Grenzenlos für die Schleiereule im Einsatz

LBV und Museum Haus der Natur starten Artenschutzprojekt – Erste Brutpaare bereits nachgewiesen

Goldbraune bis silbergraue Federn, herzförmiger Gesichtsschleier und ein lautloser Flug: Die Schleiereule zählt zu den faszinierendsten heimischen Eulen. Doch sie steht als gefährdete Art auf der Roten Liste Bayerns. Um ihren Bestand langfristig zu sichern, haben in diesem Jahr das grenzübergreifende INTERREG-Projekt „Schleiereulen im Salzachtal und angrenzenden Gebieten“ gestartet. Die LBV-Regionalgeschäftsstelle Inn-Salzach setzt gemeinsam mit dem Museum  Haus der Natur Salzburg das Schutzprojekt in den Landkreisen Altötting, Traunstein und Berchtesgadener Land sowie im österreichischen Bundesland Salzburg um.

Schleiereule | © Hans Clausen © Hans Clausen
Unverwechselbar: die Schleiereule

„Unser Ziel ist, die Brutbestände dieser gefährdeten Eule zu erfassen, neue Nistplätze zu finden sowie ihren Lebensraum in der Agrarlandschaft zu verbessern“, sagt LBV-Biologin Sarah Wagner. Gefördert wird das dreijährige Projekt aus Mitteln des INTERREG-Programms Bayern–Österreich 2021–2027 sowie des Bayerischen Naturschutzfonds und dem Land Salzburg.

Seit Generationen leben Schleiereulen in unmittelbarer Nähe zum Menschen. Sie sind sogenannte Kulturfolger und finden ihre Brutplätze in Scheunen, Ställen oder Kirchtürmen. Von dort aus jagen sie nachts über Wiesen und Felder nach Kleinsäugern. Auch im Winter halten sie sich häufig auf Bauernhöfen auf und suchen in und um Gebäuden nach Scher- und Feldmäusen. „Finden sie einen ungestörten Platz zum Brüten, kehren viele Paare über mehrere Jahre an denselben Standort zurück“, weiß LBV-Biologin Sarah Wagner. „Deswegen ist es so wichtig, dass die Brutplätze von Schleiereulen erhalten bleiben, aber auch neue geschaffen werden.“

Schleiereulen Junge | © Sarah Wagner © Sarah Wagner
Junge Schleierulen - wie viele überleben, hängt stark vom Mäuseangebot ab.

Bruterfolg steht vor Herausforderungen

In modernen Gebäuden gibt es häufig keine Nischen im Inneren mehr, wo Schleiereulen brüten könnten. Wo natürliche Nischen fehlen, können spezielle Nistkästen als Brutplatz dienen. „Etwa einen Meter lange Kästen mit einer Ausflugöffnung nach außen können im Inneren von Scheunen oder Ställen montiert werden. So entsteht ein geschützter Platz für die Schleiereulen und ihre Jungvögel, ohne die Abläufe im landwirtschaftlichen Betrieb zu stören“, so Sarah Wanger.

Im Juni und Juli 2026 überprüfte das Projektteam aus LBV und Haus der Natur rund 150 solcher Nistkästen, die bereits im Rahmen früherer Projekte angebracht worden waren. Im Landkreis Altötting unterstützte hierbei auch der Bund Naturschutz. „Wir konnten elf Brutpaare im gesamten Projektgebiet nachweisen. In diesem Jahr stellten wir nur zwischen zwei und vier Jungen pro Nest fest, die von den Schleiereuleneltern erfolgreich durchgebracht werden konnten. Üblich wären Gelegegrößen von vier bis sieben Eiern“, berichtet die LBV-Biologin. Da es 2026 eher wenige Mäuse gab, konnten weniger Jungvögel erfolgreich großgezogen werden. Ab Mitte September plant das Team weitere Kontrollen, um mögliche Zweitbruten zu finden.

Mäusejägerin braucht geeigneten Lebensraum

Als spezialisierte Mäusejägerin ernährt sich die Schleiereule überwiegend von Scher- und Feldmäusen. Eine ausgewachsene Schleiereule frisst um die vier Mäuse pro Tag, während der Jungenaufzucht benötigt sie bis zu 50. Der Bruterfolg dieser Vogelart hängt also stark von den Mäusepopulationen ab, die alle vier bis sieben Jahre stark schwanken. Damit die Eulen genügend Nahrung finden, brauchen sie vielfältige Agrarlandschaften mit Wiesen, Hecken und Feldrainen. Der Schutz der Schleiereule hängt deshalb nicht nur von geeigneten Nistplätzen ab, sondern ebenso von einer strukturreichen Landschaft als Jagdgebiet.

Schleiereule | © Gunther Zieger © Gunther Zieger
Schleiereulen fühle sich oft in Gebäuden landwirtschaftlicher Höfe wohl.

Besondere Rolle der Landwirtschaft

Ein wichtiger Baustein des Projekts ist die enge Zusammenarbeit mit Landwirtinnen und Landwirten. Viele von ihnen begleiten „ihre“ Schleiereulen bereits seit Jahren und erleben mit, wie in den Nistkästen der nächste Nachwuchs heranwächst. Auch kennen sie ihre Höfe, Gebäude und die umliegende Landschaft besonders gut und können wertvolle Beobachtungen aus der Praxis beisteuern. Dieses Wissen hilft dabei, bestehende Brutplätze dauerhaft zu sichern, neue geeignete Standorte zu finden und mehr über die Situation der Schleiereule in der Region zu erfahren.


Weitere Pläne für die Schleiereule

Schleiereulen kennen keine Landesgrenzen. Deshalb arbeiten die Projektpartner aus Bayern und Salzburg im gesamten Grenzraum eng zusammen. Ein gemeinsames Monitoring und einheitliche Erfassungsstandards sollen erstmals eine belastbare Datengrundlage für das Projektgebiet schaffen und damit gezielte Schutzmaßnahmen ermöglichen. Als nächste Schritte ist die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft Schleiereule mit Vertreterinnen und Vertretern aus Landwirtschaft, Jagd, Behörden und Naturschutz geplant. Zudem sollen im kommenden Winterhalbjahr weitere Nistkästen gebaut und an geeigneten Standorten angebracht werden.

Wiesenweihe im Feld mit fünf Jungvögeln im Dunenkleid | © Zdenek Tunka © Zdenek Tunka
© Zdenek Tunka

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