Unsichtbare Gefahr Glas: Vogelschutz fängt zu Hause an
Vögel im Garten vor Kollisionen an Glasscheiben schützen – LBV gibt einfache Tipps zum Selbermachen
Mit dem Frühling erwacht das Leben in Bayerns Natur Gärten. Dort machen die Vögel aktuell mit ihren Gesängen auf sich aufmerksam, sind auf Partnersuche und bereiten den Nestbau vor. Dieses Naturereignis lässt sich jetzt gut im eigenen Wintergarten oder durch die Panoramascheiben im Wohnzimmer beobachtet. Doch die großen Glasfassaden bedeuten jedes Jahr für Millionen von Vögeln den Tod. Da sie Glas nicht als Hindernis erkennen, fliegen sie ungebremst gegen die Scheibe und erleiden innere Verletzungen oder sterben sogar.
Doch dagegen lässt sich ganz leicht etwas tun: Der LBV zeigt im Rahmen seines Projekts „Unsichtbares sichtbar machen – Reduzierung von Vogelschlag an Glas“ mit welchen einfachen, selbst gestalteten Lösungen, sich Kollisionen an Glasscheiben deutlich reduzieren lassen.
Im Garten sind jetzt wieder die Gesänge von Zilpzalp, Mönchsgrasmücke und Hausrotschwanz zu hören, die aus ihren Winterquartieren im Süden zurückgekehrt sind. Ihr eifriger Gesang schallt nun aus jedem Baum und kündigt die bevorstehende Brutzeit an. „Reviere müssen erkämpft und verteidigt, Partnerinnen beeindruckt und Nester gebaut werden. Sobald die Jungen geschlüpft sind, fängt die Arbeit für die Vogeleltern erst richtig an – Eine Blaumeise muss bis zu neun hungrige Schnäbel stopfen“, berichtet LBV-Biologe Dr. Peter Stimmler. Zu dieser Jahreszeit müssen die Vögel mehr Strecken fliegen und sind weniger wachsam für Gefahren in der Umgebung. Dabei sind nicht alle Gefahren so offensichtlich wie der Sperber oder lauernde Hauskatzen.
Vielen Gartenbesitzerinnen und -besitzern ist nicht bewusst, wie gefährlich Glas für Vögel sein kann. Sie können die transparenten Flächen weder wahrnehmen noch ihnen ausweichen. Glasscheiben an Fassaden spiegeln die Gehölze im Garten und täuschen so Verstecke vor, während Wintergärten und Windfänge für Vögel unsichtbar sind. „Wer die gefiederten Besucher im eigenen Garten füttert und Nistkästen installiert, der sollte auch Gefahrenquellen durch Glasscheiben entschärfen“, betont Peter Stimmler, Leiter des LBV-Projekts „Unsichtbares sichtbar machen“.
Tipp 1: Das schützt wie am Schnürchen
Damit Vögel Glasscheiben als Hindernisse erkennen, müssen sie auf der ganzen Fläche mit gut sichtbaren Mustern markiert werden. Aus diesem Grund sind die weit verbreiteten Greifvogelsilhouetten und auch UV-Markierungen nicht wirksam. Seit einigen Jahren gibt es wissenschaftlich geprüfte Maßnahmen, mit denen Vogelschlag an Glas deutlich reduziert werden kann.
„Die Installation eines selbstgebauten Schnurvorhangs aus weißer oder schwarzer Maurerschnur im Abstand von zehn Zentimetern ist eine bewährte, günstige und kaum sichtbare Maßnahme, um Vogel zu schützen. Die Schnüre müssen vor der Scheibe angebracht werden sowie oben und unten befestigt werden.
Tipp 2: Punkt um Punkt für Bayerns Vögel
Ein wirksames Punktmuster lässt sich ganz einfach mit einer selbst gebohrten Schablone aus Karton oder Kunststoff und einem wasserfesten Kreidemarker auf die Fensterscheibe auftragen. Die Punkte sollen mindestens 1,5 Zentimeter groß sein und höchstens neun Zentimeter Abstand zueinander haben.
„Wer es kreativer mag, kann sich an eigenen Mustern und Motiven versuchen. Wichtig ist, dass der Abstand zwischen den Mustern nicht größer als eine Handfläche ist“, rät der LBV-Biologe.
Tipp 3: Design und Vogelschutz verbinden
Eine hochwertige und ästhetisch ansprechende Lösung sind spezielle Markierungen aus Aluminium: Die kleinen silbernen Punkte werden von der Trägerrolle auf die Scheibe geklebt, ein beiliegendes Maßband hilft beim gleichmäßigen Anbringen. Ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich belegt und wird von Naturschutzverbänden und Behörden empfohlen.
Die Punkte bedecken weniger als ein Prozent der Fläche und sind daher von außen kaum sichtbar, von innen wirken sie wie ein dezentes Muster. Erhältlich sind die sogenannten SEEN-Elemente im LBV-Naturshop.
von Stefanie Bernhardt | lbv.de,