Nach 700 getöteten Gänsesägern: Jetzt muss endlich Schluss sein

LBV, BN und OG kritisieren Pläne zur weiteren Jagd auf den Entenvogel an Alpenflüssen scharf

Die Jagd auf den Gänsesäger soll weitergehen. So möchte es die beim Bezirk Oberbayern angesiedelte Fachberatung für Fischerei, die einen entsprechenden Antrag gestellt hat, um die Jagd auf den Wasservogel an drei Flussabschnitten in Oberbayern fortzuführen. Der LBV, der BN in Bayern und die OG Bayern kritisieren diesen Antrag scharf. Die drei Verbände kündigen massiven Widerstand an, sollte der Antrag genehmigt werden und wollen in einem solchen Fall mit allen rechtlichen Mitteln gegen den sinnlosen Massenabschuss vorgehen.

Gänsesäger | © Ralph Sturm © Ralph Sturm
Der Gänsesäger - sein Besstand liegt schätzungsweise bei ca. 500 Brutpaaren.

„Obwohl noch nicht einmal die Ergebnisse des bereits abgeschlossenen Projektes der Landesanstalt für Landwirtschaft zum Thema Gänsesäger und Äsche vorliegen, soll die Bejagung des Gänsesägers nach der Vorstellung der Fischerei-Fachberatung bis 2031 weitergehen. Eine Fortsetzung des sinnlosen Massenabschusses des Gänsesägers ist absolut inakzeptabel. Wie viele Vögel müssen noch sterben?“, fragt LBV-Geschäftsführer Helmut Beran.

Die drei Verbände kritisieren insbesondere die Vorgehensweise der Fachberatung für Fischerei. „Ohne Beteiligung der Öffentlichkeit und der Verbände versucht die Fachberatung für Fischerei, eine Genehmigung für den Abschuss von Gänsesägern im Schnellverfahren durchzubringen“, kritisiert Dr. Christine Margraf, BN-Artenschutzexpertin und stellvertretende Landesbeauftragte. „Der Gänsesäger soll offenbar weiter als Sündenbock für schlechte Fischbestände herhalten, obwohl die einzige dauerhaft wirksame Schutzmaßnahme für Fische die Renaturierung der Fließgewässer ist.“

„Wir haben in Bayern einen geschätzten Brutbestand des Gänsesägers von rund 500 Brutpaaren. Im Projekt wurden bereits rund 700 Vögel geschossen. Der Antrag für einen weiteren Abschuss von Gänsesägern an drei Gewässerabschnitten über einen Zeitraum von fünf Jahren kommt einem Ausrottungsfeldzug gleich“, betont Marc Kurzmann, Vorsitzender der OG Bayern.

Hintergrund

Gänsesäger mit Jungen | © Ingo Zahlheimer © Ingo Zahlheimer
Gänsesäger mit Jungen

Der Gänsesäger kommt in Bayern als Brutvogel nur südlich der Donau vor. Als Nahrungsgrundlage dienen ihm vor allem Fische. Dies kann in Einzelfällen zu Konflikten mit Fischern führen. Um Lösungen für einen nachhaltigen Schutz von Gänsesägern und bedrohten Fischarten zu finden, wurde nach einem Landtags-Beschluss 2019 ein Projekt inklusive einer Arbeitsgruppe mit Behörden- und Verbandsvertretern aus Fischerei, Naturschutz und Wissenschaft gestartet. Dies wird vom Institut für Fischerei an der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) geleitet und mit 800.000 € vom Landwirtschaftsministerium unterstützt. Im Rahmen des Projekts wurden in den vergangenen Jahren bereits rund 700 Gänsesäger außerhalb der Brutsaison von August bis März an bayerischen Alpenflüssen, insbesondere der Mittleren Isar geschossen. LBV, BN und die Ornithologische Gesellschaft waren aufgrund mangelnder wissenschaftlicher Aussagekraft der bisherigen Maßnahmen im Juni 2024 unter Protest aus der projektbegleitenden Arbeitsgruppe ausgetreten (siehe LBV PM-68-24).

Wiesenweihe im Feld mit fünf Jungvögeln im Dunenkleid | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
© Zdenek Tunka

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