vollständiges Bild der heimischen Wintervogelwelt zu erhalten. Darunter sind auch besonders reizvolle Gebiete wie im Bayerischen Wald, Fichtelgebirge, in der Rhön oder im Spessart. „Diese Regionen laden geradezu dazu ein, einen ausgedehnteren Winterspaziergang mit einer der Vogelbeobachtung zu verknüpfen,“ so Lisa Schenk. In manchen Gebieten fehlen sogar noch Nachweise der häufigsten Arten wie Amsel, Buchfink oder Kohlmeise.

Eine Übersicht, wo noch Nachweise fehlen, finden Sie hier mit der interaktiven Ergebniskarte.

Aktiv werden: Kartierende gesucht

Zilpzalp im Winter | © Andreas Hartl © Andreas Hartl
Auch das Zugverhalten des Zilpzalps verändert sich durch den Klimawandel. Immer öfter verbringt die Art den Winter in Bayern.

„Der Bayerische Wintervogelatlas ist perfekt für alle, die unsere häufigsten Vogelarten kennen, aber noch keine oder wenig Erfahrung mit der systematischen Erfassung haben“, betont LBV-Projektleitung Lisa Schenk. Vom 15. November bis 15. Februar sind die ehrenamtlichen Vogelkennerinnen und Vogelkenner in verschiedenen etwa zehn Quadratkilometer großen Quadranten unterwegs.

Jede Art, die in dem Untersuchungsgebiet gesehen oder gehört wird, wird auf einer Beobachtungsliste festgehalten – auch häufige Arten wie Amsel, Buchfink oder Kohlmeise. Schon ein einstündiger Winterspaziergang reicht aus, um mitzumachen. Wer sich intensiver beteiligen möchte, kann mit etwa 10 bis 12 Stunden Aufwand über den gesamten Winter einen vollständigen Quadranten erfassen. Bei Fragen helfen kostenlose Online-Schulungen.

Wer Interesse hat, mitzumachen, findet hier alle Informationen. Dort können tagesaktuell auch alle Meldungen sowie die Zwischenergebnisse aus dem vergangenen Winter auf einer interaktiven Karte abgerufen werden.

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