Biogas ist durch hohen Flächenverbrauch sehr ineffizient
Klare Kritik des LBV anlässlich des heutigen süddeutschen Biogas-Gipfels – Biogas nur aus Reststoffen gewinnen
Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber setzt sich seit Jahren im engen Schulterschluss mit der Branche für Biogasanlagen ein. Auch der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) arbeitet daran, Biogas als wirtschaftliches Standbein der Landwirtschaftsbetriebe fest zu verankern. Jetzt soll ein süddeutscher Biogasgipfel den Plänen neuen Auftrieb geben. Der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) sieht das kritisch.
© Birgit Helbig
„Biogas aus Reststoffen und dem Aufwuchs von Blühflächen macht Sinn. Unsinnig ist es jedoch, für Biogas extra Energiepflanzen anzubauen, denn im Vergleich zu Photovoltaik wird dafür extrem viel Fläche verbraucht“, stellt der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer klar. Als Faustzahl gilt: Auf einem Hektar Photovoltaik (PV)-Fläche kann mindestens 28-mal so viel Energie produziert werden wie mit einem Hektar Energiemais. „Unsere landwirtschaftlichen Böden sind zu wertvoll, um sie für eine so ineffiziente Technologie wie Biogas zu opfern. Gleichzeitig ist die Vermaisung durch die Biogas-Erzeugung der Tod einer Landschaft. Maismonokulturen sind äußerst artenarm und entwerten die Landschaft für Mensch und Natur – was wir brauchen, ist ein Öko-Gasgipfel, der naturverträglichere Lösungen entwickelt“, betont Schäffer.
© Thomas Dürst
Aktuell werden nur 22,7 Prozent des deutschen Getreides für die menschliche Ernährung genutzt. Die Hälfte des Getreides wird als Viehfutter verbraucht, rund zwölf Prozent energetisch verwertet. Für den bayerischen Naturschutzverband ist das kein zukunftsfähiges Modell für die Ernährungssicherheit in Deutschland. „Wer mit dem Argument der Ernährungssicherheit regelmäßig gegen die Inanspruchnahme von landwirtschaftlichen Flächen durch den Naturschutz wettert, muss vor allem den exorbitanten Flächenverbrauch für die Biogaserzeugung eindämmen und stattdessen Photovoltaik fördern. Ernährungssicherheit bedeutet, sich von importiertem Mineraldünger unabhängig zu machen und weniger Flächen für die Futtermittelerzeugung in der Massentierhaltung einzusetzen“, so der LBV-Vorsitzende
Eine besondere Rolle können mehrjährigen Blühflächen spielen. Hier werden spezielle Saatgutmischungen verwendet, deren Aufwuchs für Biogasanlagen verwendet werden kann. Der Energie-Ertrag ist nicht so groß wie beispielsweise bei Biomais, dafür sind sie ein echter Gewinn für die Kulturlandschaft. „Sie sind ökologisch wertvoll, fördern die Artenvielfalt und tragen gleichzeitig zur Bodenverbesserung bei“, erklärt Schäffer.
Hintergrund
In Bayern waren Ende 2025 2.702 Biogasanlagen in Betrieb. Das vorherrschende Substrat für die Biogaserzeugung ist Silomais. 2024 wurde in Bayern auf 420.000 Hektar Silomais angebaut, davon mehr als 100.000 ha Silomais für Biogasanlagen. Der Hauptteil des Silomaises geht in die Tierfütterung, v.a. der Rinder. Die Reststoffnutzung, über Gülle und Mist hinaus, wird von vergleichsweise wenigen Betrieben praktiziert.
von Franziska Back | lbv.de,