Naturschutz und Rohstoffindustrie in Rottal-Inn gemeinsam für den Schutz seltener Amphibien
Zweiter Vertragsabschluss zwischen dem LBV und der Firma Schlagmann im Kooperationsprojekt „Natur auf Zeit“
Der LBV hat in Zeilarn einen weiteren Kooperationsvertrag zum Schutz von Amphibien in Rohstoffgewinnungsstätten geschlossen. Mit der Tongrube Zeilarn nimmt die Firma Schlagmann Poroton GmbH & Co. KG einen weiteren Standort unter Vertrag. Im Regierungsbezirk Niederbayern ist es die zweite Vertragsunterzeichnung im Projekt „Natur auf Zeit“. „Unser Ziel ist es, bedrohte Amphibienarten während der Rohstoffgewinnung zu schützen und zu erhalten. Gleichzeitig wollen wir gewährleisten, dass der Betrieb auch dann weiterlaufen kann, wenn gefährdete Arten vorkommen. Das bringt Vorteile für alle“, so Dr. Marie-Therese Krieger, die das Projekt betreut. Weil Lebensräume wie Wildflussauen weitgehend verschwunden sind, gehören Rohstoffgewinnungsstätten zu den wichtigsten Ersatzlebensräumen vieler Amphibienarten.
Bisher wurden in ganz Bayern im Rahmen von „Natur auf Zeit“ Verträge für 48 Rohstoffgewinnungsstätten geschlossen. Mit der heutigen Unterzeichnung des Kooperationsvertrags mit der Firma Schlagmann Poroton GmbH & Co. KG gibt es nun einen weiteren Vertragsstandort in Niederbayern. „Mit der engen und vertraglich geregelten Zusammenarbeit können wir gemeinsam Schutz- und Entwicklungsmöglichkeiten für die Amphibien dort schaffen. Rohstoffgewinnung und Naturschutz müssen heute keine Gegensätze mehr sein“, sagt Dr. Marie-Therese Krieger.
Janik Schäfer von der Regierung von Niederbayern begrüßt den Vertragsabschluss ebenfalls: „Das Projekt ermöglicht es, seltene Arten wie Kreuzkröte oder Gelbbauchunke aktiv zu fördern und gleichzeitig Rechtssicherheit für Behörden und Abbauunternehmen zu schaffen.“ Landrat Martin Koppmann sieht in dem Vertragsabschluss ein wichtiges Signal für den Naturschutz im Landkreis: „Rottal-Inn zeigt mit diesem Projekt, das wirtschaftliche Entwicklung und verantwortungsvoller Naturschutz hervorragend zusammenpassen. Gerade unsere Rohstoffgewinnungsstätten bieten bedrohten Amphibien wertvolle Lebensräume. Umso mehr freut es mich, dass wir mit der Firma Schlagmann einen starken regionalen Partner gewinnen konnten, der diese Verantwortung aktiv mitträgt. Solche Kooperationen sind gelebter Artenschutz und ein Gewinn für unsere Heimat.“
Louisa Ratzke von der Firma Schlagmann Poroton GmbH & Co. KG betont die Wichtigkeit der Lebensräume in den Abbauflächen: „Der Rohstoffabbau verändert das Landschaftsbild, bietet aber gleichzeitig Chancen für die Natur. Bei der Gewinnung schaffen wir Ausgleichsflächen, die ökologisch gepflegt werden. Aufgrund ihrer Strukturvielfalt sind Abbaustätten Gebiete mit einer hohen Biodiversität. Bereits während des Abbaus entstehen neue, wertvolle Ersatzlebensräume für viele Arten, wie zum Beispiel Kleingewässer Amphibien und Steilwände als Nistplätze für Vögel und Wildbienen.“
Seit 2017 führt der LBV zusammen mit dem BIV (Bayerischer Industrieverband Baustoffe, Steine und Erden e.V.) und der ABBM (Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Bergbau- und Mineralgewinnungsbetriebe e. V.) das Vorhaben „Natur auf Zeit“ durch. „Dieses Projekt ist so einzigartig wie authentisch. Dank dem Herzblut und Engagement unserer Betriebe und der Expertise des LBV haben wir ein Novum in der Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Industrie geschaffen“, erklärt Dr. Stephanie Gillhuber vom BIV. Wie erfolgreich die Zusammenarbeit ist, zeigt sich daran, dass immer wieder neue Standorte unter Vertrag genommen werden.