Klimawandel – Folgen für die Vogelwelt

Auswirkungen auf Brutgebiete, Lebensräume und Nahrungsangebot

Während möglichen ökonomischen und sozialen Auswirkungen große Aufmerksamkeit geschenkt wird, werden die Folgen für den Natur- und Artenschutz oftmals außer Acht gelassen – und dies, obwohl Wissenschaftler, ausgelöst durch den Klimawandel, das größte Artensterben seit der Zeit der Dinosaurier befürchten. Wir erklären Ihnen, wie sich gerade unsere Vogelwelt im Zuge ansteigender Temperaturen verändern wird. 

Bergpieper auf einem Stein | © Rosl Rößner © Rosl Rößner
Der Lebensraum des Bergpiepers wird zusehends kleiner - auch eine Folge des Klimawandels

Verschiebung der Brutgebiete zu den Polen und in höhere Lagen

Sorge um kälteliebende Arten

Alpenschneehuhn im Winterkleid | © Henning Werth © Henning Werth
Sollte sich der Klimwandel ungebremst fortsetzen, könnte das Alpenschneehuhn aus den Alpen verschwinden

Wenn die Durchschnittstemperatur ansteigt, verschieben sich die idealen Klimazonen für Arten und Lebensräume hin zu den Polen und in höhere Meereslagen. Besonders drastisch wird sich der Klimawandel beispielsweise auf Kälte liebende Arten wie das Alpenschneehuhn auswirken, denn in den Alpen beispielsweise ist die Durchschnittstemperatur um 1,8 Grad Celsius angestiegen und damit doppelt so stark wie im globalen Schnitt.  Das Alpenschneehuhn lebt oberhalb der Baumgrenze und ihm bleibt nur der Rückzug in höher liegende Gebiete.

Doch auch auf den Alpengipfeln wird der Lebensraum knapp. Immer mehr Arten, die vor der Wärme fliehen, tummeln sich inzwischen dort. Gleichzeitig schmelzen die Gletscher weiter ab. Schon heute wird die Zahl der Alpenschneehühner, die in den deutschen Alpen brüten, auf weniger als 1000 Paare geschätzt. Sollte sich der Klimawandel ungebremst fortsetzen, wir die Zahl der Brutgebiete weiter zurückgehen und das Alpenschneehuhn könnte in den Alpen verschwinden.

Fazit: Bei diesen kälteliebenden Arten ist langfristig mit 100% Lebensraumverlust zu rechnen.

 

Wärmeliebende Arten wandern nach Bayern ein

Drei farbenprächtige Bienenfresser auf einem Ast | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Der Bienenfresser profitiert von steigenden Temperaturen

Gleichzeitig sind in den vergangenen Jahren Wärme liebende Arten aus dem Mittelmeergebiet als Brutvögel nach Bayern eingewandert. Lange Zeit galt der Bienenfresser in Deutschland als ausgestorben oder wurde nur ab und an als seltener Brutgast beobachtet. Seit Anfang der 1960er Jahre wird der ursprünglich in Süd- und Südosteuropa beheimatete Vogel in weiten Teilen Deutschlands wieder ansässig.

Der Bienenfresser profitiert vom Klimawandel. Er zählt zu den südlichen Vogelarten, die ihr Verbreitungsgebiet aufgrund der gestiegenen Temperaturen nach Norden ausdehnen und zur Freude vieler Vogelfreunde die heimische Vogelwelt bereichern. Inzwischen brütet der wärmeliebende Vogel nicht nur am klimatisch besonders begünstigten Kaiserstuhl und im Saaletal. Auch weiter nördlich in den Winsener Marsch bei Hamburg, in den Niederlanden und in Dänemark fühlt er sich wohl. 

In Großbritannien hat sich das Verbreitungsgebiet von Brutvögeln zwischen 1968 und 1988 um durchschnittlich 19 km nordwärts verlagert. Dieser Vorgang wird sich in den kommenden Jahren beschleunigen.

Desynchronisation (Verschiebung des Brutzeitpunktes)

Jungkuckuck mit Teichrohrsänger | © A. Hartl © A. Hartl
Immer mehr Gelege von Wirtsvögeln sind bereits bebrütet, kommt der Kuckuck zu spät?

Die Brutzeit vieler Vogelarten ist eng mit dem jahreszeitlichen Maximum verfügbarer Nahrung verknüpft. Viele Arten kehren inzwischen deutlich früher in ihr Brutgebiet zurück als noch vor einigen Jahren.

Eine veränderte Zugzeit kann zu einer Desynchronisation mit dem Nahrungsangebot führen und somit Nahrungsengpässe verursachen.

Die Wirtsvögel von Kuckucken, wie der Teichrohrsänger, kommen immer früher aus dem Winterquartier zurück. Bei Kuckucken ist dagegen keine Veränderung festzustellen. Dies hat zur Folge, dass immer mehr Gelege von Wirtsvögeln bereits bebrütet werden, wenn Kuckucke im Brutgebiet eintreffen.

Folgerichtig müssen Kuckucke in immer höhere und kühlere Regionen ausweichen, wo der Brutbeginn ihrer Wirtsvögel später liegt.

Nahrungsmangel (Seevögel)

In den Ozeanen führt die in den vergangenen Jahren aufgetretene Erhöhung der Wassertemperaturen in Verbindung mit der intensiven Fischerei zu einer Verringerung des Nahrungsangebotes für Seevögel.

So wurde bei mehreren Meeresvögeln ein deutlicher Rückgang ihres Bruterfolges festgestellt, im Jahr 2004 kam es gar zu einem völligen Ausfall der Reproduktion. Auslöser war der Rückgang von Sandaalen, einer Schlüsselart im Ökosystem des Nordatlantik.

Verlagerung von Zugstrecken und Rastbiotopen

Trauerschnäpper auf Ast | © Hans-Joachim Fünfstück © Hans-Joachim Fünfstück
Vielen Langstreckenziehern wie z.B. dem Trauerschnäpper könnte es an Energie mangeln, wenn sie unterwegs keine geeigneten Biotope finden

Bei Langstreckenziehern könnten sich im Überwinterungsquartier sowie auf den Zugrouten durch den Klimawandel die Bedingungen deutlich ändern.

Viele Arten, wie die Rauchschwalbe oder das Blaukehlchen, fliegen nur kurze Etappen und müssen auf dem Zug regelmäßig Nahrung aufnehmen.

Wenn die dazu benötigten Feuchtgebiete aber fehlen, weil sich beispielsweise Wüsten immer weiter ausbreiten, oder Rastbiotope zu weit voneinander entfernt sind, können die Vögel auf dem Zug buchstäblich verhungern. 

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Verwendungszweck: Klimaschutz

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