Ein Jahr im Zeichen des Rebhuhns: Amtszeit des Vogels des Jahres 2026 beginnt
Mit Glück Rebhuhn-Ketten in winterlicher Landschaft beobachten – Ungepflegt aussehende Brach- und Blühflächen bieten wichtigen Schutz
Mit dem neuen Jahr hat auch die Amtszeit des Rebhuhns begonnen. Mit dem eindringlichen Appell „Für Felder voller Leben“ hatte es im Herbst die deutschlandweite Wahl zum Vogel des Jahres 2026 gewonnen und löst den Hausrotschwanz als Jahresvogel ab.
Mit Glück lässt sich der scheue Hühnervogel in manchen Regionen Bayerns jetzt in kleine Gruppen von bis zu 25 Vögeln, sogenannte Ketten, auf Nahrungssuche in der winterlichen Landschaft beobachten. Besonders auf Brachflächen, wo verblühte Pflanzen den Winter über stehen bleiben, findet der Vogel des Jahres jetzt Nahrung und Deckung. Das Rebhuhn ist ein Standvogel und bleibt somit das ganze Jahr über in seinem Brutgebiet, doch seine Bestände haben in den letzten Jahrzehnten dramatisch abgenommen.
Junge Rebhühner der vergangenen Brutsaison bleiben im Winter oft mit den Elternvögeln in sogenannten Ketten zusammen. Diesen kleinen Gruppen können sich auch einzelne Individuen anschließen. „Das gemeinsame Überwintern birgt viele Vorteile: In großen Gruppen sind die Tiere sicherer vor Fressfeinden wie Füchsen, außerdem können sie gemeinsam auf Nahrungssuche gehen“, weiß Angelika Nelson.
Im Winter ist frische, grüne Nahrung knapp. Rebhühner scharren daher vor allem Samen von Wildkräutern und Gräsern unter dem Schnee frei. Fündig werden sie dabei vor allem auf mehrjährigen Brachflächen, die im Herbst nicht umgebrochen wurden. „Für das menschliche Auge wirken solche Flächen jetzt im Winter, wenn die Pflanzen alle verblüht sind, oft ungepflegt. Für das Rebhuhn und andere Tierarten sind sie aber überlebenswichtig“, erläutert die Ornithologin.
Auch übrig gebliebene Getreidekörner auf abgeernteten Feldern bieten willkommene Nahrung. Sichere Verstecke finden Rebhühner dort in niedrigen Hecken, einzelnen Sträuchern oder nicht gemähten Säumen und Böschungen.
Das Rebhuhn erkennen und beobachten
In offenen, strukturreichen Kulturlandschaften mit Brachflächen und Wiesen lohnt es sich jetzt bei einem Winterspaziergang die Augen nach Rebhuhn-Ketten offen zu halten. In Bayern liegen die Verbreitungsschwerpunkte in Nordbayern sowie in der Region um die Donau und Niederbayern. Es hat einen rundlich kompakten Körper, mit bräunlichem Gefieder. Der Schwanz und die Beine sind kurz. Ausgewachsene Tiere sind etwa halb so groß wie ein Haushuhn. Verwechselt wird das Rebhuhn manchmal mit dem häufiger vorkommendenden Fasan, der allerdings deutlich größer ist.
Meistens bewegen sich Rebhühner schreitend voran. Werden sie überrascht, fliegen sie dicht über dem Boden bis zur nächsten Deckung und geben dabei ihr namensgebendes „repreprep“ von sich. „Wer das Rebhuhn beobachten möchte, sollte sich möglichst ruhig verhalten, denn die Tiere sind sehr scheu. Außerdem kostet es die Tiere viel Energie, wenn sie aufgescheucht werden. Wir appellieren deswegen an alle Naturliebhabenden, Hunde anzuleinen, auf den Wegen zu bleiben und so Rücksicht auf Rebhühner und alle anderen Bewohner der Feldflur zu nehmen“, sagt Angelika Nelson.
Kartierung ab Mitte Februar: Jetzt mitmachen
Ein wichtiger Baustein für den Schutz des Rebhuhns ist das Wissen um aktuelle Vorkommen und Bestände. Der LBV engagiert sich deshalb als Partner des Dachverbands Deutscher Avifaunisten bei der Kartierung von Rebhühnern im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel (MsB). Die nächste Erfassungsperiode findet von Mitte Februar bis Mitte März statt, wenn die Balz der Rebhähne beginnt.
Die Erfassung von Rebhühnern eignet sich auch für den Einstig ins Vogelmonitoring, da der Fokus auf einer Art liegt und die Mitarbeit nur wenig Zeit erfordert. Wer Interesse hat, kann sich melden unter: rebhuhn@lbv.de.