Erschließung und Wachstum ohne Rücksicht auf Verluste?

Ministerrat verabschiedet nahezu unbemerkt eine „Bayerische Alpenstrategie"

Der bayerische Ministerrat hat am Dienstag von der Öffentlichkeit fast unbemerkt das Maßnahmenpaket zur „Bayerischen Alpenstrategie“ verabschiedet. Die Strategie, die unter der Federführung des Wirtschaftsministeriums erarbeitet wurde, soll unter dem Motto "schützen und nützen" eine zukunftsfähige Entwicklung im bayerischen Alpenraum sicherstellen. Die Strategie konzentriert sich dabei jedoch auf wirtschaftliche Belange - es bleibt zu befürchten, dass die einzigartige bayerische Natur und Landschaft abermals das Nachsehen haben. Während Seilbahnen entgegen dem Willen der bayerischen Bevölkerung weiter gefördert werden, findet der Schutz von Arten und Lebensräumen mit keinem Wort Erwähnung.

Nebelhorngebiet in den Allgäuer Alpen | © Henning Werth © Henning Werth

Die durchaus vorhandenen positiven Aspekte der Strategie stehen im Schatten einer deutlichen Bevorzugung wirtschaftlicher Aspekte vor naturschutzfachlichen. So wird unter dem Motto der Wettbewerbsfähigkeit weiter an der Förderung von Seilbahnen in kleinen Skigebieten festgehalten – eine Politik, die entgegen aller Klimaprognosen Steuergelder in einen zukunftslosen Wirtschaftszweig pumpt. Laut einer Umfrage des LBV halten 70 Prozent der bayerischen Bürger solche finanziellen Zuschüsse für falsch. Der von der CSU so oft beschworene „Bürgerwille“ scheint hier dem Willen weniger Profiteure untergeordnet zu sein. „Große Mengen an Steuergeldern werden hier in den Erhalt einer weder wirtschaftlich noch ökologisch nachhaltigen Technologie investiert - und das gegen den Wunsch der bayerischen Bürger" sagt Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV.

Schutz von unerschlossenen Gebieten ist unverzichtbar für Erhalt der Artenvielfalt

Bergwiese Lechtaler Alpen | © Dr. Eberhard Pfeuffer © Dr. Eberhard Pfeuffer

Wir kritisieren außerdem die zunehmende Erschließung von Almen und Alpen sowie die Lockerung des Anbindegebots und eine Forcierung auf gewerbliche Nutzung in den Tallagen. Der Druck auf Freiräume in der Alpenlandschaft nimmt hier von allen Seiten zu. Gleichzeitig ist der Alpenplan, das bayernweit einzige und international einzigartige Instrument zum Erhalt von Freiräumen in den bayerischen Alpen, auf Grund der Baupläne für eine Skischaukel am Riedberger Horn ernsthaft in Gefahr.

Eine geregelte Erschließung und der Schutz von unerschlossenen Gebieten (auch und gerade vor wirtschaftlichen Einzelinteressen) ist unverzichtbar für den Erhalt von Natur und Artenvielfalt - aber auch der landschaftlichen Schönheit, die die Grundlage der bayerischen Identität und touristischen Attraktivität bildet. Zudem dienen Freiräume dem Schutz natürlicher Grundlagen wie sauberem Trinkwasser, Schutzwälder und Almflächen, die essentiell für die Lebensqualität im Alpenraum sind.

Alpenstrategie soll den bayerischen Alpenraum fit für die Herausforderungen unserer Zeit machen

"Die bestehenden und bislang erfolgreichen Instrumente wie Alpenplan und Alpenkonvention müssen in die Alpenstrategie integriert werden anstatt sie zu schleifen", fordert Schäffer, "um so auch den Belangen von Naturschutz, Freiraum- und Landesplanung Rechnung zu tragen." Angesichts der positiven Punkte, die das Maßnahmenpaket bereits jetzt beinhaltet, kann die bayerische Alpenstrategie so einen wertvollen Beitrag zur nachhaltigen, erfolgreichen Entwicklung der bayerischen Alpen als Lebens-, Wirtschafts- und Naturraum darstellen.

Die Alpenstrategie soll den bayerischen Alpenraum fit machen für die Herausforderungen unserer Zeit: globaler Wettbewerb, Digitalisierung und demografischer Umbruch, Klimawandel, Energiewende und Verkehrsverdichtung. Ein "Modernisierungsschub" für den Wirtschaftsstandort soll dabei angeblich ebenso im Fokus stehen, wie der Erhalt von Natur- und Kulturraum. Wir begrüßen ein langfristig angelegtes Konzept für den Alpenraum, das lokale Entwicklungen und Erschließungen unter dem Gedanken der Nachhaltigkeit einordnet und steuert.

Mit der Förderung von Digitalisierung, Bildung und Forschung sowie der interkommunalen Vernetzung und Förderung des ÖPNV werden in der Strategie wichtige Elemente einer erfolgreichen Entwicklung des Alpenraumes aufgegriffen. Bei der Weiterentwicklung des naturnahen Tourismus, insbesondere der Bergsteigerdörfer, Naturführer und sanfter Konzepte zum Agrotourismus werden wir uns gerne aktiv mit einbringen.

Kathrin Struller

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Kathrin Struller

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von Nicole Friedrich | lbv.de,

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