Eine Furchenbiene sammelt Nektar von lila Blüten | © Tarja Richter © Tarja Richter

Wildbienenschutz auf Photovoltaik-Freiflächenanlagen

Großes Potenzial als Lebensraum

Photovoltaikanlage  | © Dr. Olaf Broders © Dr. Olaf Broders

Mit dem im Juli 2026 gestarteten Projekt „Wildbienenschutz auf Photovoltaik-Freiflächenanlagen (PV-FFA)“ geht der LBV neue Wege und zeigt, wie Energiewende und Artenschutz Hand in Hand gehen können. Was auf den ersten Blick vor allem der Stromerzeugung dient, kann zugleich wertvollen Lebensraum schaffen. Richtig gestaltet und gepflegt, bieten PV-FFA großes Potenzial als Lebensraum für Wildbienen!  

Gefördert wird das Projekt von der Stiftung Bayerischer Naturschutzfonds aus Zweckerträgen der GlücksSpirale.

Warum brauchen Wildbienen unseren Schutz?

Grundsätzlich brauchen Wildbienen für ihr Überleben vor allem zwei Dinge: Nahrung und geeignete Nistplätze. Doch diese Ressourcen werden in unserer Landschaft immer seltener. Deshalb steht mittlerweile mehr als die Hälfte der bayerischen Wildbienenarten auf der Liste der gefährdeten Arten.

Wo früher blütenreiche Wiesen, Brachen, Hecken, Böschungen oder artenreiche Weg- und Grabenränder zu finden waren, dominieren heute oft intensiv genutzte Flächen. Gleichzeitig erschweren Umweltgifte und der Klimawandel den Wildbienen das Überleben. Um den Rückgang aufzuhalten, braucht es deshalb dringend mehr geeignete Lebensräume und konkrete Maßnahmen zum Schutz dieser wichtigen Bestäuber.

So störungsanfällig kann die Lebensweise einer Wildbiene sein

Eine Sandbiene sitzt auf einer gelben Blüte | © Tarja Richter © Tarja Richter
Die Fingerkraut-Sandbiene sammelt für ihre Nachkommen Pollen an nur wenigen Pflanzenarten. Eine davon ist das Frühlings-Fingerkraut.

Die stark gefährdete Fingerkraut-Sandbiene (Andrena potentillae) ist zum Beispiel auf wenige Pflanzenarten als Pollenquelle spezialisiert. In Deutschland sammelt sie ihren Pollen ausschließlich an einigen wenigen Arten aus der Familie der Rosengewächse. Hauptsächlich nutzt sie dafür das Frühlings-Fingerkraut (Potentilla neumanniana) und das Rötliche Fingerkraut (Potentilla heptaphylla).  

Diese Abhängigkeit macht die Art sehr verletzlich: Verschwinden die Pflanzenarten, ist schnell auch die Nahrungsgrundlage der Biene weg.

Zusätzlich zu passenden Blüten braucht die Wildbiene auch offene Bodenstellen, in denen sie nisten kann. Da sie nur auf Magerrasen vorkommt, schrumpfen ihre Überlebenschancen aufgrund von Überdüngung, Nutzungsaufgabe, oder Aufforstung dieses Lebensraumes.

Biodiversität und Energiegewinnung: Zwei Fliegen mit einer Klappe?

In Bayern gibt es schätzungsweise 10.000 bis 12.000 ha PV-FFA. Obwohl nicht alle davon in gleichem Maß für den Wildbienenschutz geeignet sind, ergeben sich hier doch große Flächen mit Potenzial für die Förderung dieser Artengruppe. Dadurch erfüllen solche Flächen eine Doppelfunktion und dienen sowohl der Förderung der Biodiversität als auch der Energienutzung.

Entscheidend für die Artenvielfalt ist jedoch bereits die Wahl des Standorts. Ökologisch besonders wertvolle Flächen wie Magerrasen, Heckenstrukturen oder artenreiche Brachflächen sollten nicht für den Bau von Anlagen genutzt werden. Solche Lebensräume haben sich oft über viele Jahre entwickelt und ihr ökologischer Wert lässt sich auch durch spätere Maßnahmen nicht vollständig wiederherstellen.

Sinnvoller sind Standorte, die beispielsweise zuvor intensiv landwirtschaftlich genutzt wurden oder Flächen entlang von Autobahnen. Dort können durch gezielte Maßnahmen und eine extensive Pflege wertvolle Lebensräume entstehen, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten zugutekommen.

PV-FFA fördern die Artenvielfalt also nicht automatisch. Werden sie jedoch am richtigen Ort errichtet und naturschutzfachlich sinnvoll gestaltet und bewirtschaftet, können sie einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Wildbienen und anderen Arten leisten.

 

Was kann auf den Anlagen für Wildbienen getan werden?

Durch Geländemodellierungen kann Offenboden entstehen, den Wildbienen zum Nisten nutzen.

Eine gelb-schwarze Schmalbiene gräbt im Sand | © Tarja Richter © Tarja Richter
Die meisten Wildbienenarten nisten im Boden. Dabei bevorzugen viele offene Bodenstellen gegenüber beschatteten Bereichen.

Mehrjährig ungemähte Bereiche bieten potenzielle Nistgelegenheiten für Hummelarten, die gerne in der dichten Krautschicht nisten. 

Waldhummel an Ochsenzunge | © Julia Moning © Julia Moning
Die Bunte Hummel (Bombus sylvarum) legt ihre Nester meist oberirdisch in der Krautschicht an.

Durch die Anlage mehrjähriger Brachen können Überwinterungslebensräume geschaffen werden. 

Verschneite Flächen zeigen die mehrjährige Brache | © Tarja Richter © Tarja Richter

Totholzstrukturen im Randbereich bieten hohlraumnistenden Arten Nistzplätze. 

Totholz | © Hans Laumer © Hans Laumer
Totholz in verschiedenen Stärken und an unterschiedlichen Standorten fördert eine Vielzahl an Arten.

Standortangepasste, blütenreiche Ansaaten zwischen Modulen oder anderen ungenutzten Flächen können das Nahrungsangebot erweitern.  

Blühende Wiese mit Solarpaneelen | © Hans Laumer © Hans Laumer
Einsaaten mit heimischem standortangepasstem Saatgut verbessern die Nahrungssituation von Wildbienen.

Projektdetails

  • Projektname: Wildbienenschutz auf Photovoltaik-Freiflächenanlagen (PV-FFA) - Modellprojekt zur Entwicklung und Optimierung von PV-FFA als Lebensraum für Wildbienen
  • Projektziele:
    1. Auswahl von mindestens 10 bis 20 geeigneten Modellanlagen.
    2. Umsetzung von Maßnahmen für Wildbienen und ggf. weitere Artengruppen.
    3. Erfolgskontrolle, um festzustellen inwiefern die Maßnahmen von Wildbienen genutzt werden.
    4. Erkenntnisse über gut funktionierende Maßnahmen sollen verbreitet werden und zum Nachahmen anregen.
  • Projektpartner:
    • Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V.
    • Landesverband Bayerischer Imker e.V.
  • Projektlaufzeit: 2026 - 2030

Projektförderung

Das Projekt wird gefördert durch die Stiftung Bayerischer Naturschutzfonds aus Zweckerträgen der GlücksSpirale.

Ansprechpartnerin

Tarja Richter, M.Sc. Biologie
Eisvogelweg 1, 91161 Hilpoltstein
E-Mail:

 

Partner

 

 

Gefördert durch:

 

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