Insektensterben - Warum sie verschwinden

Wir erklären Ihnen kurz & knapp einige Gründe für das Verschwinden

Schon bei einer Insektenuntersuchung im Sommer vor zwei Jahren auf einer LBV-Fläche im Naturschutzgebiet Regentalaue, dem größten Naturschutzgebiet der Oberpfalz, stellte sich ein erschreckendes Bild dar: Dort wächst neben einem Auwald ein großer Bestand Mädesüß, das Insekten normalerweise wie ein Magnet anzieht. Typischerweise fliegt dort auch der Mädesüß-Perlmutterfalter. Doch 2016 waren dort kaum Insekten zu beobachten, weder Schmetterlinge noch Wildbienen noch Schwebfliegen. 

Mädespüß-Perlmutterfalter ist ein orangefarbener Schmetterling mit schwarzem gepunkteten und gebänderten Muster | © Petra Altrichter © Petra Altrichter
Mädesüß-Perlmutterfalter

Hauptursache: Intensive Landnutzung

Bachstelze mit Insekten im Schnabel | © Michael Schiebelsberger © Michael Schiebelsberger
Insektenfressende Vögel wie z.B. die Bachstelze sind auf Insekten als Nahrung angewiesen

Dass dies nicht nur eine Einzelbeobachtung war, belegen mittlerweile langjährige Untersuchungen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg. Sie haben mit einer standardisierten Untersuchungsmethode den dramatischen Rückgang der Insekten belegt.

Die Hauptursache ist die zunehmend intensive Landnutzung. Statt blütenreicher Wiesen dominieren Intensivgrünland und großflächige Ackernutzung. Hecken, Brachflächen sowie ungenutzte Randstreifen an Wäldern, Feldwegen, Fließgewässern und Straßen verschwinden und nehmen somit den Insektenlarven die Möglichkeit, sich zu entwickeln.

Die Lebensräume für Insekten sind in unserer Landschaft generell sehr klein geworden, und manche Vorkommen sind derart isoliert, dass der überlebenslebenswichtige genetische Austausch zwischen den Populationen fehlt.

Hinzu kommt der Einsatz von Spritzmitteln (Herbizide und Insektizide) in der Landwirtschaft, der zum einen zahlreiche Pflanzenarten vernichtet und zum anderen direkt gegen die Insekten wirkt. Durch den Wind werden die Gifte über die Spritzfläche hinaus in die gesamte Landschaft verteilt und wirken somit nachweisbar auch auf naturnah belassene Flächen.

Die Folgen für die Natur zeigen sich ebenfalls in unserer Vogelwelt: Ohne genügend Insekten können keine Jungvögel aufgezogen werden. So werden im Sommer vielerorts zum Beispiel deutlich weniger Mauersegler und Schwalben als früher beobachtet. Sie finden nicht nur immer seltener geeignete Nistplätze, sondern als Insektenfresser, die im Flug jagen, auch immer weniger Nahrung.

Ohne ein Umdenken in der landwirtschaftlichen Nutzung und Subventionierung wird das Insektensterben mit all seinen Folgen weiter fortschreiten. Wir sollten deshalb Strukturen und Vielfalt auch außerhalb von Schutzgebieten, vor allem in der Kulturlandschaft, aber auch im Garten, wieder mehr schätzen und zulassen.

(Text: Dr. Gisela Merkel-Wallner. Zuerst erschienen im LBV-Magazin 02/2018)

Newsletter