Schmetterlinge als Spiegel der Natur: LBV-Hochschulgruppen liefern neue Daten
LBV ist neuer Partner beim Tagfalter-Monitoring Deutschland – Wichtige Erkenntnisse über den Zustand der bayerischen Natur erwartet
Mauerfuchs, Himmelblauer Bläuling oder Kleiner Feuerfalter: Für viele sind Schmetterlinge ein hübscher Farbtupfer am Wegesrand, an dem man sich kurz erfreut. Doch ihre Anwesenheit ist alles andere als zufällig: Tagfalter gelten als sensible Botschafter der Biodiversität und ihr Verschwinden erzählt viel über den Zustand einer Landschaft. Genau hier setzt der LBV an, der nun in enger Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und der Gesellschaft für Schmetterlingsschutz e. V. (GfS) das seit mehr als 20 Jahren bestehende Tagfalter-Monitoring Deutschland (TMD) in Bayern gezielt intensiviert. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Einbindung von Hochschulen. Gemeinsam mit LBV-Hochschulgruppen sollen frühere Beobachtungsstrecken wiederbelebt und neue aufgebaut werden. „Schmetterlinge zeigen uns sehr direkt, wie es unseren Wiesen und Feldern geht. Wenn bestimmte Arten verschwinden, ist das ein deutliches Warnsignal. Genau deshalb sind die Daten aus dem Monitoring so wichtig“, erklärt der LBV-Schmetterlingsexperte und Projektmanager Simon Habermann.
© Stefan Masur
Seit mehr als 20 Jahren sind engagierte Bürgerinnen und Bürger überall in Deutschland ehrenamtlich unterwegs, um die Vorkommen tagaktiver Falter zu erfassen. Dieses „Tagfalter-Monitoring Deutschland", das von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und Mitgliedern der Gesellschaft für Schmetterlingsschutz (GfS) 2005 ins Leben gerufen wurde, hat seitdem viele wertvolle Informationen über die Schmetterlingswelt und dazu, wie Landnutzung und Klimawandel den Zustand der Natur insgesamt verändern, geliefert.
„Bayern hat eine besonders hohe Vielfalt an Tagfalterarten – gleichzeitig gibt es noch Lücken in der Datenerhebung. Genau hier setzen wir an: Wir wollen das Monitoring gezielt verdichten und so ein deutlich genaueres Bild davon bekommen, wie sich unsere Tagfalterpopulationen entwickeln“, erklärt LBV-Projektmanager Simon Habermann.
© Andreas Hartl
Im Fokus steht dabei insbesondere die nächste Generation von Naturschützerinnen und Naturschützern: Zukünftig werden vor allen Dingen Studierende aus den LBV-Hochschulgruppen regelmäßig Schmetterlinge auf festgelegten Strecken – sogenannten Transekten – erfassen und damit einen wichtigen Beitrag zur Datenerhebung liefern. „Auf der Suche nach Faltern in verschiedenen Entwicklungsstadien lernt man auch seine alltägliche Umgebung neu kennen. Die Beobachtungsgänge erweitern so nicht nur die Datenlage für die Forschung, sondern auch unser eigenes Verständnis für die Lebensraumansprüche und den Schutz dieser schönen Artengruppe“, sagt Pia Stermann von der Hochschulgruppe Freising.
Die im Tagfaltermonitoring Deutschland erhobenen Daten fließen unter anderem in den Index der Grünlandschmetterlinge (Grassland-Butterfly-Index) ein, auch auf EU-Ebene ein wichtiger Indikator zur Bewertung der Biodiversität in Agrar- und Offenlandlebensräumen. Forschende des UFZ hatten den Index 2025 erstmals für Deutschland berechnet und dabei einen deutlichen Rückgang insbesondere bei den Individuenzahlen spezialisierter, anspruchsvoller Arten seit 2026 festgestellt. „Diese Ergebnisse zeigen auch, dass der Trend der Grünlandschmetterlinge in Deutschland im Vergleichszeitraum dem Trend auf europäischer Ebene entspricht, der von der Organisation Butterfly Conservation Europe zuletzt 2025 für alle 27 Mitgliedsstaaten ermittelt wurde“, sagt Elisabeth Kühn, UFZ-Biologin und Koordinatorin des Tagfaltermonitoring Deutschland.
„Gerade Arten des Grünlands sind in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen – nicht nur spezialisierte, sondern auch verbreitete Arten. Um solche Entwicklungen verlässlich zu erkennen, brauchen wir langfristige und flächendeckende Datenreihen. Aus diesem Grund freut es uns besonders, den LBV nun als starken Partner mit an Bord zu haben“, erklärt Dr. Matthias Dolek, Schmetterlingsforscher und Bayern-Koordinator des Tagfalter-Monitoring Deutschland.
Gefördert wird das Projekt von der Lesser Stiftung für Naturschutz.
von Franziska Back | lbv.de,