Die Folgen des Insektensterbens

Warum wir Insekten brauchen

Der unbestrittene Rückgang der Insekten wirkt sich nicht nur direkt auf die Artenvielfalt aus. Denn abgesehen von Nahrung für Vögel und andere Tiere haben Insekten einen großen ökonomischen Wert schon allein durch ihre Bestäubungsleistung.

Kirschbäume in voller Blüte auf einer Wiese | © Claudia Becher © Claudia Becher
Bäume brauchen Insekten zum Bestäuben ihrer Blüten (Foto: Kirchbäume)

Die langjährigen Untersuchungen Krefelder Entomologen ergaben besorgniserregende Rückgänge bei Artengruppen wie Schmetterlingen, Wildbienen und Nachtfaltern. Generell wurden äußerst bedenkliche Biomasseverluste bei Fluginsekten von über 80 Prozent festgestellt, wobei die Artenzahl bei Schmetterlingen um knapp ein Viertel und bei Schwebfliegen sogar über ein Viertel abnahm.

Diese Ergebnisse werden durch die im März 2018 vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) veröffentlichte Rote Liste bedrohter Insekten für 25 Gruppen untermauert: Bei 44 Prozent aller Arten ist es zu einem deutlichen Rückgang gekommen. So weisen die heimischen Zikaden bei mehr als der Hälfte der Arten einen langfristig rückläufigen Trend auf. Ebenso sind die Bestände der oft als Bioindikatoren verwendeten Laufkäfer bei 45 Prozent der Arten zurückgegangen. Es sind demnach nicht nur Insekten betroffen, die sich vornehmlich fliegend fortbewegen, sondern auch solche, die überwiegend am und im Boden leben. 

Auswirkungen auf Insektenfresser

Neuntöter mit Beute im Schnabel | © Herbert Henderkes © Herbert Henderkes
Neuntöter mit Beute im Schnabel

Der Insektenrückgang wirkt sich offenbar auch unmittelbar auf Bestände von 94 in Deutschland brütenden Vogelarten aus, die sich von Kleininsekten und Spinnentieren ernähren, vielfach aber auch Zugvögel sind, die südlich der Sahara überwintern. Im Zeitraum von 1998 bis 2009 gingen fast die Hälfte dieser Arten zurück.

Um die Auswirkungen des Insektensterbens auf die Brutbestände solcher Vögel bewerten zu können, sollte parallel zu einem Insektenmonitoring ein qualifiziertes Monitoring ihres Bruterfolgs gestartet werden. Auch wir Menschen werden an den Folgen dieser Entwicklung zu leiden haben. So wurde im 2014 von der Bayerischen Staatsregierung veröffentlichten „Biodiversitätsprogramm Bayern 2030“ festgestellt, dass „ein Rückgang der biologischen Vielfalt unmittelbare negative Auswirkungen auf Mensch, Wirtschaft und Gesellschaft haben kann“.

Diese Feststellung fußt vor allem auf den Ergebnissen der bereits 2009 von der UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) in Auftrag gegebenen Studie zur ökonomischen Bewertung von biologischer Vielfalt und Ökosystemdienstleistungen (TEEB), die in der Studie „Naturkapital Deutschland“ fortgesetzt wird.

Ein wichtiges Resultat war, dass die im Frühjahr blühenden Pflanzenarten der Feld- und Waldsäume den blütenbesuchenden Insekten (z. B. Schwebfliegen, parasitischen Wespen) oft die erste Nahrung bieten. Von den Säumen her besiedeln die Nützlinge im Frühjahr die Felder in einer Entfernung von bis zu 100 Metern in die Fläche hinein und können so die Ausbreitung von Schädlingen deutlich mindern.

In kleinstrukturierten Landschaften und bei extensiver Bewirtschaftung sind hingegen auch auf den Ackerflächen selbst intensivere Austauschprozesse und eine höhere Regenerationsfähigkeit der Nützlingspopulationen zu erwarten. In diesem Zusammenhang wurde an einem Simulationsmodell beispielhaft gezeigt, dass sich wiederum ohne die „Unterstützung“ von räuberisch lebenden Insekten die Fläche für Insektizidanwendungen etwa verdoppeln würde.

Bestäubungsleistung von Insekten

Grosse Holzbiene an einer Blüte | © Markus Glässel © Markus Glässel
Obstbäume sind für eine effiziente Bestäubung auf Wildbienen angewiesen

Ein ganz wesentlicher ökologischer wie ökonomischer Faktor ist die Bestäubungsleistung der Insekten.

Bestäubung und Ausbreitung zahlreicher Wildpflanzen hängen insbesondere vom Vorkommen der Wildbienen ab. Aber auch für fast drei Viertel der wichtigsten Nutzpflanzen spielen die tierischen Bestäuber eine wesentliche Rolle: Raps, Sonnenblumen, Ackerbohnen und Erdbeeren erreichen bis zu 40 Prozent höhere Erträge durch die tierische Bestäubung.

Im Obstbau sind bis zu 90 Prozent der Erträge vom Einsatz der Tiere abhängig. Durch zusätzliche direkte Bestäubung können Wildbienen die Effektivität der Honigbienen im Nutzpflanzenanbau sogar verdoppeln.

Der jährliche ökonomische Gesamtwert der Bestäubung durch Insekten wird weltweit auf 153 Mrd. Euro geschätzt, also nahezu zehn Prozent des globalen landwirtschaftlichen Ertrags. Für Deutschland liegt dieser Wert bei 2,5 Mrd. Euro/Jahr.

Was muss passieren, damit es den Insekten wieder besser geht?

Bläuling | © Willi Kroll © Willi Kroll

Die europäische Agrarpolitik muss auf allen Ebenen unsere Landwirte ökonomisch in die Lage versetzen, gesunde Lebensmittel zu produzieren und gleichzeitig die europäischen Ziele der biologischen Vielfalt, gesunder Gewässer und des Klimaschutzes zu erreichen. Im Einzelnen fordert der LBV:

  1. Die grundsätzliche Kopplung aller Direktzahlungen der Agrarförderprogramme an Umweltleistungen.

  2. Ein besseres Management der Schutzgebiete im Hinblick auf die Erhaltungsziele.

  3. Ein Verbot stark risikobehafteter Pestizide und generelle Beschränkung des Pestizideinsatzes. Ökologische Vorrangflächen (ÖVF) wie Blühstreifen oder Brachen, dürfen nicht mit Pflanzenschutzmitteln und Düngern behandelt werden.

  4. Die Anlage und Pflege der ÖVF muss auf 7 – 10 Prozent einer landwirtschaftlichen Betriebsfläche so erfolgen, dass Insekten dort einen Lebenszyklus vollenden können. Den

  5. Aufbau eines landesweiten modernen Insekten-Monitorings auf geeigneten Indikatorflächen

Ihre Fragen beantwortet Ihnen:

Dr. Andreas von Lindeiner

0 91 74 / 47 75 - 74 30

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