Sperber

Accipiter nisus

Ruf des Sperbers

Sperber sitzt auf einem abgebrochenen Ast | © Rosl Rößner © Rosl Rößner

Oft machen uns Vögel, wie z. B. Meisen oder Sperlinge, auf ihren Feind – den Sperber - aufmerksam, bevor wir ihn zu Gesicht bekommen. Zur Strategie des eher kleineren Greifvogels gehören sowohl Angriffe aus der Deckung als auch blitzschnelles Vorbeifliegen, um dabei einen Singvogel zu erbeuten. Seine Nahrung beinhaltet über 100 Singvogelarten, kleine Säugetiere und Insekten. Die rasante und scheinbar waghalsige Jagd findet oft zwischen Bäumen, Büschen und (v.a. im Winter) auch in Siedlungen statt.

Bei adulten Männchen ist die Oberseite blaugrau bis dunkelgrau, die Wangen sind rostrot, die Brust und der Bauch meist rot quergebändert. Adulte Weibchen sind auf der Oberseite braungrau bis schiefergrau, unterseits braungrau gebändert und manchmal ist ein weißer Überaugenstreif zu erkennen.

Jungvögel ähneln eher adulten Weibchen, haben oberseits kastanienbraunes Gefieder und sind unterseits braun quergebändert, oft unregelmäßig und grob. Auffällig ist beim Sperber also die Querbänderung der Körperunterseite, die „Sperberung“.

Die Augen sind gekennzeichnet durch eine gelbe Iris, die bei älteren Weibchen gelborange und bei älteren Männchen rot gefärbt sein kann.

Der für Greifvögel typische Geschlechtsdimorphismus ist beim Sperber so ausgeprägt wie bei keiner anderen heimischen Greifvogelart, insbesondere hinsichtlich Größe und Gewicht. Das Männchen ist etwa so groß wie ein Eichelhäher und mit durchschnittlich 140 Gramm nur halb so schwer und um ein Drittel kleiner als das turmfalkengroße Weibchen.

Häufige Verwechslung mit Habicht

Sperber im Flug | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka

Während des Fliegens erscheint der Schwanz des Sperbers lang, gerade abgeschnitten und fast immer ungefächert. Im Horizontalflug baut der kleine Greifvogel nach wenigen hastigen Schlägen mit den kurzen, runden Flügeln immer wieder Gleitflugstrecken ein, wodurch die Flugbahn leicht wellenförmig ist. Durchschnittlich sind die Flügel etwas kürzer, breiter und gerundeter als beim Turmfalken, dessen Flug viel weniger Gleitphasen aufweist.

Es gibt eine Vogelart, mit der der Sperber eine besonders große Ähnlichkeit aufweist: dem Habicht. Der Sperber ist jedoch kleiner und schlanker und seine Beine sind sehr dünn; beim Habicht ist es umgekehrt. Die eckigeren Schwanzkanten und die schmalere Schwanzbasis helfen ebenfalls bei der Unterscheidung.

Diese Merkmale sind in der Natur natürlich nicht immer so leicht zu erkennen, was zu Bestimmungsproblemen führen kann. V.a. das Sperber-Weibchen und das Habicht-Männchen können aufgrund des geringen Größenunterschieds sowie der ähnlichen Farbgebung und Gefiederzeichnung leicht verwechselt werden.

Ein weiterer Hinweis auf die Anwesenheit des Sperbers sind die angesprochenen heftigen Reaktionen der Kleinvögel.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Sperbers erstreckt sich über nahezu ganz Europa und große Teile Asiens, im Norden bis zur Baumgrenze, im Süden bis Nordafrika und im Osten bis Kamtschatka und Japan.

Ein Teil der mitteleuropäischen Individuen weicht im Winter nach Südwesteuropa aus. Gleichzeitig ziehen nordische Brutvögel nach Mitteleuropa. Bei uns ist die Art nach dem Mäusebussard und dem Turmfalken der dritthäufigste Greifvogel.

Gefährdung, Gesetzeslage und Bestand

Sperber | © Herbert Henderkes © Herbert Henderkes

Der Sperber ist eine besonders und streng geschützte Greifvogelart.

Sämtliche in Europa vorkommende Greifvogel- und Eulenarten unterliegen sowohl dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes als auch der EU-Artenschutzverordnung. Sie dürfen nicht getötet, gefangen oder auf andere Art und Weise verfolgt werden.

Jede Art der Nachstellung stellt eine Straftat dar, die mit bis zu fünf Jahren Gefängnis geahndet werden kann.

Für Bayern wird der Bestand mit 4100-6000 Brutpaaren angegeben. Diese Zahlen beruhen allerdings aufgrund der heimlichen Lebensweise des Sperbers zur Brutzeit nur auf einer ungenauen Erfassung. Damit ist er hier ein spärlicher bis häufiger Brutvogel mit nahezu flächendeckender Verbreitung, der im Gesamtbestand nicht gefährdet ist.

Dennoch bestehen zahlreiche Gefährdungsursachen wie Scheibenanflug, forstliche Maßnahmen während der Brutzeit oder die Einleitung von Schadstoffen in die Umwelt. Als Endglied der Nahrungskette ist der Sperber für toxische Biozide besonders anfällig. Deshalb sind zusätzlich zum Monitoring des Bestands und des Bruterfolgs auch künftig Analysen der Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und anderen Umweltgiften dringend nötig.

Auch wurde der Sperber schon häufiger Opfer von Naturschutzkriminalität, was künftig noch konsequenter zu melden und zu verfolgen ist.

Sperber als Singvogel-Jäger im Garten?

Sperber mit Star als Beute | © Carl-Peter Herbolzheimer © Carl-Peter Herbolzheimer

Vielen ist nicht bewusst, dass mit einer Fütterung von Singvögeln im Garten auch der Sperber als Greifvogel sozusagen mitgefüttert wird. Als Vogeljäger gehört der kleine Greifvogel zu deren natürlichem Fressfeind.

Wer die Vögel in seinem Garten mit Vogelfutter unterstützen möchte, der muss somit auch akzeptieren, dass sich hin und wieder ein Sperber seine Nahrung dort sucht.

Auf die Anwesenheit eines Greifvogels reagieren Singvögel in der Regel indem sie sich unruhiger verhalten.

Das heißt, sie sind an der Futterstelle scheuer und suchen auch nach anderen möglichen Futterquellen in der Umgebung.

Ein Sperber stört vielleicht vorübergehend die Beobachtung der Singvögel für Menschen, eine Gefahr für die Population der Gartenvögel ist er aber nicht.

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