Erster Blutspecht in Deutschland nachgewiesen

Entdeckung eines seltenen Spechts in fränkischem Garten

Zum ersten Mal wurde ein Blutspecht in Deutschland eindeutig nachgewiesen. Der Erstnachweis erfolgte in einem Garten im Landkreis Kronach in Oberfranken. Der Blutspecht, der normalerweise in Südosteuropa zuhause ist, ist sehr leicht mit dem bei uns häufigen Buntspecht zu verwechseln. 

Blutspecht in Kronach | © Katharina Richter © Katharina Richter
Blutspecht in Kronach

Im Zuge der Stunde der Wintervögel kamen einer aufmerksamen Vogelfreundin bei genauerer Betrachtung eines vermeintlichen Buntspechts Zweifel hinsichtlich der richtigen Bestimmung. Deshalb schickte sie uns auf unserer Facebook-Fanseite ein Foto mit der Bitte um Identifizierung. Schnell waren sich die Naturschützer einig, dass es sich dabei tatsächlich um einen artreinen Blutspecht handeln muss, da auch Hybride mit dem Buntspecht möglich sind.

Wärmeliebende Spechtart breitet sich nach Mitteleuropa aus

Blutspechtweibchen | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
Blutspechtweibchen

Die erste deutsche Blutspecht-Dokumentation deckt sich mit der Vorhersage europäischer Ornithologen. Demnach ist der Specht eine wärmeliebende Art, die sich in den nächsten Jahrzehnten von Südosteuropa nördlich und westlich nach Mitteleuropa ausbreiten wird. Wir erwarten, dass der Blutspecht in Zukunft auch öfter mal bei uns auftreten wird. Nur 50 Kilometer Luftlinie entfernt gibt es bereits Brutnachweise in Tschechien. Wir rufen deshalb alle Bayern dazu auf, zukünftig beim Blick in den Garten die Augen offen zu halten und Fotos von möglichen Blutspecht-Sichtungen per Email uns zu schicken unter lbv-infoservice@lbv.de. Dabei kann ein wichtiges Bestimmungsmerkmal für den Blutspecht jeder Vogelfreund ganz einfach selbst erkennen: Im Gegensatz zum Buntspecht fehlt beim Blutspecht der schwarze Streifen zum Nacken. Genau das war auch der Kronacher Vogelfreundin aufgefallen.

Ökologische Belastung aufgrund pilgernder Vogelfreunde

Buntspecht | © H. Zinnecker © H. Zinnecker
Leicht verwechselbar: Der Buntspecht

Auch wenn sich durch die Veröffentlichung bei Facebook schon einige Vogelbeobachter aus ganz Deutschland sofort auf den Weg nach Oberfranken gemacht haben, ist es aus unserer Sicht unökologisch, wenn nun Vogelliebhaber aus halb Europa dorthin pilgern, nur um den Vogel zu sehen. Genau dies passiert derzeit in Holland mit einem Rubinkehlchen. Wir verstehen das Interesse an diesem besonderen Vogel, aber die ökologische Belastung durch eine weite Anfahrt steht dabei in keinem Verhältnis zum Nutzen der Beobachtung. Außerdem weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass der erste deutsche und somit auch der erste bayerische Blutspecht-Nachweis noch so lange vorbehaltlich ist, bis eine Anerkennung durch die Deutsche Avifaunistische Kommission (DAK) erfolgt ist.

Wichtiger Hinweis zum Erstnachweis:

Die Sachlage ist eindeutig. Auch wenn der Blutspecht in Kronach vermutlich nicht der erste Blutspecht war, der jemals in Deutschland gesehen wurde, gelten für den offiziellen Erstnachweis klare Richtlinien. Wissenschaftlich zählt die Artenliste der Vögel Deutschlands mit dem Stand vom 1. Juli 2005, wie sie von Peter H. Barthel und Andreas J. Helbig in der Zeitschrift Limicola, Bd. 19, (2005), Heft 2 publiziert wurde. Hierin ist der Vogel nicht enthalten. Diese Liste wiederum richtet sich nach der Beurteilung der Deutsche Avifaunistische Kommission (DAK). Es wurden zwar vor der Beobachtung in Kronach auch schon einige Sichtungen von Blutspechten publiziert, doch davon ist keine der zuständigen Seltenheitskommission DAK gemeldet bzw. von ihr anerkannt worden. So wurde zum Beispiel auch ein 1979 fotografierter Specht längere Zeit für den ersten Blutspecht gehalten, nachträglich aber eindeutig als Hybrid identifiziert.

von Nicole Friedrich | lbv.de,

Zurück

Alle Nachrichten zum Naturschutz in Bayern

Newsletter

Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) ist mit Freistellungsbescheid des Zentral-Finanzamtes Nürnberg, Steuer-Nr. 241/109/70060, als gemeinnützigen Zwecken dienend anerkannt und gem. § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG von der Körperschaftssteuer freigestellt. Ihre Spende ist steuerlich absetzbar. Mehr