Flussvertiefung: Tiefer bedeutet nicht mehr Wasser
LBV: Lösung bei Niedrigwasser liegt nicht in tieferen Fahrrinnen, sondern in klimaresilienten Flüssen
Angesichts der zunehmenden Niedrigwasserprobleme in der Donau und anderen Flüssen beraten sich heute erneut die Verkehrsministerinnen und Verkehrsminister. Medienberichten zufolge soll es auch um Maßnahmen zum weiteren Ausbau der Wasserstraßen gehen. Im Raum stehen unter anderem punktuelle Vertiefungen von Fahrrinnen, um die Schiffbarkeit auch bei niedrigen Pegeln zu verbessern. Der LBV warnt vor einer solchen Ausrichtung: Sie bekämpfe nur die Symptome der Klimakrise – mit erheblichen ökologischen und wirtschaftlichen Risiken. Stattdessen müsse die Widerstandsfähigkeit der Flüsse gestärkt werden. Davon profitierten Natur und Schifffahrt gleichermaßen.
LBV-Geschäftsführer Helmut Beran sagt: „Die Verkehrsminister reden über Symptombekämpfung, statt die eigentliche Ursache anzugehen. Die Klimakrise verändert unsere Flüsse – und darauf muss sich die Schifffahrt einstellen. Die Schiffe müssen an die Wasserstraßen angepasst werden, nicht umgekehrt. Wer jetzt Milliarden in weitere Vertiefungen steckt, riskiert ein Fass ohne Boden: Die Bauprojekte dauern viele Jahre, während Extremwetter und sinkende Wasserstände den technischen Lösungen längst davonlaufen. Tiefer bedeutet nicht mehr Wasser in den Flüssen.“
Schon heute stehen Flüsse und ihre Lebensgemeinschaften massiv unter Druck. Vertiefungen würden die ökologischen Probleme der Flüsse weiter verschärfen. Wird die Strömung auf eine kleinere Rinne konzentriert, kann dies die Tiefenerosion verstärken und eine weitere Selbsteintiefung des Flussbetts auslösen. Damit können sich Grundwasserstände absenken, was Probleme für die Landwirtschaft mit sich brächte, und die Verbindung zwischen Fluss und Auen weiter verschlechtern. Lebensräume im und am Fluss geraten zusätzlich unter Druck. Zugleich drohen Konflikte mit den Zielen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, insbesondere dem Verschlechterungsverbot.
Natur ist wichtiger Teil der Lösung
Dabei liegt ein wichtiger Teil der Lösung in der Natur selbst, so der LBV. Statt die Flüsse weiter technisch an die Schifffahrt anzupassen, müssen sie klimaresilienter werden – durch Renaturierung, die Wiederanbindung von Auen sowie den Schutz von Mooren und anderen natürlichen Wasserspeichern. „Wir müssen die jahrzehntelange Entwässerung unserer Landschaften rückgängig machen und können zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Wer Flüssen mehr Raum gibt, stärkt die Widerstandsfähigkeit unserer Landschaften gegenüber Dürre und Hochwasser. Intakte Ökosysteme wirken hierbei wie ein Schwamm: Sie halten Wasser in der Landschaft zurück und geben es in Trockenzeiten langsam wieder ab. Davon profitieren sowohl die Natur als auch die Schifffahrt“, so Beran.
Darüber hinaus braucht es Lösungen für Schifffahrt, Industrie und Handel in Niedrigwasserzeiten, wie alternative, umweltschonende Transportkapazitäten auf der Schiene, eine auskömmliche Förderung für niedrigwassergeeignete Schiffe und zusätzliche Lagerkapazitäten.