LBV und NABU: Schluss mit Agrarpolitik von Hilfszahlung zu Hilfszahlung

Öffentliche Agrarfelder müssen gezielt in Klimaanpassung und widerstandsfähige Betriebe fließen

Zum Auftakt der Agrarministerkonferenz in Würzburg fordern der LBV und sein bundesweiter Partner NABU von Bund und Ländern eine positive Zukunftsvision für die Landwirtschaft. Statt sich von Hilfszahlung zu Hilfszahlung zu hangeln, müssen die Ministerinnen und Minister endlich die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Landwirtschaft auch in Zukunft zuverlässig und naturverträglich Lebensmittel produzieren kann.

Kiebitz-Weibchen | © Heinz Tuschl © Heinz Tuschl
Der Kiebitz verliert durch moderne Intensivlandwirtschaft immer mehr Lebensräume.

„Die Agrarpolitik darf nicht länger nur auf die nächste Krise reagieren. Die Agrarministerinnen und -minister müssen in Würzburg den Mut aufbringen, eine positive Zukunftsvision für unsere Landwirtschaft zu entwickeln und dafür bereits jetzt die richtigen Weichen stellen. Wer Ernährungssicherheit wirklich ernst nimmt, muss sie mit Leben füllen: mit gesunden Böden, mehr Artenvielfalt und Betrieben, die auch mit Dürre und Starkregen umgehen können“, sagt NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger.

Vorsorge stärker in den Mittelpunkt

Luftaufnahme einer Agrarlandschaft | © Dr. Olaf Broders © Dr. Olaf Broders
Der LBV fordert eine positive Zukunftsvision für die Landwirtschaft.

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie verletzlich die Landwirtschaft gegenüber Wetterextremen ist. Aus Sicht von LBV und NABU muss deshalb die Vorsorge stärker in den Mittelpunkt rücken. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU bietet dafür einen zentralen Hebel: Statt Milliarden Euro pauschal über die Fläche zu verteilen, sollten die öffentlichen GAP-Mittel stattdessen gezielt Leistungen honorieren, die Landwirtschaft und Gesellschaft resilienter machen – etwa Humusaufbau, Wasserrückhalt, vielfältige Fruchtfolgen, extensive Grünlandbewirtschaftung, Weidehaltung und den Schutz der Biodiversität.

Eine aktuelle NABU-Studie zeigt zudem, dass die häufig behauptete direkte Verbindung zwischen pauschalen GAP-Zahlungen und Ernährungssicherheit so nicht besteht. Selbst bei einem vollständigen Wegfall der GAP-Zahlungen würden die landwirtschaftlichen Produktionsmengen in Deutschland laut Studie unwesentlich zurückgehen; beim Weizen etwa bliebe der Selbstversorgungsgrad mit rund 129 Prozent deutlich über dem Eigenbedarf.

Weichen für benötigten Kurswechsel stellen

Die diesjährige Dürre hat auch in Bayern eindrücklich aufgezeigt: Die Landwirtschaft muss dafür sorgen, dass die Böden Wasser speichern können. Wenn Böden austrocknen, Wasser knapp wird und Feldvögel und Insekten verschwinden, verliert die Landwirtschaft ihre natürlichen Grundlagen. Wir brauchen weniger Belastung durch Pestizide und überschüssige Nährstoffe und eine Agrarpolitik, die Betriebe gezielt unterstützt, Natur und Artenvielfalt zu erhalten“, sagt Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV.

LBV und NABU fordern die Agrarministerinnen und Agrarminister deshalb auf, bei der Weiterentwicklung der GAP ab 2028 die Weichen für einen solchen Kurswechsel zu stellen. Die Unterstützung landwirtschaftlicher Betriebe müsse langfristig verlässlich sein – aber stärker an konkreten Leistungen wie Schutz von Klima, Natur, Wasser und der Widerstandsfähigkeit der Betriebe ausgerichtet werden. So könne Agrarpolitik einen gesellschaftlichen Rückhalt gewinnen, der über kurzfristige Krisenmaßnahmen hinausreicht.

Hintergrund und weiterführende Informationen

  • Verbände-Plattform zur GAP: Stellungnahme zur Ausgestaltung der verpflichtenden Ausdifferenzierung der zukünftigen Basisprämie. Die Plattform fordert, die neuen Spielräume konsequent für gesamtgesellschaftliche Ziele zu nutzen.
  • NABU-Vorschlag zur Ausdifferenzierung der GAP: Der NABU setzt sich dafür ein, öffentliche Mittel gezielt für gesellschaftlich gewünschte Leistungen der Landwirtschaft einzusetzen.
  • „Wir haben es satt!“ am 24. September 2026: Unter dem Motto „Schützt unser Wasser!“ protestiert ein breites Bündnis vor der Agrarministerkonferenz in Würzburg für mehr Umwelt-, Tier- und Klimaschutz. Die Botschaft: „Wir haben Überdüngung und Pestizide satt!“

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